Zum Artikel „G’scheit geplant ist halb saniert“ im FT vom 7. April:

In der jüngsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses des Forchheimer Stadtrats wurde über den Kellerwald diskutiert. Beim Wort „Kellerwald“ überkommen einen gleich sentimentale Erinnerungen an Annafeste und Kellerbesuche, die man als Jugendlicher mitgemacht hat. Man denkt an unbeschwerte Augenblicke, wo man einst übermütig von wackeligen Bierkellergeländern gesprungen, auch schon mal besoffen vom Bänkla gebollert und dann schließlich des Nächtens querwaldein gen Heimat getorkelt ist.

Da erstaunt es, dass dieser Kellerwald anscheinend inzwischen sanierungsbedürftig ist und es eines Masterplans bedarf, um das grüne Freiluftzimmer der Großen Kreisstadt zu retten. Was hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, dass nun ein so pathetisch klingendes Programm für den Hauswald der Forchheimer initiiert werden muss? Jede Maßnahme braucht heutzutage zunächst einen plakativen Namen („Masterplan Kellerwald“) und es wird erst mal ein Gesamtkonzept erstellt. Dieses muss alle fundamentalen Anforderungen an Sicherheit, Naturverträglichkeit und Nachhaltigkeit erfüllen, es sollte multikulturelle Züge haben und es darf dabei niemand diskriminiert, benachteiligt oder ausgeschlossen werden. Danach wird das Ganze den Bürgern präsentiert, was natürlich in gendergerechter und politisch korrekter Sprache geschieht.

Dann wird ein vielköpfiger Ausschuss gebildet, der sich in zahlreichen Sitzungsrunden intensiv mit dem Thema auseinandersetzt und vor dem sogenannte Experten ihre Expertisen zum Besten geben. Zeitgleich wird zu dem Projekt eine Online-Bürgerbefragung gestartet und ein Ideen-Wettbewerb dazu ausgerufen.

Dann wird das Ganze in den sozialen Medien intensiv diskutiert, wo jeder seinen Kommentar dazu abgibt. Danach werden erste kleine Aktionen (Bemusterung von Geländern sowie Bau neuer Querwege) und erste Teilkonzepte (Rettungswege) umgesetzt, um der Bevölkerung zu signalisieren, dass sich schon was tut. Alsbald kommen höherrangige Behörden mit beeindruckenden Kürzeln („BLfD“) ins Spiel, die ein brandneues, meist EU-gefördertes Konzept mit imposantem Namen („Kommunales Denkmalkonzept“) und prägnanter Abkürzung („KDK“) vorstellen.

Vielleicht war vor vierzig Jahren, als es nur wenige Köpfe gab, die entschieden haben, was gemacht wird, und das dann auch noch zügig umgesetzt wurde, doch nicht alles so schlecht. In jedem Fall war das Leben damals sicher einfacher und unkomplizierter, denn man hat sich stets „…um’a Siema am Riesenrod…“ getroffen und ist dann – in der Regel ohne Plan und Konzept – entspannt übers Annafest geschlendert.

Edwin Rank

Weingarts