JOsef Hofbauer

Die Professorin Silke Christiansen leitet seit Januar 2013 das Institut "Nanoarchitekturen für die Energieumwandlung" am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie und lehrt als Professorin im Fachbereich Physik. Die Expertin für Nanostrukturen ist gerade dabei, im Forchheimer Medical-Valley-Zentrum eine Außenstelle des Helmholtz-Institutes einzurichten. Die ersten Lastwagen mit tonnenschweren und Millionen Euro teuren Marken-Mikroskopen seien bereits unterwegs nach Forchheim, erklärte sie auf der jüngsten Stadtratssitzung.
Um Nano-Strukturen beobachten zu können, das ist eine Größenordnung 10 000 mal kleiner als der Durchmesser eines Haares, sei ein "bewaffnetes Auge" notwendig, so die Forscherin. Deshalb sollen in Forchheim Elekronenmikroskope installiert werden. Mit Hilfe dieser Kolosse - eines der Beobachtungsgeräte wiegt drei Tonnen - können Knochen einer Maus auf Osteoporose untersucht werden.


Erkenntnisse gewinnen

Daraus sollen Rückschlüsse auf die Bekämpfung dieser Knochenkrankheit gezogen werden. Krebs-Sensoren dienten zur Erforschung von Tumorzellen und aus der Beobachtung und Untersuchung der schillernden Farben von Schmetterlingsflügeln könnten Erkenntnisse für Lichtleiter-Sensoren gewonnen werden, verdeutlichte die Professorin die Bandbreite der Forschungen. Ebenso könnten Defekte in einer Metallwalze erkannt werden. Die neue Forschungsstätte, die eng mit dem Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) zusammenarbeiten soll, in dem komplexe Materialsysteme erforscht werden, die dazu beitragen, Herausforderungen wie die Energiewende zu bewältigen, strebe auch eine Kooperation mit dem Max-Planck-Institut an.
Der weltweit tätige Technologiekonzern Zeiß bringe mit seinen optischen und optoelektronischen Geräten die Welt der Optik weiter voran und gestalte den technologischen Fortschritt mit. Dieses Unternehmen mit den Standorten in Jena und Oberkochen unterstützte das Innovationszentrum in Forchheim, das exakt in der Mitte dieser beiden Standorte liege.


Schlüsseltechnologien

Schwerpunkte der Forschung, so Silke Christiansen, sollen Gesundheits- und Medizintechnologie sowie Material und Schlüsseltechnologien der Zukunft sein. Das Ziel: Detektoren made in Forchheim. Als Partner hat die Nano-Expertin die Medizinsparte von Siemens, den Technologiekonzern Schaeffler aus Herzogenaurach oder den Licht-Spezialisten Osram (München, Regensburg) im Visier. Sie seien aber nur der Anfang. Auch für andere Unternehmen sollen Prozesskomponenten erstellt, evaluiert und weiterentwickelt werden, betonte Christiansen. "Da ist noch viel Luft nach oben", unterstrich die Professorin, die ihre drei Kinder am liebsten in Franken aufwachsen sehen will.


Ausbau in Sicht?

Für ihre Träume ist das Medical-Valley-Center mit seinen fast 5000 Quadratmetern Nutzfläche bereits jetzt zu klein. So wünscht sie sich auf dem Schotterfeld neben dem Medical-Valley-Center ein zweites großes Technologiegebäude.
"Nun gilt es, dem Helmholtz-Institut das Geld für diesen Bauabschnitt abzuquatschen", formulierte die Forscherin salopp. Bis dahin sollen Labor-Container als Ersatz dienen. Die Materialien und die Einrichtung dafür, so Christiansen, seien bereits vorhanden.