"Das Miteinander ist stark gewachsen. Es ist fast noch enger als zuvor, weil man genau weiß: die Wenigen vom Stammpersonal, die noch da sind, die müssen jetzt einfach zusammenhalten. Es läuft wirklich Hand in Hand obwohl es keinem leichtfällt." So beschreibt Tanja Thomys, Stationsleitung in der Karl-Herold-Seniorenwohnanlage der Arbeiterwohlfahrt, die derzeitige Situation im Pflegeheim.

Seit Ende vergangenen Jahres hat Corona die Einrichtung fest im Griff. Vieles wurde getan, um der Situation Herr zu werden: Überstunden sind an der Tagesordnung. Etliche freiwillige Helfer unterstützen die verbliebenen Pflegekräfte. Fachkräfte der Arbeiterwohlfahrt sowie von anderen Trägern packen mit an. Seit zwei Wochen ist auch Bundeswehr zur Unterstützung im Einsatz.

Die Hilfe ist wichtig für das Team und für die Bewohner der Einrichtung, und die Erleichterung ist spürbar. Dennoch: Die Situation ist noch nicht überstanden.

Bewohner leiden unter der Isolation

Alle bringen viel Einsatz, um die Bewohner in der angespannten Situation bestmöglich zu pflegen und vor allem auch zu schützen. Die Pflegekräfte kennen die Menschen auf ihren Stationen teilweise seit Jahren und wollen gerade in der Krisen-Situation für sie da sein. Zu lange schon sind die Senioren in ihren Zimmern isoliert.

Mit Gesprächen versucht das Pflegepersonal, die Einsamkeit etwas zu lindern. "Es ist natürlich auch ein hoher psychischer Druck, dem Ganzen gerecht zu werden. Auch dass man oft längere Schichten arbeitet, als normal üblich, um alles so weit wie möglich gut abzudecken", sagt Tanja Thomys. Sie trägt, wie es die Hygiene- und Schutzmaßnahmen vorschreiben, einen Schutzkittel, Handschuhe, Haube, Schutzbrille und FFP2-Maske. Das ist wichtig - für sie und ihre Mitmenschen.

Gemeinsam mit ihren Kollegen arbeitet sie auf einer sogenannten Covid-Station. Das bedeutet, dort leben Menschen, die positiv auf das gefährliche Corona-Virus getestet wurden.

Covid-19 ist unberechenbar. Die Krankheitsverläufe sind extrem unterschiedlich - von symptomfrei über mild bis hin zu schwersten Verläufen. "Morgens steht der Bewohner noch selbstständig auf, man kann ihn mobilisieren, setzt ihn in den Rollstuhl. Man hat das Gefühl, jetzt geht's aufwärts, und eine Stunde später sieht die Situation komplett anders aus.", so die Stationsleitung.

Täglich finden deshalb Visiten mit den Ärzten vor Ort statt, um schnell auf Veränderungen zu reagieren und zu helfen. "Was gerade am meisten fehlt, ist Zeit." Das Personal ist knapp. Die Bewohner sind mehr als zuvor auf Hilfe angewiesen. Zwar war und ist die Grundpflege zu jeder Zeit sichergestellt. Doch das ist nicht alles, worauf es jetzt ankommt. Die Seniorinnen und Senioren brauchen in der jetzigen Situation mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung denn je.

Neben den Mitarbeitenden des Betreuungs- und Sozialdienstes unterstützt seit Januar auch Kudret Deniz die Mitarbeitenden auf der Station. Er arbeitet normalerweise als Pflegefachkraft bei der Diakonie Mainleus. Zuvor war er in der Awo-Karl-Herold-Seniorenwohnanlage tätig und kennt einige Bewohner noch aus dieser Zeit. Auch ihm geht die Situation vor Ort nahe: "Man sollte natürlich professionell genug sein, wenn man lange genug dabei ist, dass man dann daheim auch abschaltet. Vorher ging das auch immer. Aber jetzt, aktuell, nimmt man das natürlich mit nach Hause."

Zusätzlich zu den höheren Belastungen am Arbeitsplatz begleitet die Pfleger auch immer die Angst, sich selbst mit Covid-19 anzustecken. Die Mitarbeitenden werden deshalb täglich mittels Schnelltest getestet. Einmal pro Woche ist das Gesundheitsamt vor Ort, um Reihentestungen durchzuführen.

Das Warten ist nervenaufreibend

Das Warten auf das Testergebnis ist nervenaufreibend. "Man hat auch für sich selbst immer diese Angst, sich zu infizieren - wir haben ja zu Hause auch Familie. Da sind dann immer auch diese Gedanken: Wie würde sich diese Krankheit bei mir auswirken? Wäre es ein schwerer oder ein milder Verlauf? Man weiß es einfach nicht. Man macht es einfach den Bewohnern und dem Team zuliebe, dass man vor Ort ist, auch wenn es nicht einfach ist und wenn man sich dadurch einer gewissen Gefahr aussetzt."

Seit knapp zwei Wochen sind zusätzlich noch 15 ausgebildete Fachkräfte des Sanitätslehrregiments Feldkirchen der Bundeswehr in der Einrichtung. "Sie nehmen uns vieles ab. Unterstützen uns beim Frühstück verteilen, beim Kaffee vorbereiten und auch bei der Grundpflege, sodass wir uns mehr um die stärker erkrankten Covid-Patienten kümmern können. Wir können so auch länger beim Bewohner bleiben und uns Zeit für Gespräche nehmen", erzählt Tanja Thomys, die sehr dankbar für diese zusätzliche Unterstützung ist. Alle Beteiligten hoffen, dass sich die Situation bald entspannt und wieder ein normaler Alltag in die Einrichtung einkehrt.

Pfarrer Ulrich Winkler von der Petrigemeinde hat seine Unterstützung in der Seelsorge angeboten. Auch dafür sei man im Kreisvorstand sehr dankbar, heißt es in einer Pressemitteilung. "Wir wissen, dass es für die Angehörigen extrem schwierig ist, ihre Familienmitglieder nicht besuchen zu können." red