ekkehard Roepert

Forchheim — Drei Skelette, haufenweise Münzen und Haken, Perlen, Kämme, Keramiken, Würfel, Feuerstellen und Tierknochen - die Grabungen am Rathaus hätten "viele spannende Funde" an die Erdoberfläche gebracht, freute sich Pia Rotgeri-Nunnemann, die zuständige Sachbearbeiterin in der Unteren Denkmalschutzbehörde.


Schweigen und Zwischenrufe

Sie präsentierte am Dienstag im Stadtbauamt die jüngsten Grabungsergebnisse der Archäologen. Die Stadträte folgten ihren Ausführungen mit andächtigem Schweigen, gelegentlich unterbrochen von amüsierten Zwischenrufen.
Rotgeri-Nunnemann erinnerte daran, dass die Grabungen "im engen Zusammenhang" mit der Sanierung des Rathauses stünden. Zwölf Mitarbeiter der Grabungsfirma ReVe hatten sich bis zu 3,20 Meter tief in die Erde gearbeitet. Die archäologische Begleitung sei notwendig, weil "der Standort sich seit dem frühen Mittelalter im Siedlungsbereich und in unmittelbarer Nähe zur Kirche befand", erläuterte Rotgeri-Nunnemann.


Zockerstadt Forchheim

Von den Skeletten abgesehen, gehören die Funde der Stadt. Die Skelette werden in der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München archiviert. Vermutlich im Pfalzmuseum werden künftig die anderen Funde zu besichtigen sein. 13 Objekte werden von der Stadt für 1500 Euro sofort restauriert, um den Verfall zu verhindern.
"Typisch Zockerstadt Forchheim", rief ein Stadtrat dazwischen, als Rotgeri-Nunnemann von den vielen Würfeln erzählte, die gefunden wurden. Amüsiert reagierten die Räte auch auf die Tatsache, dass die Beinknochen eines Skelettes darauf schließen lassen, dass der Mann einst unter einer Knieentzündung gelitten haben dürfte. Zwischenruf aus der Sitzungsrunde: "Typische Sitzungskrankheit!"
Den Bericht über die archäologischen Grabungen nahm Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) zum Anlass, um Verständnis zu werben. Mit den Informationen werde während der Grabungen stets sehr diskret umgegangen, um keine Diebe anzulocken. Denn wie Rotgeri-Nunnemann erzählte, seien vor allem Schädelfunde nicht nur bei Medizinstudenten "sehr beliebt".
Was die Schädel der gefundenen Skelette (ein männliches, ein weibliches und das eines Jugendlichen) aussagen, das wird die Analyse der Anthropologen und Paläoanatomen zeigen.
Zeitlich in etwa zuzuordnen sind bislang nur die Funde der sogenannten Kruselerpuppen, (1350-1450), einiger Münzen (zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts) und einiger Keramik-Stücke: Sie stammen laut Rotgeri-Nunnemann aus dem "12. bis 13. Jahrhundert".


Sonderbestattungen

Die Tierknochen lassen die Vermutung zu, dass an der Stelle des heutigen Rathauses einmal ein Schlachthaus gestanden haben könnte. Und die Ausrichtung eines der Skelette lässt vermuten, dass es sich hier um eine "Sonderbestattung" gehandelt haben könnte, erklärte Rotgeri-Nunnemann.
Denn: Üblicherweise wurden die Toten in West-Ost-Richtung begraben. Ein Skelett liege aber in Nord-Süd-Ausrichtung. "So wurden Mitglieder aus Randgruppen bestattet, etwa Selbstmörder, Reisende, Gerber und Henker."