Klaudia Schwarz stammt aus Knetzgau, ist 59 Jahre alt, verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Die Hauswirtschaftsdirektorin wuchs in einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau und Milchviehhaltung auf. Frau Schwarz, Sie sind in der Landwirtschaft aufgewachsen und leiten nun eine landwirtschaftliche Behörde mit etwa 70 Mitarbeitern. Bitte schildern Sie uns Ihren beruflichen Werdegang. Klaudia Schwarz: Nach dem Abitur in Haßfurt studierte ich Ökotrophologie an der Technischen Universität München-Weihenstephan. Meine berufliche Laufbahn begann ich 1988 nach Referendarzeit und Staatsprüfung am Amt für Landwirtschaft und Bodenkultur in Bayreuth. 1993 wechselte ich nach Hofheim/Schweinfurt. Seit 2012 leite ich die Abteilung Bildung und Beratung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Schweinfurt. Wo lagen Ihre Schwerpunkte? Und wo liegen sie jetzt? Nach dem Studium der Haushalts- und Ernährungswissenschaften lag mein Arbeitsgebiet in diesem Bereich. Neben der Abteilungsleitung L2 Bildung und Beratung war ich Leiterin des Lehrganges "Qualifizierung in der Hauswirtschaft". Dieses Bildungsangebot richtet sich an Frauen im ländlichen Raum. Wir ermöglichen damit Frauen einen Neustart als Zweitberuf und zur rationellen eigenen Haushaltsführung einen Berufsabschluss zur geprüften Hauswirtschafterin. Daneben war ich gemeinsam mit einer Kollegin für die Ernährungsbildung und damit für das Kursangebot für junge Familien zuständig. Im Bereich Unternehmensberatung landwirtschaftlicher Familien habe ich Betriebe zur Schaffung eines Standbeins wie Direktvermarktung oder Urlaub auf dem Bauernhof beraten. Neu übernehme ich jetzt neben der Behördenleitung auch Verantwortung für die landwirtschaftlichen Bildungsangebote: Ich übernehme die Schulleitung für die Landwirtschaftsschule Schweinfurt. Sie ist die einzige in Unterfranken. Sie besuchen Männer und Frauen, die bereits eine landwirtschaftliche Ausbildung haben, und werden auf die Meisterprüfung vorbereitet. Daneben bieten wir das Bildungsprogramm Landwirtschaft, kurz Bila. Es richtet sich an künftige landwirtschaftliche Unternehmer und Unternehmerinnen, die einen außerlandwirtschaftlichen Beruf erlernt haben und ihren Betrieb im Nebenerwerb weiterführen möchten. Wie wurden Sie auf Ihre Führungsposition vorbereitet? Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten haben bayernweit ein Personalentwicklungsprogramm für künftige Führungskräfte. Dort kann man sich bewerben und wird in verschiedenen Seminarmodulen fortgebildet: Mitarbeiterführung, Konfliktmanagement, Moderation und so weiter. Diese Qualifizierungen finden mehrere Jahre in ganz Bayern statt. Ihre 70 Mitarbeiter sind über vier Häuser verteilt - zwei in Schweinfurt, Hofheim und das Steigerwaldzentrum in Handthal. Wie bleiben Sie in Kontakt? Normalerweise gibt es regelmäßige Dienstbesprechungen, nicht immer in der großen Gruppe, eher in Fachgruppen und dann auch überregional, aber da hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Derzeit setzen wir vermehrt auf Video-Konferenzen und Online-Seminare. Viele Kollegen arbeiten auch von zuhause aus. Das alles klappt erstaunlich gut, ersetzt aber nicht den Austausch vor Ort. Sie arbeiten in einer Männerdomäne. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Ja, das Thema Landwirtschaft ist noch überwiegend männlich besetzt, aber wird auch zunehmend weiblicher. An unserem Amt sind etwa ein Drittel der Mitarbeiter Frauen. Ich gehe ohne Vorbehalte auf die Kollegen zu und bleibe im Gespräch. Mir ist es wichtig, dass ich meine Mitarbeiter ernst nehme. Jeder hat entsprechend seiner Stellenbeschreibung seine Aufgaben. Da steht das Geschlecht der Person nicht im Vordergrund. Ich muss als Leiterin auch nicht fachlich in jedem Detail drin stecken, im Gegenteil: Ich werde von den Kollegen auch fachlich sehr gut unterstützt. Andererseits habe ich von Männern schon mal eine geringere Wertschätzung gegenüber den Aufgabenbereichen Ernährung und Hauswirtschaft gespürt im Vergleich zu landwirtschaftlichen Themen. Dabei sind sie wichtig und gleichwertig. Wenn wir uns allerdings gezielt einem Thema von verschiedenen Seiten nähern, wie beispielsweise dem Erzeuger-Verbraucher-Dialog, ist das dann eher befruchtend und es entsteht ein Mehrwert.

Wie setzen Sie sich durch? Ich habe folgende Überzeugung: Wenn ich meine Mitarbeiter gut führe, dann finden wir auch einen guten Weg zusammen. Nur manchmal muss ich als Führungskraft einfach den Hut aufsetzen und entscheiden oder ansagen: "So wird's gemacht." Was empfinden Sie als die größte Herausforderung bei Ihrer neuen beruflichen Aufgabe? Kommunikation ist die große Herausforderung in allen Bereichen, egal ob in der Beratungs- und Bildungsarbeit oder gegenüber Kollegen. Es ist nicht allein entscheidend, was ich sage, sondern auch wie. Die Digitalisierung macht zwar vieles leichter, ist aber nur ein Hilfsmittel. Und was ist die zentrale Aufgabe des AELF? Die Kernbotschaft lautet: Sensibilisierung der Gesellschaft für eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise. Wir sehen uns als Behörde als Dienstleister für bäuerliche Betriebe und Familien und wollen sie fachlich für die Zukunft fit machen. Das ist sehr komplex und die Anforderungen an die landwirtschaftlichen Betriebe sind durch Globalisierung und Klimawandel nicht weniger geworden. Gleichzeitig wollen wir zwischen Produzent, also Landwirt, und Verbraucher vermitteln. Die Verbraucher haben immer weniger Einblick in die Abläufe auf einem Betrieb. Es braucht diesen Meinungsaustausch. Die Voraussetzung dafür ist Bildung. Deshalb ist mir unser Bildungsauftrag ein Herzensanliegen. Das Gespräch führte unsere Redakteurin Katja Müller.