Auf die dramatische Situation in der Veranstaltungswirtschaft wurde am Montagabend auch in Zeil und Sand aufmerksam gemacht. Im Rahmen der bundesweiten Aktion "Night of light" waren die Notleidenden der Branche aufgerufen, ein Zeichen zu setzen.

Mario Pfaff aus Oberaurach illuminierte mit seinem Dienstleister MAD Veranstaltungstechnik mit einem leuchtenden Rot das Rathaus der Fachwerkstadt Zeil. "Die Lage ist ernst, aber wir lassen uns die Lebensfreude nicht nehmen", sagte der Unternehmer mit seinem Ein-Mann-Betrieb, der sonst Veranstaltungen jeder Art den richtigen Ton und das passende Licht verleiht.

Seit März sind alle Veranstaltungen der Coronakrise zum Opfer gefallen, so dass sich Pfaff seinen Lebensunterhalt mit Aushilfsjobs, zum Beispiel als Auslieferungsfahrer oder Einweiser an der Corona-Teststation in Haßfurt, über Wasser halten muss. Mit der Soforthilfe konnte der Unternehmer zwar die weiterlaufenden Betriebskosten der vergangenen drei Monate auffangen, wie es aber in Zukunft weitergehen soll, steht in den Sternen. "Die Hilfspakete gehen an der Realität vorbei", sagt Pfaff.

Alternativen für Weinfeste geplant

Auch Kino-Besitzer Bruno Schneyer hat der Lockdown schwer getroffen. Seit einer Woche darf er wieder mit strengen Hygieneregeln Filme vorführen. Zusammen mit Mario Pfaff plant der Zeiler an den Wochenenden, an denen sonst das Sander Altmain-Weinfest und das Zeiler Altstadt-Weinfest stattfinden würden, als kleinen Ersatz jeweils ein Open-Air-Kino. In Sand auf dem Altmain-Festplatz und in Zeil im Garten vor dem Caritashaus sollen nach jetzigem Stand auch Live-Musiker auftreten, bevor das Kinoprogramm beginnt.

Bürgermeister Thomas Stadelmann unterstützte mit seinem Besuch am Rathaus in der Nacht ebenfalls die Veranstaltungsbranche. Das Stadtoberhaupt sieht das Ganze jedoch von zwei Seiten. "Ich habe volles Verständnis für alle Veranstalter und alle Firmen, deren Einnahmequelle Events sind", sagte Stadelmann, der gleichzeitig mahnte, einen zweiten Lockdown zu verhindern: "Ich hoffe, dass die Menschen vernünftig bleiben und sich an die Hygienevorschriften halten." Gleichzeitig rief Stadelmann dazu auf, die jetzt stattfindenden kleinen Veranstaltungen zu besuchen, um Solidarität zu zeigen.

Großflächig war in Sand der Altmain-Festplatz in Rot getaucht. Zusammen mit Laserstrahlen zauberten Sebastian Vollert und sein Team der VSL Eventtechnik ein einmaliges Ambiente. "Ab Fasching wird es kritisch", beschrieb der Jungunternehmer die Situation seines Unternehmens. Noch könne er sich mit seinen zwei Festangestellten und 14 Minijobbern über Wasser halten, auch wenn er seit März erst eine einzige Veranstaltung technisch betreuen durfte.

Als Hilferuf an die Politik versteht Vollert die Aktion "Night of light": "Wir brauchen dringend einen Fahrplan, wie es weitergehen soll." Vom ehemaligen Nebenerwerb in elf Jahren zu einem mittelständigen, professionellen Unternehmen mit Sitz in Sand herangewachsen, hat die VSL Eventtechnik normalerweise jährlich 380 Veranstaltungen in ihrem Terminkalender. Auch 2020 war schon komplett ausgebucht. Unterwegs in halb Europa hat der angehende Meister für Veranstaltungstechnik neben vielen anderen Highlights auch beispielsweise die BR-Radltour unter Vertrag. In diesem Jahr hätte sogar ein Heimspiel stattgefunden, denn Vollert ist ab sofort auch technisch für die Auftritte der Bands am Sander Weinfest zuständig.

Im März hatte Vollert eine Aktion gestartet, um seinen Beitrag zum Wohle aller zu leisten. Mit Equipment und auch Arbeitskräften zum Auf- und Abbau unterstützt unentgeltlich die VSL Eventtechnik die Corona-Teststrecke in Haßfurt.

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