Vielfach fehlt im Vereinsleben der Nachwuchs, beklagt der aktuell 4100 Aktive zählende Sängerkreis Coburg-Kronach-Lichtenfels. Eine rühmliche Ausnahme stellt da schon der "Liederkranz" Haig dar. Immerhin kann dieser Kulturträger im 500 Einwohner zählenden Ortsteil der Gemeinde Stockheim auf über 30 Aktive zurückgreifen.

Dass in der ehemaligen Bergwerksgemeinde vor 125 Jahren ebenfalls ein stattlicher Männergesangverein zur Freude der Mitmenschen gewirkt hat, rief bei einer Umfrage vielfach Kopfschütteln hervor. Kein Wunder: Es sind nun schon etliche Jahrzehnte ins Land gezogen, seit der Männergesangverein 1895 Stockheim seine kulturelle Arbeit eingestellt hat.

Deutsches Liedgut war beliebt

Um 1900 herum registrierten die Chronisten einen allgemeinen Aufschwung im Stockheimer Vereinsleben. So erfreute sich die Pflege des deutschen Liedguts wachsender Beliebtheit. Die Sangesvereinigungen erwiesen sich in den Dorfgemeinschaften als Hort der Geselligkeit. Wesentliche Impulse für die Gründung eines Gesangvereins in Stockheim gab die seinerzeitige königlich bayerische Hofglasfabrik Sigwart & Möhrle, gegründet 1877. Etwa siebzig Prozent der Stockheimer, die sich 1895 zu einem Männergesangverein zusammenfanden, übten den Glasmacherberuf aus.

Auf dem Gründungsfoto hatten sich 34 sangesfreudige Männer verewigt. Als Vereinslokal diente zuerst das "Gasthaus zur Eisenbahn", und zwar bis zum Jahre 1918. Danach hatten die Sänger ihr Domizil beim Gasthof Vogel aufgeschlagen. Am 30. März 1946 brannte es ab; alle Pokale und Urkunden wurden ein Opfer der Flammen.

Mit alljährlichen Konzerten bereicherten die Sänger das dörfliche Leben. Im Garten der Gastwirtschaft "Zur Eisenbahn" wurde eigens ein Pavillon für öffentliche Auftritte aufgebaut.

Eine Wiedergründung im Jahre 1960 verlief in der Folgezeit erfolglos. An die große Sängerära konnten die Stockheimer nicht mehr anknüpfen. gf