Es nervt. Seit mehr als einem Jahr werden Nachtschwärmer, Kulturgenießer und Geselligkeits-Süchtlinge zu Stubenhockern degradiert. Nicht falsch verstehen, die Rückbesinnung auf die Heimeligkeit schafft für intakte Familienverhältnisse mitunter wertvolle Zeit füreinander. Aber es fehlt der Ausgleich für das tägliche Hamsterrad aus Homeoffice, Homeschooling und Netflix-Abo. Soweit nichts neues. Nun gibt es eine Lösung in greifbarer Nähe. Zumindest für manche, leider nicht alle. Und schon entbrennt eine neue Debatte. Eine, die viel gefährlicher ist als all die kruden Verschwörungssagen einiger Corona-Leugner . Eine Neiddebatte.

Wer geimpft oder von einer Covid-Erkrankung bereits genesen ist, könnte seine eingeschränkten Grundrechte schon in dieser Woche zurückerlangen. Das ist längst überfällig, wenngleich das Wie noch immer unausgereift erscheint.

Laut schreien nun vor allem jene sofort von „ Ungerechtigkeit “, die noch nicht in den Genuss von Antikörpern gekommen sind. Dieser Gedanke ist so alt wie die Menschheit ; bevor es dir besser geht als mir, sollen wir lieber gleich schlecht dran sein. Das ist gefährlich , konterkariert es doch das einzig Positive der vergangenen Monate, das Zusammenrücken einer von Corona gebeutelten Gesellschaft.

Ignoranten, die ihren Nächsten nicht den Gang ins Theater oder das sorgenfreie Einkaufen gönnen, nur weil sie selbst noch ausharren müssen, verkennen einen entscheidenden Punkt: Die „neue“ Freiheit der Geimpften und Genesenen ist mitnichten ein besonderes Privileg. Sie erlaubt es ihnen nur, endlich wieder über ein normales Leben nachdenken zu können. Dass sich das Bundeskabinett nun selbst einer einheitlichen Regelung annimmt, ist gut. Für einen reibungslosen Ablauf müssen aber die Betriebe vor Ort sorgen. Hierfür brauchen sie bestmögliche Unterstützung. Von der Politik, den Behörden – und den Bürgern .