Christoph Böger Fußballer können auch ganz leise. Viele starren an diesem sonnigen Freitagnachmittag ins Nirgends. Der Wind pfeift über den Friesener Friedhof. Gedanken kreisen. Bis Pfarrer Sven Raube das kollektive Schweigen bricht und viele gute Dinge ins Mikrofon sagt. Zur Trauerfeier von Siegfried Kirschbauer sind die Familie, viele Freunde, Partner und Weggefährten gekommen.

Sie alle erinnern sich gemeinsam ein letztes Mal an einen ganz besonderen Torwart aus dem Frankenwald. An einen bis zum Schluss stets bescheiden gebliebenen Sportkameraden. Kirschbauer starb an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 49 Jahre alt.

Die große Fußballfamilie des SV Friesen - nahezu alle aktuellen Spieler, Betreuer und Funktionäre, aber auch Mitspieler und Trainer zurückliegender Jahre - traf sich am Dorfplatz, um gemeinsam hinauf zum Friedhof zu marschieren. Die grün-weiße Vereinsfahne vorneweg, ein ergreifendes, vielen unter die Haut gehendes Bläserstück und Trommelklänge im Ohr - über 200 Trauergäste erweisen "Siggi" die letzte Ehre.

Bewegende Worte

Es war eine bewegende Trauerfeier. Der Pfarrer spricht von Treue, Bescheiden- und Zuverlässigkeit. Von einem Menschen eben, auf den sich alle verlassen konnten. Das trifft es gut. Die Bestürzung über seinen plötzlichen Tod ist groß. Die Rede gleicht einer Lobeshymne auf den 49-jährigen Friesener, der zum Entsetzen seiner Liebsten tot in der Wohnung aufgefunden wurde. Abschied konnte niemand mehr von Siegfried Kirschbauer nehmen - doch während dieser bewegenden Momente auf dem Friedhof besteht fast eineinhalb Stunden Gelegenheit dazu.

Der Pfarrer spricht vielen, die dem Verstorbenen nahe standen, aus dem Herzen. Der Geistliche wählt gute Worte, führt der lauschende Trauergemeinde bewegende Momente vor Augen.

Friesens Vorsitzender Alexander Graf meistert seine schwere Aufgabe, nämlich am Urnengrab über seinen Freund zu plaudern, bravourös. Natürlich geht das nur mit schwerer Stimme und immer wieder Tränen in den Augen. Der Vereinschef erzählt von einem Keeper, der nie Nein sagen konnte. Von Kirchbauers bescheidenen Anfängen in Zeyern und seinen großartigen Erfolgen mit dem SVF. Von vielen Aufstiegen und Triumphen, die "unserem Siggi nie zu Kopf gestiegen sind". Der Nachruf war beeindruckend, weil ruhig und einfühlsam.

Weit über Landkreis bekannt

Anscheinend hat der Torwart weit über die Grenzen des Frankenwaldes seine Spuren hinterlassen. Denn Graf zitierte auch aus einem Kondolenzschreiben von Rainer Koch, dem Präsidenten des Bayerischen Fußballverbandes. Und fast jeder auf dem Friedhof erinnerte sich spätestens jetzt an ganz besondere Momente, die er mit dem Verstorbenen erlebte. Eine Gemeinde verneigt sich in diesen Sekunden vor einer Persönlichkeit. Und der stolzer Sportverein vor einem ruhigen Torwart, der eine schwer zu schließende Lücke - nicht nur zwischen den Alupfosten - hinterlässt. Nach einem Vater Unser und dem Glaubensbekenntnis sowie Dietrich Bonhoeffers "Von Guten Mächten wunderbar geborgen" wird es für einen kurzen Augenblick noch einmal ganz ruhig. Die Stille wirkt passend, friedlich, so wie die Atmosphäre in Friesen auch gar nicht so sehr von Trauer geprägt war, als viel mehr von Bestürzung, aber vor allem von großem Respekt.

Ein letztes Prosit auf Siggi

Es war eine schöne Verabschiedung in dem zu erwartenden, eben diesem traurigen Anlass entsprechend großen Rahmen. Die Fußballer marschieren geschlossen ins Dorf zurück und stoßen bei Bratwurst und Kraut ein letztes Mal auf ihre Nummer Eins an. Vorstandsmitglied Sepp Geiger bringt es auf den Punkt: "Das waren wir unserem Siggi noch schuldig".