"Ohne den Apfelbrei meiner Oma hätt' ich meine Jugend gar nicht überlebt", sagte Philipp Lurz, Manager der Hofheimer Allianz, beim Ortstermin am Donnerstag in Rügheim leicht übertrieben. Das Einkochen und Verwerten von Lebensmitteln aus der heimischen Flur war vor einigen Jahrzehnten noch gang und gäbe, ist aber mit den Jahren aus der Mode gekommen. Äpfel von Streuobstbäumen verfaulen auf dem Boden. Stattdessen wird der makellose Apfel aus Neuseeland im Supermarkt gekauft.

Damit das wertvolle heimische Obst wieder Abnehmer findet und sinnvoll genutzt wird, hat die Kreisfachberatung für Gartenbau und Landespflege am Landratsamt Haßberge nun in Zusammenarbeit mit der Gemeinde-Allianz Hofheimer Land die Initiative "Ernten erlaubt" gestartet. Ziel ist es, einerseits der Verschwendung von wertvollen Lebensmitteln vorzubeugen und andererseits die Wertschätzung für regionale Produkte zu fördern, heißt es in einer Pressemitteilung des Amts. Streuobst schmeckt nicht nur gut, sondern ist auch gesünder, weil es voll ausgereift und nicht mit Spritzmitteln behandelt ist.

Ärgerliche Verschwendung

Jedes Jahr im Herbst ärgert sich der eine oder andere Spaziergänger über heruntergefallenes Obst, das achtlos am Boden liegt und vor sich hin gammelt. Um diesen Zustand zu ändern, hat die Kreisfachberatung mit der Hofheimer Allianz die Initiative "Ernten erlaubt" gestartet. Mit dem gelben Band markierte Obstbäume entlang von Kreis- und Gemeindestraßen sowie auf kommunalen Flächen können deshalb ab sofort von den Bürgern abgeerntet werden.

Mitunter hat es in den letzten Jahren nicht selten das Problem gegeben, dass für den Erntewilligen nicht erkennbar war, ob sich der betreffende Baum auf öffentlichem oder privatem Grund befindet. Um mögliche Unsicherheiten beziehungsweise Verwechslungen auszuschließen, werden ab September alle zur Verfügung stehenden Obstbäume durch den Landkreis und die betreffenden Gemeinden mit einem gelben Band markiert. Das Band ist umweltfreundlich und verwittert laut Hersteller nach ein bis zwei Jahren. Die so gekennzeichneten Bäume können von Interessenten abgeerntet werden, ohne dass eine Rücksprache erforderlich ist.

Privatleute können mitmachen

Außerdem besteht auch für private Grundstücksbesitzer die Möglichkeit, sich der Aktion anzuschließen und Obstbäume, die abgeerntet werden dürfen, mit dem gelben Band zu kennzeichnen. Unter dem Motto "Ernten erlaubt" halten der Landkreis Haßberge (bei der Kreisfachberatung am Landratsamt, Uchenhofer Straße 17 in Haßfurt), die Gemeinde-Allianz Hofheimer Land (im Interkommunalen Bürgerzentrum, Marktplatz 1 in Hofheim) und alle übrigen Gemeinden im Landkreis Haßberge deshalb das gelbe Band kostenlos zur Abholung bereit.

In Bezug auf die Fruchtreife weist die Kreisfachberatung darauf hin, darauf zu achten, dass der Stielansatz leicht vom Ast abzulösen ist. Erst dann ist die Frucht ausgereift. Muss man beispielsweise den Apfel mit einem gewissen Kraftaufwand vom Ast entfernen, ist der Apfel noch nicht reif. Außerdem ergeht an alle Erntewilligen der Hinweis, die Obstbäume pfleglich zu behandeln.

Gesammeltes Obst keltern lassen

Wer das gesammelte Obst pressen lassen will, kann dies unter anderem in Rügheim tun. Dort keltert der Obst- und Gartenbauverein gegen eine geringe Gebühr jeweils samstags (ab heute) das gesammelte Streuobst. Gefäße müssen selbst mitgebracht werden. Ansprechpartnerin ist Christa Faust, Telefonnummer 09523/1298.

Unter der Internetadresse www.mundraub.org sind Streuobstbäume zu finden, die abgeerntet werden dürfen.