Ein wunderbarer Blick über Fachwerkhäuser, historische Gassen und Plätze, im Hintergrund die grandiose Kulisse der mächtig über der Stadt thronenden Festung Rosenberg, auf der Bühne ein tolles Ensemble bei drei großartigen Theater-Aufführungen - all das erwartet auch heuer wieder die Besucher des Festspielsommers 2018 der Rosenberg-Festspiele, beheimatet auf einer der schönsten und bedeutendsten Festungsanlagen Deutschlands in der Lucas-Cranach-Stadt Kronach. Start ist am 10. Juni mit der Premiere des Kinderstücks "Der Räuber Hotzenplotz". Die Galapremiere von "Don Camillo und Peppone" ist am 20. Juni sowie von "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit" am 12. Juli. Wir haben uns vorab mit dem Regisseur von "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit", Alexander Grünwald, unterhalten.

Herr Grünwald, würden Sie uns bitte kurz erzählen, wie sie zu Ihrer Funktion als Regisseur bei den Rosenberg Festspielen gekommen sind?
Alexander Grünwald: Ich habe schon seit einigen Jahren Kontakt zur Festspielleiterin Dr. Kerstin Löw. In der Zeit der Umstrukturierung war ich des Öfteren künstlerisch beratend tätig und fühle mich seitdem den Rosenberg-Festspielen sehr verbunden. Eine Regiearbeit stand bereits letztes Jahr im Raum. Aber zu diesem Zeitpunkt war es für mich zeitlich leider nicht umsetzbar.

Verraten Sie uns etwas über das Stück "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit" und die Umsetzung?
Das Stück ist ein Lustspiel mit allem, was das Genre zu bieten hat. Figaro, der Kammerdiener des Grafen Almaviva, will seine Susanne heiraten, die wiederum die Kammerzofe der Gräfin ist. Dem stehen nicht wenige Hindernisse im Wege, die Verwirrung, Verkleidung und Verwechslung verursachen. Nur eines der Probleme, die es dabei zu überwinden gilt, ist, dass der Graf sein "Recht auf die erste Nacht" bei Susanne einfordern möchte. Das ist zu Zeiten der "Me too"-Debatte sicher besonders aktuell. Wo man sich heute glücklicherweise ganz offen wehren kann, müssen Figaro, Susanne und die Gräfin einiges an List und Tricks aufwenden, um den Grafen am Ende auszubooten. Dieses Stück ist ein Zeit- und Sittengemälde aus der Epoche kurz vor der französischen Revolution. Der Souverän in Form des Grafen ist hier längst nicht mehr so souverän, wie zu früherer Zeit. Nach einer ersten Lesung soll der französische König Ludwig XVI gesagt haben: "Wenn ich dieses Stück genehmigte, wäre es völlig inkonsequent, nicht gleich die Bastille einzureißen". Es sollte daher bis zur ersten Aufführung noch Jahre dauern.
Wie oft wird geprobt?
Es wird täglich geprobt. Pausen sind rar, denn es gilt insgesamt drei Stücke auf die Bühne/Wiese zu bringen.

Wie wird das Bühnenbild aussehen?
Wir werden in historisierenden Kostümen spielen und als Kontrast dazu ein modernes, stilisiertes Bühnenbild haben, mit quaderförmigen Einzelelementen, die man während der Spiels immer wieder neu ordnen kann.

Was ist für Sie das Besondere an den Rosenberg-Festspielen?
Vor allem der Ort - die Wiese und die alte Linde: Ein sehr idyllischer und geheimnisvoller Platz mit einer ganz eigenen Atmosphäre. Diese tolle Naturkulisse stellt allerdings auch besondere Herausforderungen.

Was wünschen Sie sich von der diesjährigen Saison?
Ich wünsche mir viele Besucher, viel Austausch und viele freudige Gesichter. Abgesehen davon, natürlich Sonnenschein und gutes Wetter zu allen Vorstellungen.

Wie gefällt Ihnen Kronach? Was macht für Sie den Charme Kronachs aus?
Kronach ist eine wunderhübsche Stadt mit sehr viel Geschichte. Der alte, sehr gut erhaltene Stadtkern, die obere Stadt und natürlich die beeindruckende Festung Rosenberg sind architektonische und geschichtliche Juwelen in meinen Augen. Und auch landschaftlich liegt es wunderschön mitten im Frankenwald. Ich habe mich gleich bei meinem ersten Besuch sehr wohl gefühlt in Kronach.

Die Fragen stellte Heike Schülein.


Zur Person

Alexander Grünwald stand viele Jahre selbst auf der Bühne, unter anderem am Theater des Westens in Berlin, an der Neuen Flora in Hamburg, dem Theater Bremen und der Oper Bonn. Er hat für Film und Fernsehen gearbeitet sowie große Events und Shows unterschiedlichster Art auf die Bühne inszeniert.
Auch als Choreograph war und ist er gefragt - vorwiegend für Musicals, aber auch für Oper und Operette. Seine Wirkungsstätten waren das "Alte Schauspielhaus" in Stuttgart, das "Theater Dessau" und die "Bühne Baden" bei Wien. Seit 2009 arbeitet er für die Stage Entertainment als künstlerischer Leiter großer Musicalproduktionen, wie "Tanz der Vampire", "Mamma Mia", "Chicago" und aktuell "Bodyguard" am Palladium Theater in Stuttgart.
Stefan Haufe führt für die Komödie "Don Camillo und Peppone" Regie, Alexander Grünwald für die Komödie "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit" sowie Stephanie Kuhlmann für das Kinderstück "Der Räuber Hotzenplotz". Die künstlerische Leitung hat Stefan Haufe inne.