Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie kann es passieren, dass man eine betriebsbedingte Kündigung erhält oder sich die Suche nach einer neuen Stelle länger hinzieht als erwartet. Das ist oft zermürbend. Umso wichtiger ist es, einander in dieser Situation beizustehen. Was Freunden jetzt helfen kann:

1. Erinnere deine Freunde, dass der Job nicht alles ist

Kündigungen haben oft nichts mit der eigenen Persönlichkeit zu tun, sondern sind schlicht betriebsbedingt. Häufig definieren wir uns aber stark über unseren Job und unsere Leistung. Wer seine Arbeit verliert, den trifft das oft besonders hart, weil die Person gleichsam einen Teil ihrer Identität verliert, erklärt der Psychologe und Coach Swen Heidenreich. Dann setzt Scham ein, weil wir das Gefühl haben, nichts zu leisten oder versagt zu haben. Betroffene müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, wer sie ohne ihre Arbeit, ihren Titel und die Position im Unternehmen sind. Freunde sind in der Zeit besonders wichtig, weil sie uns auch in anderen Lebensbereichen kennen. Wenn ein Freund seinen Job verliert, sollte man ihn erinnern, dass er jede Menge Dinge kann, die ihn weiterhin auszeichnen und zu einem wertvollen Menschen machen.

2. Leih deinem Freund dein Ohr und höre zu

Das Wertvollste, was wir geben können, ist Zeit. "Biete deinem Freund an, gemeinsam Dinge zu unternehmen und höre ihm zu, wenn er dabei auch über seine berufliche Situation sprechen möchte", empfiehlt Heidenreich. "Es gibt da meistens zwei verschiedene Typen. Die einen möchten, dass die Freunde erstmal einfach nur da sind und zuhören, andere freuen sich über konkrete Tipps und Lösungsvorschläge. Das kommt auch darauf an, wo derjenige gerade in seinem Verarbeitungsprozess steht", so der Diplom-Psychologe.

3. Raus aus der Negativität

Ein Alltag, der sich plötzlich struktur- und inhaltslos anfühlt, kann deprimierend sein. Der Tipp, sich unbedingt einen festen Tagesablauf zu geben, suggeriert eine Form von Stabilität und Leistung: Denn nun besteht mein Job darin, wieder einen Job zu finden, erläutert Heidenreich.

"Allerdings sollte man sich trotzdem erstmal eine Phase des Verdauens und Reflektierens gönnen, um sich darüber klar zu werden, wo man steht und was man will, was die eigenen Werte und Bedürfnisse im Leben sind", empfiehlt der Psychologe. "Dafür kann man sich ein paar Wochen Zeit nehmen und sich auch ein festes Enddatum setzen." Mit der dadurch gewonnen Klarheit ließe sich die Krise auch als Chance für eine berufliche Veränderung, Weiterbildung oder sogar Selbstständigkeit nutzen.

4. Mit der Helfer-Tätigkeit nicht übertreiben

"Mitfühlen ist gut, aber mitleiden nicht, weil man dann selbst schnell in ein schwarzes Loch guckt. Man darf es mit der eigenen Helfer-Verantwortung nicht übertreiben", meint Heidenreich. Wenn ein Freund sich gar nicht aus dem Selbstmitleid herausholen lässt, ist es manchmal gut, ihn eine Weile in Ruhe zu lassen. dpa