Am 22. Januar 1868 fanden sich 16 musik- und sangesfreudige Männer in der Gastwirtschaft von Johann Nicol Dötschel ein und hoben den Gesangverein Gestungshausen aus der Taufe. Die Mitglieder feiern vom 4. bis 6. Mai das 150. Jubiläum gebührend.
Die Begeisterung und die Einsatzfreude waren nach der Gründung groß, so dass unter der sachkundigen Leitung des Direktors und Dirigenten, Lehrer Heinrich Weiß, bereits am 18. Oktober 1870 ein öffentliches Konzert gegeben wurde. Drei Jahre später folgte der erste Vereinshöhepunkt mit der Fahnenweihe.
Seit jeher ist der Männergesangverein aus dem dörflichen Leben nicht mehr wegzudenken, denn er umrahmt die unterschiedlichsten Anlässe, pflegt die Freundschaft zu anderen Vereinen und hält selbst Veranstaltungen ab. Um 1900 hielten die Preissingen Einzug, die sehr beliebt waren und gerade den ländlichen Vereinen neuen Auftrieb gaben. Bei der ersten Teilnahme erhielt der Gestungshäuser Chor als Sechstplatzierter einen Taktstock.


Kriegsbedingte Pause

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges vereinte sich der Gesangverein mit der Liedertafel, wodurch der Chor aus fast 50 Sängern bestand. Die Blütezeit des Vereins währte bis in die 1930er Jahre. Durch den Zweiten Weltkrieg kam die Chorarbeit jedoch zum Erliegen. Am 8. März 1947 wurde dem Gesangverein schließlich wieder neues Leben eingehaucht - zehn Jahre später schloss sich der Verein dem Deutschen Sängerbund an. Bis 1963 stellte die Lösung der Dirigentenfrage die größte Herausforderung dar. Nicht weniger als elf Mal wechselte die Chorleitung.
In den 150 Jahren gab es viele schöne Ereignisse. Unvergesslich ist beispielsweise die Studienfahrt nach Berlin. Dort gab der Chor 1966 vor dem "Teehaus" ein Stundenkonzert. In Erinnerung bleibt auch das Weihnachtssingen, welches 1995 in Wien abgehalten wurde. Dort trat der Chor im Pensionistenheim, der Kirche Maria Elend und dem Wiener Rathaus auf. 1987 gab es einen großen Personalnotstand, denn es standen nur noch 13 Aktive für den Chor zur Verfügung. Eine umfassende Werbemaßnahme trug Früchte und einige junge Sänger schlossen sich an. 1992 übernahm erstmals mit Christine Martin eine Frau die Chorleitung.
In den 150 Jahren seines Bestehens wurde der Traditionsverein von 25 Vorsitzenden geführt. Derzeitiger Vorsitzender ist Philipp Kestel. Der 31-Jährige singt gerne im Chor, um einen Ausgleich zum Alltag zu haben oder einfach zur Entspannung. "Man glaubt gar nicht, wie gut Musik der Seele tut", betont er. 2014 hat sich der Gestungshäuser dazu entschlossen, Verantwortung als Vorsitzender zu übernehmen, um das Singen im Chor wieder attraktiver für Jüngere zu machen und die Tradition weiter zu pflegen. "Außerdem macht es mir Spaß", versichert Kestel.
Trotz des zahlenmäßig kleinen Chors, der aus rund 15 Aktiven besteht, versteht es Chorleiter Ralf Fischer immer wieder, die Sänger zu motivieren und zu guten Leistungen bei den Auftritten zu führen. "Unbestritten ist, dass unser Chor personelle Verstärkung braucht", erklärt Philipp Kestel. Wie die anderen Mitglieder würde auch er es bedauern, wenn der dörfliche Kulturträger nach 150 Jahren aufgrund fehlender Aktiver nicht mehr singfähig wäre. Deshalb wünschen sich der Vorstand und die Sänger Neuzugänge und Wiedereinsteiger, die den Fortbestand des Chores und damit auch des Vereins sichern.


Über 65 Jahre im Chor

Mit 89 Jahren ist Heinz Bär eines der ältesten Mitglieder, er hält dem Verein seit mehr als 65 Jahren die Treue. "Als stellvertretender Vorsitzender habe ich damals ein Klavier angeschafft", erinnert er sich. Außerdem wurde in der Gastwirtschaft Dötschel Theater gespielt und die Aufführungen mit Instrumentalmusik umrahmt. "Es ist schon ein gewaltiger Unterschied zu damals", blickt Heinz Bär auf seine Zeit als aktives Mitglied zurück. "In Hochzeiten, als noch zwischen 45 bis 50 Männer aktiv waren, wurde es denen, die während der Singstunde nah am Ofen saßen, zum Singen fast zu warm, während die in den hinteren Reihen fast erfroren", erzählt er weiter.
Um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken, gehören heute auch moderne Lieder zum Repertoire des Männerchores. Dieses reicht von Klassikern und bekannten Volksliedern bis hin zu internationalem Liedgut in unterschiedlichen Sprachen. Damit auch der älteste Aktive, Josef Frühauf, mit seinen 87 Jahren die fremdsprachigen Lieder gut mitsingen kann, wird ihm der Text in Lautschrift aufs Liedblatt geschrieben.
Interessierte, die sich dem Männergesangverein anschließen wollen, können mit Vorsitzendem Philipp Kestel (mobil 0151/11245595, E-Mail: philipp-kestel@gestungshausen.de) Kontakt aufnehmen. A. Kemnitzer