Ferdinand Bozdech feierte seinen 100. Geburtstag - er ist der älteste männliche Einwohner Kronachs. Er ist 1918 in Ölmütz/Mähren geboren. Damals, wie er sagt, in der Donaumonarchie Österreich-Ungarn als "Untertan" des letzten Kaisers Karl I. Sein leiblicher Vater, der österreichische Staatsbeamte Johann Trummer, starb Ende 1917 bei einem Angriff der Italiener auf den Hafen von Porto Rose in Italien, wo damals seine Mutter Franziska Frais als Köchin arbeitete. So bewegt, wie es schon bei seiner Geburt zuging, so setzt sich der Lebenslauf des Jubilars fort.
Er kann wirklich auf ein ereignisreiches und bewegtes Leben zurückblicken. Besonders zeichnen ihn sein Fleiß in der fast 50- jährigen Arbeitsausübung aus sowie in der Treue von nunmehr 82 Jahren zur Gewerkschaft IG Metall. Mehrere Wohnsitz- und Arbeitsplatzwechsel sind symptomatisch. Seine Kindheit in Leipnik in Nordmähren, der Heimatstadt seiner Mutter. Diese Stadt lag nur sieben Kilometer von der deutschen Sprachgrenze entfernt. Nach der ersten Volksschulklasse kam der Umzug in die Südslowakei nach Lucenec, wo der Jubilar die Volksschule und danach die Bürgerschule besuchte, nach dem Schulabschluss folgte die Lehre zum Schlosser. 1936 war er beim Bau einer neuen Eisenbahnstrecke beschäftigt. Lucenec wurde ungarisch. Alle tschechoslowakischen Staatsbürger wurden ausgewiesen, darunter auch seine Familie. Nach der Unabhängigkeit der Slowakei wurde die Familie erneut ausgewiesen, diesmal ins Protektorat Böhmen und Mähren.
1939 bis 1945 war Bozdech in Berlin bei der AEG im Werkzeugbau beschäftigt und besuchte von 1940 bis 1942 die Abendfachschule für Maschinenbau bis zur Zerstörung durch einen Bombenangriff. 1945 erlebte er das Kriegsende in Kietz an der Elbe im brandenburgischen Landkreis Westprignitz bei der Familie seiner ersten Frau, die er 1940 geheiratet hatte. Nach einer Wehrdienstzeit kam er nach Asch an der Eger in Westböhmen. 1946 bis 1969 lebte und arbeitete er in Asch. Hier schloss er mit seiner zweiten Ehefrau Lieselotte Müller den Bund der Ehe, mit der er zusammen ein Haus in Neuberg bei Asch kaufte. 1954 erblickte Sohn Rudolf das Licht der Welt. Die Aussiedlung der Familie erfolgte 1969 nach Westdeutschland infolge des Einmarsches der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei nach der Zerschlagung des Prager Frühlings. Nun bezog die Familie zum ersten Mal im Landkreis Kronach in Theisenort ein Domizil. Er arbeitete viele Jahre bei der Firma Schwass und in der Maschinenfabrik Weber als Maschinenschlosser, bis er 1981 in den verdienten Ruhestand ging.
Doch von Ruhe war bei dem agilen Rentner keine Spur. Er engagierte sich in der Gemeindearbeit in Küps, in ehrenamtlicher Arbeit als Feldgeschworener und als Dolmetscher der tschechischen und slowakischen Sprache bei Polizei und bei Gericht. Ein weiterer Umzug folgte 1987 nach Vogtendorf, und nach seinem 90. Geburtstag erwarb Ferdinand Bozdech eine Eigentumswohnung in Kronach. Hier am Kreuzberg fühlt er sich wohl und geht oft spazieren. Außerdem ist er zweimal die Woche in einer Tagespflege und besucht auch den Seniorenkreis der evangelischen Gemeinde in Kronach. 2014 verlor er seine Ehefrau Lieselotte. Den Jubilar interessiert alles, was geschieht.Es war dem Jubilar eine große Freude, dass Nicole Ehrsam, die politische Sekretärin der IG-Metall-Geschäftsstelle Coburg die Glückwünsche der Kollegen überbrachte.
Laut Ehrsam ist Ferdinand Bozdech mit 100 Lebensjahren sowohl ältestes Mitglied im Bezirk Coburg aber auch in Treue von 82 Mitgliedsjahren einer der treuesten Gewerkschafter Bayerns. Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein gratulierte im Namen der Lucas-Cranach-Stadt und entbot als Landratsstellvertreter auch die Glückwünsche von Landrat Klaus Löffler. Zahlreiche Weggefährten, Freunde und Bekannte schlossen sich neben den Familienangehörigen den Glück- und Segenswünschen an. eh