Anette Schreiber

Der junge Mann, dem der sexuelle Missbrauch von Kindern in der AWO-Kita "Am Vogelberg" vorgeworfen wird, ist geständig. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Otto Heyder, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bamberg, gestern gegenüber dem FT.
Die Ermittlungen dauern an. Seit dem ersten Vorwurf im vergangenen Herbst ist der 19-Jährige nicht mehr in der Einrichtung. Er wurde zuerst freigestellt und dann entlassen. Seit Mitte Februar sitzt er in U-Haft.
Die Eltern kritisieren die Informationspolitik der AWO und widersprechen den Schilderungen von AWO-Kreisgeschäftsführer Werner Dippold. Er hatte gegenüber unserer Zeitung geäußert, keinen weiteren Anlass für Elterntreffen gesehen zu haben, da nach der Information zum ersten Verdachtsfall Ruhe eingekehrt sein soll.
Das sei so nicht gewesen, erklärte eine Mutter aus den Reihen des Elternbeirates am gestrigen Mittwoch gegenüber dem FT. Bei einem regulären Elternabend im Herbst hatte die Kita-Leiterin den Verdacht gegen den Auszubildenden geäußert und mitgeteilt, dass er freigestellt sei. In der Woche darauf habe man um ein Gespräch gebeten. "Von der AWO kam lange nichts", beklagt die Mutter. Das habe Spekulationen zur Folge gehabt. "Wir hätten uns gewünscht, dass die AWO uns Eltern auffängt, nicht alleine lässt." Zumindest hätte es einen Elternbrief geben müssen mit der Information, an wen man sich bei Fragen wenden könne und am besten einen regelmäßigen Austausch. Stattdessen sei alles "totgeschwiegen" worden. Man habe sich nicht ernst genommen gefühlt. Das habe der vergangene Freitag widergespiegelt, als Geschäftsführer Dippold noch nicht einmal einen Vertreter geschickt habe.
Die Mutter betont, dass dieses Treffen auf Initiative der Eltern zurückgegangen sei und nicht auf die der AWO. Deren Verhalten habe zu einem Vertrauensverlust geführt.
In die gleiche Kerbe schlägt eine weitere Mutter, die generell die schlechte Kommunikation in der Kita bemängelt. Väter und Mütter, die nicht beim Elternabend im Herbst waren, hätten überhaupt nichts mitbekommen. Ein Aushang im November, der über die Kündigung des Auszubildenden informierte, hing nur zwei Tage am Schwarzen Brett.
Von der von der AWO initiierten Infoveranstaltung am gestrigen Mittwochabend erwarteten sich die beiden Mütter im Vorfeld nichts. Nach fast sechs Monaten sei es gerade für Eltern, die nichts mitbekommen hatten, schwer, nun Monate zurückliegende Auffälligkeiten einzuordnen.
Zu dem Abend hatte auch Bischbergs Bürgermeister Johann Pfister sein Kommen angekündigt. "Die Äußerung von Stieringer (Anmerkung: im Dienstags-FT) ist totaler Quatsch." Er und die Kita-Leiterin hätten den ersten Verdacht umgehend an AWO-Kreisvorstand Reinhard Schmid gemeldet. Er selbst habe später bei Geschäftsführer Werner Dippold nachgefragt und die Antwort erhalten, "es läuft". Er könne sich nicht vorstellen, dass Dippold und Schmid die Sache nicht weitergegeben haben. "Das wirft ein komisches Bild auf die Führungsspitze."


Über Freistellung informiert

Die Nachfrage des Fränkischen Tags bei der Rechtsaufsicht, also dem Landratsamt, zu der auch die Fachaufsicht über die Kindertagesstätten im Landkreis gehört, brachte folgendes Statement: "Die Fachaufsicht wurde über die Vorkommnisse in der Kindertagesstätte in Bischberg informiert, als der betroffene Mitarbeiter bereits freigestellt war. Der Fokus der Fachaufsicht liegt auf dem Kindeswohl. Dementsprechend wurde von Seiten der Fachaufsicht darauf hingewirkt, dass der besagte Mitarbeiter nicht wieder in den aktiven Dienst zurückkehrt. Das ist mit dem Ausspruch der fristlosen Kündigung durch den Träger der Einrichtung geschehen." Weiter heißt es zu den generellen Aufgaben: "Die Fachaufsicht erteilt die Betriebserlaubnis für die Einrichtung. Sie hat grundsätzlich die Aufgabe, den ordnungsgemäßen Betrieb der Einrichtung zu überwachen. Die Fachaufsicht kann in diesem Zusammenhang Anordnungen erlassen, die im Extremfall bis zum Entzug der Betriebserlaubnis gehen können."
Wie Polizeipressesprecher Jürgen Stadter (Präsidium Bayreuth) bestätigt, laufen die Ermittlungen weiter. Bei dem sehr sensiblen Thema werden geschulte Fachkräfte eingesetzt, die besonders vorsichtig vorgehen.
Die juristische Definition des sexuellen Missbrauchs an Kindern ist äußerst komplex, wie die Anfrage bei Oberstaatsanwalt Heyder zeigte.
Gerade im Kita-Bereich, wo Kinder etwa beim Wickeln zwangsläufig im Genitalbereich berührt werden. Es geht um die Unterscheidung zwischen ganz normalen Handlungen und solchen sexueller Natur. An einen mit Bischberg vergleichbaren Fall in der Region kann Heyder sich nicht erinnern.