Dass Erika Sauer einmal 100. Geburtstag feiern könnte, hätte sie selbst nicht erwartet. Der Sonntag schmückte ihren Ehrentag mit strahlendem Sonnenschein, und das passte wunderbar in die Geburtstagsplanung ihrer Kinder Heidi, Jutta, Anne-Brigitte und Georg. Sie schenkten Mutter Erika nämlich ein wundervolles Gartenfest in ihrem Coburger Zuhause. Denn seit etwas über zwei Jahren hat die Jubilarin zwei Zuhause: ihr schönes Haus in Coburg und das Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt in Rödental. Das Awo-Personal überraschte Erika Sauer bereits vormittags mit einer riesigen Geburtstagstorte.
Geboren wurde Erika Sauer am 3. Juni 1918 in einem kleinen Örtchen bei Aschaffenburg. Ihre Eltern zogen mit vier Kindern in Frankens Weingegend nach Volkach, wo die kleine Erika aufwuchs, eine Klosterschule besuchte und dann eine kaufmännische Ausbildung absolvierte.
Ihren ersten Mann nahm ihr der Zweite Weltkrieg. Notar Wilhelm Sauer gab Erika das Familienglück wieder zurück. "Unsere Mutter ist ein absoluter Familienmensch", sagte Schwiegertochter Elfi, und dem stimmten alle "Sauer-Kinder" spontan zu. Als Ehemann Wilhelm in Coburg eine Notarstelle bekam, zog Familie Sauer Mitte der 50er Jahre nach Coburg, wo Nesthäkchen Georg geboren wurde. Mit ihrem Ehemann Wilhelm zusammen genoss Erika Sauer das kulturelle Leben in Coburg. Gern gingen beide ins Theater und waren zudem recht reiselustig. "Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir mit sechs Leuten im Käfer nach Spanien in den Urlaub fuhren. Früher ging das alles noch", erzählte Sohn Georg und schmunzelte.
Nach Wilhelm Sauers Tod im Jahr 1976 schenkten ihr ihre Enkel wieder Lebensfreude. Zehn Enkel hat Erika Sauer, sieben Urenkel und in drei Monaten wird Uromi Erika dann ihr achtes Urenkelchen auf der Welt begrüßen.
Langeweile kennt die muntere Seniorin nicht. Sie ist ein echter Krimi-Fan. Und Lesen möge sie, gottlob machten die Augen noch mit. Rödentals Bürgermeister Marco Steiner erklärte, als er Erika Sauer gratulierte: "Jetzt sind Sie bei uns in Rödental unsere älteste Bürgerin." Manja von Nida