Ein bisschen Abenteuer braucht jeder Mensch. Goethe hat es einst poetisch ausgedrückt: "Das ist das Angenehme am Reisen, dass auch das Gewöhnliche durch Neuheit und Überraschung das Ansehen eines Abenteuers gewinnt." Reisen ist Abwechslung - und Abwechslung ist Leben. Ohne neuen Input wird es irgendwann kritisch, wie Bestseller-Autor Paulo Coelho weiß: "Wenn du denkst, Abenteuer sind gefährlich, versuch's mal mit Routine. Die ist tödlich." Jetzt, im Sommer, wäre die richtige Zeit, um zu verreisen, neue Länder und Leute kennenzulernen, den eigenen Horizont zu erweitern und helle Erinnerungen für einen dunklen Winter zu generieren. Doch wegen eines widerwärtigen Virus' ist das nicht so einfach. Viele von uns bleiben vernünftigerweise daheim. Ich auch. Mitsamt Meeressehnsucht und Fernweh.

Fantasie ist gefragt. Es gibt in Franken zwar keinen Ozean, aber durchaus ein Mehr an Möglichkeiten zum Müßiggang. Wir haben hier sogar einen Bergnebelwald und die amerikanische Prärie - okay, nur in Klein und im Botanischen Garten, aber immerhin. Wir können lebende Wasserbüffel bestaunen oder an einer Schneewittchen-Rallye teilnehmen (-> Fränkischer Sonntag, Seite 3). Wesentlich beim "Urlaub daheim" ist natürlich, den üblichen Pflichten wie Putzen, Kochen, Waschen eine lange Nase zu drehen - Alltag ade, so wird's schee!

Zugegeben: Der hier beschworene Optimismus hat schon auch was mit Galgenhumor zu tun. Wenn ich beim Abendspaziergang mit dem Hund mal kurz die Augen schließe, höre ich, wenn der Wind richtig steht, die nahe Autobahn. Es ist ein Rauschen, das mit dem Verkehrsaufkommen ansteigt und abflaut. Das sind die Meereswellen 2020. Und das rhythmische Hecheln des Tieres ist der Urlaubshit 2020.

"Gehe einmal im Jahr irgendwohin, wo du noch nie warst", sagt der Dalai Lama. Er sagt nicht, dass das weit weg sein muss. Eins ist überall auf der Welt gleich: Der Weg ist das Ziel. Also auf ins fränkische Abenteuer.