Sebastian Schanz

Irgendwo zwischen bunten Schaufenstern und den wehenden Werbefahnen des Mediamarktes verläuft die Grenze zwischen dem Bamberger und dem Hallstadter Teil des Gewerbegebiets Hafen. Auf den ersten Blick wird der Kunde von der Grenze nichts bemerken, auf den zweiten vielleicht schon - denn im Fall der Halle Laubanger 14 auf Bamberger Gebiet hat sie Leerstand zur Folge. Und sogar einen Rechtsstreit zwischen Bamberg und Hallstadt.


Tristesse im Schaufenster

Zu einer Art Sorgenkind hat sich die Halle gegenüber Obi entwickelt. Tristesse beherrscht das Bild. Mit mehreren leer stehenden Geschäftsräumen nebeneinander - im ansonsten prallen Schaufensterumfeld. Auflockerung bieten lediglich ein paar Schilder: "Räumungsverkauf bei Intersport Voswinkel". Das Sportgeschäft schließt. Wie die Mitarbeiter berichten, scheiterten die Verhandlungen mit dem Vermieter um eine Verlängerung des Pachtvertrages.
Das bestätigt der Vermieter, die FIM-Unternehmensgruppe mit Sitz in Bamberg. "Wir wollen massiv in den Standort investieren, um ihn zeitgemäß aufzustellen", sagt Jan Lerke, Geschäftsbereichsleiter im Immobilienmanagement. Das Konzept sei nicht mit Mietreduzierungen vereinbar gewesen. Lerke räumt ein, dass der derzeit herrschende Leerstand nicht gerade geschäftsfördernd sei. Es liege aber nicht an der FIM-Unternehmensgruppe: "Wir haben einige Mietanfragen, aber uns behindert das Baurecht." Mehrere Konzepte für neue Nutzungen seien vonseiten der Stadt abgelehnt worden. "Die Sortimente passten nicht zur Innenstadtverträglichkeit", berichtet Lerke. Unter anderem sei ein großer Sportartikelhersteller interessiert gewesen. Der hat nun auf Hallstadter Seite zugeschlagen: Decathlon. Ein Politikum.
Der Sportriese siedelte sich beim Ertl-Zentrum an, das vergrößert wird. "Uns fällt es schwer, die städtischen Sortimentfestlegungen genau zu erfüllen, und die Hallstadter Vermieter nehmen die Interessenten mit Kusshand", sagt Lerke. FIM sei gerade dabei, ein neues Konzept zu entwickeln, Toys R Us und Norma sollen bleiben. Die weiteren Geschäfte müssen dann wieder der Stadt vorgelegt werden. "Auf Hallstadter Seite wäre das Objekt bereits fertig entwickelt", schätzt Lerke.


Stadt versus Hallstadt

Derweil gehen bei Decathlon - in Hallstadt - die Kunden bereits seit November ein und aus. Ungeachtet des pendelnden Damokles-Schwertes namens Normenkontrollklage. Denn die Stadt macht Ernst: Sie hat Hallstadt wegen des Geschäfts verklagt. Fehlende Abstimmungen zwischen den Kommunen bei der Genehmigung, so der Vorwurf. Das Argument auch hier: Der Sportriese sei nicht verträglich mit dem Handel in der Bamberger Innenstadt. "Das Verfahren ist beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht worden und läuft", berichtet Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder (CSU). Das Gericht bestätigt dies auf Nachfrage. Wie lange es bis zu einer Entscheidung dauern wird, ist ebenso unklar wie die Frage, was für den Fall passiert, wenn das Urteil gegen Hallstadt ausfallen sollte.


Verdichtung als Zauberwort

Die Kunden bekommen von dem juristischen Geplänkel freilich nichts mit. Was zählt, ist die Vielfalt. Und hier sehen sich die Verantwortlichen auf beiden Seiten des Rechtsstreits gut aufgestellt. "Das Zentrum erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit, sowohl bei Kunden als auch bei Unternehmern", ist sich Söder sicher. "Das Gewerbegebiet Laubanger ist beim Einzelhandel gefragt, da Agglomerationsvorteile gerne genutzt werden und die Verkehrsanbindung gut ist", hebt Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar die Verdichtungseffekte hervor.
Diese Verdichtung wird gerade am Ertl-Zentrum vertieft. Kräne und Bauarbeiten bestimmen das Bild. "In den nächsten zwei Monaten soll das neue Parkhaus fertig sein", sagt Gabriele Schrödel, stellvertretende Vorsitzende im Verein "Bamberg Hafen Hallstadt". Man müsse der Online-Konkurrenz etwas entgegensetzen. "Jeder spürt das Netz. Insgesamt haben die Frequenzen nachgelassen", räumt auch der Vorsitzende des Vereins, Werner Bschorr, ein. Entgegenwirken könne man durch die Verzahnung zwischen Digitalgeschäft und Vor-Ort-Nähe, durch Service und Beratung. "Man muss den Kunden ein Einkaufserlebnis bieten." Leerstand und Langeweile seien Gift für ein Gewerbegebiet.
Abseits des Sorgenkinds Laubanger 14 listet Stadtsprecherin Siebenhaar nur ein kleineres Gebäude im Laubanger 17 als weiteren Leerstand auf. Und auch Bürgermeister Söder berichtet lediglich von vereinzelten Wechseln. Das neue Ertl-Zentrum lockt Anreiner. Die Drogeriekette dm ist hierhin umgezogen, Aldi ebenfalls. Er öffnet gegenüber dem neuen Parkhaus, neben einem Rewe. Beim Real entsteht laut Söder ein Burger King: "Hier beginnen bald die Bauarbeiten."