Eine 701-Jahr-Feier? Richtig! Im Jahr 2017 wurde Kreuzschuh 700 Jahre alt. Durch die andauernden Arbeiten zur Dorferneuerung war es nicht möglich, eine 700-Jahr-Feier abzuhalten. Um dieses Jubiläum nicht gänzlich ausfallen zu lassen, hat man sich entschieden, am 9. und 10. Juni zusammen mit der Kerwa eine 701-Jahr-Feier zu veranstalten.
1317 wurde Kreuzschuh erstmals unter dem Namen "Crutzin" im Würzburger Lehenbuch beurkundet. Die Herkunft beziehungsweise Bedeutung des Ortsnamens gilt unter Wissenschaftlern als schwieriges Namensrätsel. Einige halten es für wahrscheinlich, dass der Name von Grenzbäumen abgeleitet werden kann, die durch eingehauene Kreuze kenntlich gemacht wurden. Der Ort wird somit als "zu den Kreuzen" gedeutet. Die Namensendung "- schuh" entstand wahrscheinlich aus mundartlich "Kreuzhuf" für "Kreuzhof". Im 16. Jahrhundert wurde Kreuzschuh noch "Creutzhoff" geschrieben.


Eine andere Namensdeutung

Eine andere Deutung bringt den Ortsnamen in Verbindung mit Ober- und Untergreuth und damit zu Rodungsorten, spricht aber von einer "schweren Verstümmelung" des Namens. In diese Deutung ist auch der Begriff "Kreuzschach" von 1405 einbezogen, der so viel wie "einzelnes Waldstück" (Schachen) bedeuten könnte.
Eine andere Sichtweise ist erst in den letzten Jahren durch die Erforschung slawischer Siedlungen im Landkreis Bamberg entstanden. Hieraus geht hervor, dass Kreuzschuh zu den Ortsnamen gehört, die aus slawischen Elementen gebildet werden können. Dies deckt sich auch mit einer anderen Interpretation, bei der der Beleg von 1317 "Cruczin" geschrieben und als slawisch "Krucina" gedeutet wird, was so viel wie "Krähenort" bedeuten würde.


Erst 1701 wiederbesiedelt

In den vergangenen Jahrhunderten hatte die Gegend, auf deren Gebiet der heutige Ort Kreuzschuh liegt und die auf Grund ihrer geringen Fruchtbarkeit nur "das harte Land" hieß, verschiedene Besitzer und wurde größtenteils als Wüstung liegen gelassen. Erst im Jahr 1701 wurde die Gegend zum Zwecke der Besiedlung versteigert und es entstanden die Orte Hartlanden, Kreuzschuh, Dellern und Dellerhof. Seit 1803 bilden diese Orte die Gemeinde Hartlanden.
Die willkürliche Festlegung der Gemeindegrenzen führte zu der eigenartigen Situation, dass der Großteil des Ortes Kreuzschuh zu Hartlanden gehörte, jedoch drei Anwesen am Ortsrand zu Mühlendorf zählten. Kurios ist hier, dass die Grenze direkt durch das Schlafzimmer eines Anwesens führte. Im Jahr 1959 fand die Umgemeindung Kreuzschuhs von Hartlanden nach Mühlendorf statt. Somit gehörte der Ort auch politisch zu Mühlendorf, mit dem er bereits kirchlich und schulisch verbunden war. Im Zuge der Flurbereinigung und Dorferneuerung werden große Anstrengungen unternommen, dem Dorf eine ansprechende Zukunft zu geben. Mittlerweile gehört Kreuzschuh zur Gemeinde Stegaurach.
Kreuzschuh zählte zu den Orten, die schon früher Kerwa feierten, jedoch keine eigene Kirche oder Kapelle besaßen. 1957 wurde ein Kirchenbauverein gegründet, welcher Bemühungen zum Bau einer Kirche vorantrieb. Diese wurden jedoch aus verschiedenen Gründen Mitte der 1960er Jahre verworfen. 1969 schloss das Gasthaus und damit starb auch die Kerwa.


Stammtisch gegründet

Erst im Jahr 1987 gründete sich der Stammtisch "Kreuzschuher Runde" und rief die vergessene Kerwa wieder ins Leben. In den kommenden Jahren schuf man sich durch die Kerwa eine solide finanzielle Grundlage und entschied sich für den Bau einer eigenen Kapelle. Die Gemeinde Stegaurach stellte das Grundstück am Dorfplatz auf Erbpacht zur Verfügung. Um einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, wurde aus dem Stammtisch 1998 der eingetragene Verein "Kreuzschuher Runde".
1999 wurde der Grundstein gelegt und am Pfingstsonntag, 11. Juni 2000, wurde die Kapelle feierlich gesegnet. Seither kann Kreuzschuh zu Recht weltliche und kirchliche Kerwa feiern.
Die Kerwa ist eine typische Dorfkerwa. Am Sonntagnachmittag findet seit 2003 ein fränkischer Tanz statt, welcher von den Kreuzschuher Kerwamusikanten begleitet wird. Durch sie ist auch eine enge Freundschaft mit den polnischen Musikern der Gruppe "Karkonosze" aus dem Riesengebirge entstanden.
Anlässlich des Jubiläums hat Willi Dedio eine Chronik verfasst, in der die Geschichte des Ortes und seine Entwicklung umfassend dargestellt sind. mih