Andreas Lösch

Fußballweltmeisterschaft, das heißt: Ausnahmezustand. Vier Wochen lang tickt die Welt ein bisschen anders, wenn das große Turnier im Gastgeberland Russland am 14. Juni eröffnet wird.
Zahlreiche Fans auch im Kreis Haßberge wollen feiern, jubeln, trinken, tanzen, lachen und vielleicht auch einfach ein bisschen ihrem Alltag entfliehen. Die Polizei im Kreis will da nicht der Spielverderber sein: "Eine WM ist alle vier Jahre, da gesteht man den Leuten das auch zu, dass sie Spaß haben", sagt der Polizeihauptkommissar Stefan Scherrer, Sachbearbeiter Verkehr für den ganzen Kreis Haßberge.


Nicht übertreiben

Er meint damit vor allem die etwas andere "Verkehrslage" nach siegreichen Spielen, oft bilden sich dann nämlich spezielle Fan-Autokorsos, bei denen viele Wagen im Pulk und hupend durch die Straßen rollen. Solange hier keine übertriebenen Aktionen wie etwa "Fans, die auf der Motorhaube mitfahren" festgestellt werden, will die Polizei nicht der Spielverderber sein. "Wir werden das schon großzügig handhaben", sagt Scherrer.
Als Freischein für Gesetzesbrüche sei das freilich nicht zu verstehen, betont Scherrer. Die Verkehrssicherheit muss weiterhin gewährleistet sein, und es gilt: Wer sich alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss ans Steuer setzt, brauche nicht zu glauben, dass die Polizei "ein Auge zudrückt". "Da gibt es kein Nachsehen", sagt der Hauptkommissar von der Inspektion Haßfurt.


Situationsbedingt entscheiden

Ansonsten, was den Autoschmuck und das Gehupe zum Beispiel in Innenstädten betrifft, will die Polizei nicht hart durchgreifen. Vor allem wolle man das situationsbedingt entscheiden. Große Fahnen etwa, die aus dem Autodach flattern oder an den Fenstern befestigt sind, werden geduldet, es sei denn, die Sicht des Fahrers würde beeinträchtigt werden.
Dann gebe es aber nicht gleich Verwarnungsgelder, sondern man spreche Betroffene ruhig und sachlich an, verspricht Scherrer. Schließlich sollen die Fans durchaus ihren Spaß haben, die Polizei hat dafür Verständnis. "Wir sind auch Fußballfans", sagt Scherrer.


ADAC: Was ist erlaubt?

Auch der ADAC weist darauf hin, das während der WM alles ein bisschen anders läuft auf den Straßen. "Aber was darf man als Fußballfan im Straßenverkehr und was nicht?", fragt ADAC-Verkehrsexperte Jürgen Hildebrandt und ergänzt: "Nicht alles ist erlaubt, aber auch nicht alles verboten". In erster Linie gehe es um die Sicherheit. Das heißt, so lange mit der Dekoration am Auto "weder die eigene Sicht noch andere Verkehrsteilnehmer behindert oder gefährdet werden, dürfen Fanartikel am Fahrzeug montiert werden". Im Stadtverkehr stelle der Auto-schmuck eher kein Problem dar.
Bei höheren Geschwindigkeiten auf Landstraßen oder Autobahnen können sich Fahnen allerdings losreißen und nachfolgende Fahrzeuge beschädigen. Daher sollte man bei Überlandfahrten die Flaggen immer abnehmen, rät der ADAC.