michaela Hofmann Betten, Kleidung, Lampen, Schränke, Teller: Auf rund 900 Quadratmetern versammelt der Forchheimer Gebrauchtwarenhof "Pack mer's" nahezu alles, was der Mensch benötigt, um die eigenen vier Wände und sich selbst von Kopf bis Fuß auszustaffieren. Alles, was dort angeboten wird, erhält eine zweite Chance in zweiter Hand: Wurde einst begehrt, benötigt, dann aussortiert und ausrangiert - weil die Anschaffung vielleicht ihren Zweck erfüllte, weil der ursprüngliche Bedarf sich vielleicht in Luft auflöste oder weil sich vielleicht der persönliche Geschmack veränderte.

Ilonka Gerlach ist Verkaufsleitung der gemeinnützigen Gesellschaft, die zu sechzig Prozent dem Landkreis Forchheim und zu je zehn Prozent der Caritas, der Diakonie, dem Roten Kreuz und der Arbeiterwohlfahrt gehört. Seit 20 Jahren ist sie Mitglied im Team des Hauses, das nicht nur Auffangstation und Umschlagplatz obdachloser Gegenstände ist, sondern auch Treffpunkt und Ort der Begegnung für Gleichgesinnte.

Dass sie mit großer Überzeugung und Herzblut im Einsatz ist, wird klar, als sie das Prinzip erklärt: "Einkaufen kann bei uns jeder, egal, woher er kommt und egal, welchen Geldbeutel er hat." Nicht mehr Gebrauchtes werde überwiegend im Landkreis Forchheim abgeholt. Abgeben dürfe hingegen wiederum jeder. Auch Lieferung und Aufbau im neuen Zuhause werde angeboten. "Bei uns landen Möbel, Elektrogeräte und Kleinwaren, die die Leute nicht mehr brauchen und die sonst auf dem Müll enden würden. Damit würden sie die Umwelt belasten und auch den Geldbeutel aller, die im Landkreis leben, denn Abfallbeseitigung kostet." Im "Pack mer's" schließt sich ein Kreislauf.

Schlendert man durch die Abteilungen und Gänge, durchlebt man eine kleine Zeitreise durch Mode und Design: Trachtenblusen hängen neben Teilen bekannter Markenhersteller, Hemden sind teilweise noch mit dem ursprünglichen Etikett ausgeschildert, die rote Jacke aus einhundert Prozent Nappaleder scheint ungetragen, der Wintermantel hängt neben dem Sommerkleid. Da ist ein Chippendale-Wohnzimmertisch, ein Kuchenbuffet aus den 60er Jahren, eine edle Esstischkombination, eine Jugendstilkommode, eine gemütliche Couch.

Alles ist individuell

Es gibt hier nichts von der Stange, alles ist individuell, vieles erzählt eine Geschichte, ist Zeuge einer Epoche, einer Stilrichtung. "Das rote Sofa gibt es bei uns nur einmal. Wir bekommen auch Sachen, bei denen wir uns fragen: "Was ist das? Wofür braucht man es?", erzählt sie. "Gerade unseren jüngeren Mitarbeitern geht es häufiger so. Dann erklären wir zum Beispiel, dass man da Kartoffeln durchdrückt." Küchenhelfer wie Kartoffelpressen seien häufig bei Wohnungsauflösungen älterer Menschen zu finden. Ebenso wie "Paradekissen" - "die gehörten früher in jeden Haushalt, aber man hat darauf nicht geschlafen" - und Bettwäsche aus Damast. In Möbelhäusern werde diese teuer verkauft, bei "Pack mer's" könne man sie zum Schnäppchenpreis erstehen.

"Bei uns kauft ein, wer etwas braucht und sich daran freut", schätzt Gerlach ihre Kundschaft ein. Sie meint außerdem, dass Corona das Konsumverhalten vieler grundsätzlich verändert habe. "Die Menschen sind sich bewusster geworden, woher die Dinge kommen. Es konnte über mehrere Wochen hinweg nicht wahllos eingekauft werden. Man hat sich häufiger gefragt: Brauche ich das tatsächlich? Und: Was ist wirklich wichtig?". Der Begriff "Nachhaltigkeit" ist ein Modewort geworden. Der Gedanke, der dahinter steckt, ist jedoch nicht neu. Er bedeutet: Auf Herkunft und Qualität zu setzen, die Formel "weniger ist mehr" zu beherzigen, Kaputtes zu reparieren, statt zu ersetzen.

Auch Menschen ein Dach bieten

Das Haus in der Haidfeldstraße 6 bietet nicht nur Objekten ein vorübergehendes Dach über dem Kopf, sondern auch Menschen. So wird das Sammelsurium an Nützlichem und Nippes mit der starken Unterstützung vieler Ehrenamtlicher im Verkaufsraum präsentiert. "Die Menschen, Mitarbeiter wie Kunden, kommen gerne zu uns. Sie finden hier auch Gesellschaft und Gesprächspartner."

Den sozialen Kontakt und das gute Betriebsklima schätzt Gerlach besonders hoch ein: "Ich finde das wichtig in einer Zeit, in der vieles sonst nur über WhatsApp läuft." Auch Jugendliche, die nicht stolperfrei Fuß fassen auf dem Arbeitsmarkt, finden hier Einstieg in die Berufswelt. Der Nachhaltigkeitsgedanke wird bei "Pack mer's" auf sozialer Ebene gelebt, indem Lebensläufe in positive Bahnen gelenkt werden. "Die Möbel und Kleinwaren wechseln. Und auch die Menschen, die bei uns ein- und ausgehen", so Gerlach.

Nachhaltigkeit gestärkt

Eine davon ist Jule, eine freireisende Raumausstatterin. Die Handwerkerin ist seit drei Jahren und drei Monaten auf der Walz, startete in Berlin und hat sich im "Pack mer's" eine weiße Trachtenbluse gekauft, die sie "Stenz" nennt. "Ich finde es toll, Sachen wiederzuverwenden", erklärt die 29-Jährige. Der zweite-Hand-Gedanke habe sie schon früher begleitet. "Auf meiner Wanderschaft hat sich diese Überzeugung verstärkt."

Ihr Gepäck ist leicht und minimalistisch, besteht aus Stock und einer kleinen Tasche. Sie reist sparsam, denn für Unterkunft und Fortbewegung dürfe auf der Walz kein Geld ausgegeben werden. "Auf meiner Wanderschaft habe ich gelernt, dass man zwar Pläne machen kann, aber es meistens anders kommt als gedacht. Daher mache ich einen Schritt nach dem anderen." Im Herbst will sie wieder nach Hause zurück, ihren Meister machen und dann weiter sehen.