178 Mandatsträgerinnen waren es, die in der Zeit von 1946 bis 2016 in Bayern Politik gestaltet haben. Eine von ihnen ist die aus Kulmbach stammende Landtagsvizepräsidentin Inge Aures (SPD), die nun eine Ausstellung mit dem Motto "Frau Abgeordnete, Sie haben das Wort!" nach Kulmbach gebracht hat. Am Montagabend wurde die Schau im Landratsamt eröffnet. Besucht werden kann die Ausstellung bis einschließlich 8. März von Montag bis Mittwoch von 7.30 bis 16.30 Uhr, Donnerstag von 7.30 bis 17.30 Uhr und Freitag von 7.30 bis 12.30 Uhr im Foyer des Erdgeschosses sowie des 1. Stockes im Landratsamt.
Im Dezember 2016 feierte der Bayerische Landtag den 70. Jahrestag der Bayerischen Verfassung und der Konstituierung des ersten Nachkriegsparlaments in Bayern. Natürlich bot dieses Jubiläum auch den geeigneten Rahmen, sich der Männer und Frauen zu erinnern, die seit dem Neuanfang 1946 Mitglied im Bayerischen Landtag waren und die Politik in Bayern maßgeblich gestaltet haben. In der Folge entstand die Ausstellung "Frau Abgeordnete, Sie haben das Wort - Frauen gestalten Politik in Bayern (1946 - 2016)".
Landrat Klaus Peter Söllner würdigte bei der Eröffnung "die Frauen, die die politische Kultur in Bayern geprägt haben und durch ihr politisches Engagement einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen der parlamentarischen Demokratie in Bayern geleistet haben und immer noch leisten." Er sagte außerdem: "Für uns ist es eine besondere Auszeichnung und Ehre, dass unser Landratsamt nach der Erstpräsentation der Wanderausstellung im Bayerischen Landtag nun zweiter Ausstellungsort sein darf." Dies sei der Vermittlung und Fürsprache von Landtagsvizepräsidentin Inge Aures beim Bayerischen Landtagsamt zu verdanken.


Ein steiniger Weg

Auf zwei Stockwerken werden unter anderem mit interaktiven Monitoren die Biografien und Lebenswege starker Frauen beleuchtet. Das Frauenwahlrecht in Deutschland feiert heuer seinen 100. Geburtstag. So erhielten im November 1918 Frauen das aktive und passive Wahlrecht und damit die volle politische Partizipation. Die Ausstellung wirft deshalb auch den geschichtlichen Blick zurück auf diese bewegten Jahre und macht deutlich, wie lange und steinig der Weg zur politischen Teilhabe und Gleichberechtigung war.
Im neu gewählten Deutschen Bundestag ist der Frauenanteil mit 31 Prozent so gering, wie zuletzt vor 19 Jahren. Im Bayerischen Landtag sind derzeit von 180 Sitzen 51 mit Frauen besetzt. An der Basis, in der Kommunalpolitik, ist die Unterrepräsentanz von Frauen mit durchschnittlich 25 Prozent am stärksten ausgeprägt. Der Landrat forderte deshalb: "Wir brauchen mehr Frauen in der Politik! Wir brauchen das Potenzial der Frauen für die politischen Entscheidungen vor Ort, denn die Erfahrungen von Frauen und Männern müssen auf allen Politikebenen gleichermaßen einfließen können, um zu den besten Ergebnissen zu kommen."


Langer Atem notwendig

Inge Aures gab den Gästen der Ausstellungseröffnung einen Einblick in die sechs Stationen der Schau und berichtete von ihrer langjährigen Erfahrung als Kommunalpolitikerin. Sie machte deutlich, dass ihr das Thema der Ausstellung ganz persönlich sehr am Herzen liegt: "Ich hoffe, dass unsere Ausstellungseröffnung ein entscheidender Impuls für weitere Schritte sein kann, denn dass beim Thema ,Frauen in der Politik' ein langer Atem notwendig ist, das wissen alle, die schon etwas länger dabei sind." Auch nach 100 Jahren Frauenwahlrecht in Deutschland sprach Aures die Befürchtung aus, dass die Frauen nach wie vor einen langen und weiterhin auch steinigen Weg vor sich haben. "Frauen stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland, und in einer repräsentativen Demokratie sollte sich dieser Anteil in den Parlamenten widerspiegeln", so Aures.