Der erste Geiger des Bamberger Streichquartetts im Trikot von Real Madrid, der Cellist in Hemdsärmeln und alle vier huldigen Bacchus, dem Gott des Weines, so erlebten die Fans der Bamberger Symphoniker den Schluss des Lions-Klassik-Konzerts in Kloster Banz am Sonntag.
Die "Kostbare Klassik" ließen die vier Virtuosen im Kaisersaal zurück und spielten die Zugaben im Innenhof, so wie es seither Brauch ist. Mit dem Wiener Damenländler, Polka und Bacchus von Johann Strauß wählten die Streicher Melodien im Dreivierteltakt, die Appetit auf Häppchen und Getränke machten.


Werke der Wiener Klassik

Im Kaisersaal erlebten die Zuhörer Wiener Klassik, Werke junger Komponisten, die sich auf den Weg machten, Großes zu leisten. Dem renommierten Bamberger Streichquartett ist es zu verdanken, dass im Frühlingskonzert zwei Werke erklangen, die mit Recht ins Zentrum des gut besuchten Konzerts gerückt wurden. Mit Franz Schuberts (1797-1828) Streichquartett Nr. 7 in D-Dur präsentierten die Musiker ein Frühwerk des Komponisten.
Der junge Franz Schubert studiert mit Feuereifer die Werke von Haydn, Mozart und Beethoven, um so viel wie möglich von ihnen zu lernen, um seinen eigenen Weg zu festigen. In seinem Quartett sind alle Weichen bereits gestellt: schöne Melodien, rhythmische befeuernde Impulse und harmonisch kühne Modulationen. Schon hier ist bereits die Melancholie Schuberts erkennbar.
Das Bamberger Streichquartett spielte mit hoher Sensibilität und, wie immer, auf höchstem technischen und klanglichen Niveau. Zu einer wirklichen Überraschung wurde dann das Streichquartett Nr. 3 Es-Dur von Juan Crisóstomo de Arriaga (1806-1826). Dem frühreifen Talent gelangen als 16-Jährigem drei Streichquartette, die einem Vergleich mit Haydn und Beethoven nicht scheuen müssen. Als "spanischer Mozart" wird er in den Annalen bezeichnet. Er starb bereits kurz vor seinem 20. Geburtstag an Tuberkulose. Erstaunlich sind auch Ähnlichkeiten zur Seelenwelt von Franz Schubert. In vier Sätzen zelebrierten Raúl Teo Arias 1. Violone), Andreas Lucke (2. Violine), Lois Landsverk (Viola), die für den erkrankten Branko Kabadaic einsprang, und Karlheinz Busch (Cello) dieses Meisterwerk. Berührend der langsame Satz, der an die Stimmung der "Szene am Bach" in Beethovens 6. Sinfonie erinnerte.
Mozart schrieb 1781 in München sein einziges Oboenquartett für den ersten Oboisten der berühmten Mannheimer Hofkapelle, Friedrich Ramm. Das Quartett besteht aus einem überaus fein gearbeiteten, singenden Allegro-Kopfsatz in Sonatenform, einem pathetischen d-Moll-Adagio und aus einem übermütigen Rondo.
Wieder war Mozarts Kunst zu bewundern, den Solopart mit den Streichern zu verbinden. Mit Natalia Resatsch, Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin, konnte eine profilierte Oboistin gewonnen werden, die mit blühendem Ton und Spielfreude den Saal begeisterte. Karlheinz Busch moderierte wieder mit Charme und Fachwissen.
Veranstaltet hatte das Konzert der Verein für Freunde und Förderer des Lions-Clubs Lichtenfels. Vorsitzender Walter Mackert unterstrich, dass die Konzerte die karitativen Aktionen des Lions-Clubs möglich machten. Das neueste Projekt sei die Finanzierung eines Seminars für Schulabgänger der Mittelschule Bad Staffelstein und der St.-Katharina-Schule der Caritas in Lichtenfels. Dabei lernten die Schüler, wie ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch durchgeführt wird.
"Damit erleichtern wir ihnen den Berufseinstieg", so Mackert. Das Konzert finde traditionell am 1. Mai statt, aber das Bamberger Streichquartett hatte an diesem Tag ein Engagement in der westfälischen Kulturhauptstadt Essen.