bernhard Panzer Die geplante, so genannte Südumfahrung ist seit jeher ein umstrittenes Projekt. Unterschiedliche Gruppierungen aus Politik und Gesellschaft lehnen die Straße ab - aus verschiedenen Beweggründen, aber immer auch aus Sorge um die Natur. Der Widerstand hat nun neue Nahrung bekommen, angeführt werden nicht mehr nur vor allem ökologische Gründe, sondern es geht auch um den Wandel der Zeit.

Gerade jetzt, da die Klimadebatte hoch schlägt und Corona ein Umdenken bewirkt, sei es an der Zeit, sich von einer Technologie von gestern, also den Straßenbau, zu verabschieden. "Wir brauchen eine Mobilität von morgen", umriss es Marc Deavin von den Herzogenauracher Grünen. Diese hatten gemeinsam mit dem Bund Naturschutz und anderen Initiativen zum Ortstermin geladen, um ihre Argumente darzulegen.

Viele kleine Schritte sollten es sein, sagte Deavin, mit denen man die Verkehrsprobleme bewältigen will. Das habe übrigens auch Bürgermeister German Hacker so gesagt, allerdings im Jahr 2007, als der spätere Bürgermeister mit seiner SPD noch in der Opposition saß. Hacker habe, wie Deavin weiter ausführte, die Südumfahrung damals noch als fatal bezeichnet. Heute steht der Bürgermeister, gemeinsam mit einer Stadtratsmehrheit, hinter dem Vorhaben. Die grüne Fraktion habe die Südumfahrung aber schon immer abgelehnt.

Lieber Rad und Bahn

"Viele kleine Schritte" könne man jetzt schon unternehmen, da sie zum Teil geplant sind, zum Teil überprüft werden. Der grüne Stadtrat sprach den Radschnellweg ebenso an wie die Machbarkeitsstudie zur Aurachtalbahn und freilich die Stadt-Umland-Bahn (Stub). Seit Beginn der Corona-Krise wollen die Leute viel mehr mit dem Rad fahren, stellte er fest. Die E-Bike-Verkäufe hätten vierstellige Zuwachsraten. Und die Aurachtalbahn ermögliche vielleicht eine S-Bahn, die wiederum für die rund 2000 Schaeffler-Mitarbeiter aus Fürth ideal wäre. Und für die die künftige Stub sei an der Autobahn ein Parkhaus mit 600 Stellplätzen vorgesehen. Auch das wäre ein Angebot für die Mitarbeiter der großen Herzogenauracher Firmen.

Auch Retta Müller-Schimmel beobachtet, dass die Menschen durch Corona sensibler geworden seien. Man müsse vorhandene Verkehrswege nutzen, die Straßen anders aufteilen, sichere Radwege schaffen. Und gegen die Probleme der Niederndorfer helfe kein Straßenplaner, sondern ein Verkehrsplaner.

Wo ist der Bedarf?

Generell stellen die Gegner des Projekts, das 50 Millionen Euro kosten und 31 Fußballfelder an Fläche verbrauchen würde, die Notwendigkeit in Frage. Gerade jetzt, da auch bei den großen Firmen Homeoffice zunehme. "Ist der Bedarf überhaupt noch da?", fragte Christian von Reitzenstein von der Bürgerinitiative "Herzo Süd bewahren".

Leidenschaftliches Plädoyer

Ein gewichtiger Punkt für die Ablehnung ist freilich der Naturschutz. Vor allem Horst Eisenack vom Bund Naturschutz zeigte leidenschaftlich auf, "was hier alles kaputt gemacht wird." Es sei eine Fülle von geplanten Eingriffen, gleichsam "ein Frevel an der Natur". Und das sei in Herzogenaurach so noch nie dagewesen. "Erstmals würde in Herzogenaurach eine große Anzahl von Landschaftsschutzgebieten mit gesetzlich geschützten Biotopen und Wäldern, sowie die Äcker unserer Landwirte zerschnitten und zerstört", stellt Eisenack fest. Und ging ins Detail. "Die Trasse benötigt hohe Dämme, tiefe Einschnitte und viele Brücken für einen zwei Kilometer längeren Weg von Ost nach West über Hügel und Täler, mehrere Ampeln und einen raumgreifenden Kreisverkehr", hat er seine Einwände aufgeschrieben. Allein der riesige Kreisverkehr gegenüber dem Galgenhof habe einen Durchmesser von 45 Metern.

Neu bewerten

Eisenack: "Die Südumfahrung ist keine Umfahrung, sondern bringt ein neues Verkehrs-Einfallstor mitten in den Herzogenauracher Stadtkern, statt den Verkehr zu minimieren." Die Bürger hätten in den letzten Jahren ihren Unmut über diese Planungen mehrfach kund getan. Im neuen Stadtrat seien nun weitere Bedenken aufgetaucht. Deshalb sei es an der Zeit, die Argumente neu zu bewerten.

Am kommenden Dienstag wird sich der Stadtrat mit dem Thema befassen. Denn die Grünen fordern in einem Antrag, das Vorhaben umgehend zu stoppen (der FT berichtete).