Vor einigen Wochen hat die Münchnerin Anita Eichholz die DVD "Zeitreise mit Lona von Lieres und Wilkau (1896 - 1979)" herausgebracht. In dem Dokumentarfilm zu sehen sind Vorkriegsaufnahmen aus Schlesien sowie Bilder, die ab März 1945 in Wernstein und Schmeilsdorf entstanden.
"Es sind private Filmaufnahmen, die ich professionell aufbereitet habe", so die Autorin. Unter anderem sei darauf die feierliche Einweihung des Wasserhauses in Schmeilsdorf 1954 zu sehen - mit anschließender Feuerlöschübung. "Die DVD ist ein einzigartiges Dokument aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, ich kann sie nur empfehlen."


Tante Lona" noch erlebt

Lona von Lieres, eine geborene von Willich-Gorzyn, filmte auf Acht-Millimeter-Filmmaterial, das für die vorliegende Dokumentation digitalisiert und ediert wurde. Buch und Regie stammen von Anita Eichholz, die "Tante Lona" noch persönlich erlebte.
"Lona von Lieres verdanken wir diese Zeitreise mit unersetzlichen Aufnahmen vom Herrenhaus und Gut Golkowitz in Oberschlesien und vom Elternhaus in Gorzyn in der Provinz Posen. Lona filmte Ehemann Tin, ihre Mutter Gerta, ihre Kinder Waldemar, Marianne und Gert, deren zahlreiche Cousins und Cousinen, aber auch Mitarbeiter des Gutes in den 1940er Jahren.


Friedliche Welt trügt

Es scheint eine friedliche Welt gewesen zu sein. Doch hinter den Bildern von Sommerferien in Gorzyn, Geburtstagsfeiern, Reitunterricht, Pferden auf der Koppel, Fischernte und Schafen auf der Weide treten zunehmend die Sorgen des Zweiten Weltkrieges hervor. Waldemar von Lieres fällt im Februar 1943 an der Ostfront.
Erst sehr spät, Mitte Januar 1945, kann die Familie Golkowitz in einem Treck verlassen. Die Flucht führt über ihr Gut Boberhof im Kreis Löwenberg und durch das Sudetenland. Ziel sind die Verwandten Max und Irmgard von Künßberg in Schloss Wernstein.


Zuflucht im Schloss

Mit zahlreichen anderen Flüchtlingen finden sie in Wernstein und im nah gelegenen Schloss Schmeilsdorf Zuflucht. Trotz des Verbots der US-Militärbehörde behält Lona ihre Kamera und filmt weiter.
Tatkräftig und mit viel Einfallsreichtum sorgt sie für Lebensunterhalt und Ausbildung der Kinder. Ihr Mann Tin starb bereits 1949.
Nach dem Krieg war der Familienzusammenhalt besonders wichtig, mit verwandten, aber auch fremden Flüchtlingen. So entstanden einzigartige Aufnahmen mehrerer Generationen. Auch Schloss Eyrichshof bei Ebern, das Elternhaus der Gerta von Willich, geborene Freiin von Rotenhan, ist ein gern besuchter Ort.
Lonas Lebensmut und Begeisterung für alles Schöne durchziehen diese Dokumentation. Wer wissen will, wie man den Verlust von Angehörigen und der Heimat überwindet, findet hier möglicherweise eine Antwort. red