Christiane Reuther

Essstörungen zählen zu den häufigsten chronischen Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen. Die Präventionsstelle des Landratsamtes Haßberge veranstaltete dazu einen Vortragsabend. Karin Lache nmeir, Psychologische Psychotherapeutin und Leiterin des Therapiezentrums für Essstörungen in München, klärte darüber in Haßfurt auf.
Als Hilfestellung könne man Betroffene unter vier Augen auf ihr Befinden ansprechen, Beobachtungen ruhig beschreiben, ein Angebot zum Reden machen, auch bei Ablehnung beharrlich bleiben, Adressen von Therapieeinrichtungen weitergeben oder Infoveranstaltungen über Essstörungen anbieten, sagte sie. Eine Anlaufstelle für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Essstörungen ist die Selbsthilfegruppe in Schweinfurt. Der Kontakt kann über die Volkshochschule in Schweinfurt aufgenommen werden.
Der Übergang von einem auffälligen zu einem krankhaften Essverhalten verläuft oft schleichend. Oft wird einem krankhaften Schlankheitsideal nachgeeifert, für das Kinder und Jugendliche lebensbedrohliche Maßnahmen ergreifen. Zu den drei Erscheinungsbildern einer Essstörung zählen die Anorexie (Magersucht), an der Kinder und Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren erkranken, die Bulimie, die als Ess-Brech-Sucht bekannt ist, und die Binge-Eating-Störung, bei der Essattacken im Vordergrund stehen.
Die Anorexie geht mit starkem Untergewicht einher. Die Wahrnehmung des eigenen Körpers ist verzerrt und so liegt eine übermäßige Betonung auf der Nahrungsverweigerung. Zudem versuchen die meist weiblichen Betroffenen mit exzessiven Maßnahmen, wie einem Sport- und Bewegungszwang, das Gewicht zu reduzieren.
Bei der Bulimia nervosa treten wiederkehrende Essanfälle - meist vor dem Fernseher - auf. Als gegenregulierende Maßnahme folgt das Erbrechen. Auch hier besteht eine Körperbildstörung, die von gewichtsphobischen Ängsten geprägt ist.
Bei der Binge-Eating-Störung treten ebenfalls wiederkehrende Essanfälle auf, die zu großem Leidensdruck führen.
Die Krankheitsdauer einer Essstörung beträgt im Schnitt sechs Jahre. Die Heilungschancen liegen bei 50 Prozent. Die schulische und berufliche Integration ist meist schlecht und auch die sozialen Beziehungen sind stark belastet. Bei allen Essstörungen bestimmen das Essen, Figur und Gewicht das Leben. "Eine Essstörung ist eine ernste Erkrankung und nicht nur ein Schlankheit stick", betonte die Expertin. Sie sei ein Ausdruck und der Lösungsversuch tief liegender seelischer Probleme.