M anchmal bin ich mir einfach so sicher. Aber die anderen wollen das einfach nicht wissen und beharren auf irgendeinem Unsinn oder spinnen sich etwas zusammen. Manchmal weiß ich genau: Was mir die Person da sagt, das zeigt jetzt so klar, wie verquer sie denkt, wie gemein sie ist. Oder nicht? Nein. So einfach ist es nicht. So einfach ist es nie! Nie einfach da schwarz und hier weiß.

Das hat, so erzählen unsere Geschichten, vor knapp 2000 Jahren einer gemerkt, der sehr genau zu wissen glaubte, was richtig und was falsch ist. So genau, dass dafür im Zweifelsfall auch Leute sterben mussten (Apg 8,1). Dabei war er nicht allein, das machte es sicherlich leichter.

Und in der Gemeinschaft war es sicherlich auch noch einfacher, zu wissen, dass das eigene Denken und Tun eben richtig war und das einiger anderer eben grundfalsch, todeswürdig. Bis heute gibt es solche Fälle leider in Hülle und Fülle. Und leider wird dabei auch immer wieder die Religion dazu benutzt, anderen die Daseinsberechtigung abzusprechen. Deshalb verdient es ein eigenes Fest, wenn jemand es schafft, sich aus einer so starren Haltung zu lösen.

Deshalb ist es gut, dass es für den Verfolger aus dem ersten Jahrhundert, von dem vorher die Rede war, nicht nur das Apostelfest "Peter und Paul" gibt, sondern auch das Fest der Bekehrung des Paulus am 25. Januar.

Im Alltäglichen ist es mit dieser Bekehrung allerdings eine mühsame Geschichte. Der, der vorher genau wusste, wo es langgeht, muss feststellen, dass er blind ist (Apg 9). Der, der vorher genau wusste, was Gott gefällt, muss jetzt lange abwägen, um zu entscheiden, ob man Fleisch essen soll, das aus antiken Opferfeiern stammte - eine Frage, die die Gemeinde in Korinth offenbar beschäftigte (1 Kor 8/10). Ich finde aber beeindruckend, wie jetzt abgewogen wird. Nicht ohne vorgefertigte allgemeine Vorstellungen davon, was richtig oder falsch ist - die brauchen wir ein Stück weit. Aber die sind nur der Ausgangspunkt; entscheidend ist für den bekehrten Paulus die Frage: "Was macht dieses oder jenes Verhalten, das ich aus meinen Vorstellungen ableiten könnte, in einer bestimmten Situation mit meinen Mitmenschen?"

Wenn ich mich so bekehren lasse, wird das Leben in mancher Hinsicht mühsamer und gewohnte Sicherheiten fallen weg. Aber unser Zusammenleben wird so besser gelingen.

Wolfgang Graf, Diakon

altkatholische Gemeinde Coburg