Michael Busch "Die Kerwa is kumma, die Leid' sind all da, Corona wird gehen, die Kerwa bleibd da!" Leise hat der Weihersbachbesucher das Kerwasliedla gesungen. Der Chor, der in anderen Jahren üblicherweise mit einem kräftigen "Holladihia, holladio" einstimmt, blieb allerdings aus. Es war ein ruhiger Start in die Woche, in der in üblichen Jahren Tausende von Sommerkerwa-Besuchern das Weihersbachgelände geströmt hätten, um zehn Tage lang die fünfte Jahreszeit in der Aurachstadt zu feiern.

Kleiner Anstich, kleine Feier

Doch was hilft das lamentieren, was man an dieser Stelle durchaus könnte. Was hilft es, über all das zu sprechen, was es dieses Jahr nicht gibt? Die fehlenden Karussells auf dem Festplatz, der heuer einfach ein Parkplatz bleibt, die fehlende Schießbude vom Kunstmann, bei dem der Chef jedes Jahr von der Kerwa nach der überdimensionierten Bergkirchweih in Erlangen davon schwärmt, dass die Kerwa in Herzogenaurach noch etwas Besonderes ist. Kein Bürgermeister German Hacker beim offiziellen Anstich, kein Phantomzapfer, der irgendwie halt dazu gehört. Man könnte lamentieren, oder sich darüber freuen, was es dann doch alles gab.

Der Kerwasbursch Jürgen Gumbrecht nämlich hat zusammen mit ein paar anderen Kerwasburschen beschlossen, dass man durchaus ein wenig was machen kann. "Wir stechen heute ein Fass an, um zu zeigen, dass die Kerwa lebt." Kein großes Brimborium, keine Blaskapelle, kein Halligalli nach dem Anstich und tanzen bis in die Nacht.

Er betont: "Warum sollen wir denn nicht feiern? Die Keller haben auf. Ob da nun Musik ist oder nicht, das ist zweitrangig." Um 18 Uhr ging es dann mit der Truppe auf die Bühne. Mit Masken, mit Sicherheitsabstand - da wurde auch penibel drauf geachtet, denn es ist nun mal ein besonderes Jahr.

Ein ganz besonderer Flair

Sicher, so betonten alle Kerwasburschen egal welchen Jahrgangs, freue man sich wieder auf eine "normale" Kerwa, doch bevor so gar nichts passiere, sei diese Version die bessere Möglichkeit. Der Einstellung waren wohl auch die Besucher, der beiden offenen Keller, die zum großen Teil von dieser Aktion überrascht wurden. Es gab Applaus für die Burschen und Madli, die auf der großen Bühne das 30er Fässchen anstachen. Wobei Jürgen Gumbrecht den Holzhammer nur symbolisch auf ein Holzkant schlug, das kleine Fass wurde dann mit einem Keg-Anschluss sanft geöffnet. Gumbrecht sagte, dass es wegen der Vorschriften nur Freibier für die Kerwasmannschaft gebe. "Da hat jeder seinen Krug mitbringen müssen." Freibier für alle gebe es dann im nächsten Jahr.

Der Kerwasliedlasänger ist von der kleinen Kerwa, wie viele andere aber auch begeistert. "Es sind fast nur Herzogenauracher da, man kann sich unterhalten und es ist eben eine ruhige Kerwa - eigentlich, was ich mir schon immer gewünscht habe." Eine Nasch- und eine Crêpebude sorgen dann auch noch mit dem Duft für entsprechenden Flair. Die Braddwürschdd und Schäufele tragen ihren Teil dazu bei. Und auch in Corona-Zeiten fließt das Bier - gut fränkisch, nichts aus Mexiko. Auch das hat Tradition.