Samstag, 26. April 1958: ein wechselhafter, etwas stürmischer und nicht allzu warmer Apriltag, an dem sich auch ab und zu die Sonne blicken ließ. Für Adolf und Friedlinde Schad aus Fierst war dieser eigentlich ganz normale Apriltag ein ganz besonderer: Sie sind an jenem Tag vor genau 60 Jahren in Watzendorf, das heute zur Gemeinde Großheirath gehört, vor den Traualtar getreten und haben sich das Ja-Wort gegeben.
Der Pfarrer, der sie damals getraut hat, war Adolf Schads Patenonkel. Durch ihn hat sich das Jubelpaar auch kennengelernt.
Adolf Schad wurde am 8. Februar 1931 geboren und stammt aus dem Eberner Ortsteil Fierst, wo er aufgewachsen ist und nach dem Besuch der Eberner Landwirtschaftsschule den elterlichen Betrieb übernommen hat.
Friedlinde Schad, eine geborene Göring, erblickte am 18. Mai 1935 das Licht der Welt und ist in Gossenberg (heute Gemeinde Großheirath) ebenfalls in einem landwirtschaftlichen Betrieb groß geworden. Auch sie absolvierte die Landwirtschaftsschule, jedoch in Coburg. Sie war im Haushalt und der Landwirtschaft der Eltern tätig.
Nachdem Adolf Schads Patenonkel nach dem Krieg die Pfarrerstelle in Watzendorf angenommen hatte, war er oft dort zu Besuch. Über ihn, der ein guter Bekannter von Friedlindes Familie war, lernten sich der Fierster und die Gossenbergerin schließlich kennen. "Aber ganz so leicht hab' ich's dem Adolf nicht gemacht: Ich habe ihn schon ein bisschen zappeln lassen und habe auch oft überlegt, ob ich alles richtig mache. Ich habe dann schließlich auf Gott vertraut", erzählt Friedlinde Schad. Im Jahr 1956 wurden sie ein Paar. "Wenige Tage vor der Hochzeit hat mich Adolf abgeholt, und wir sind zusammen nach Fierst gefahren. Dort hat uns die Fierster Dorfjugend mit einem Polterabend überrascht", erinnert sich Friedlinde Schad.
"Am 26. April war die standesamtliche Trauung in Watzendorf beim Bürgermeister in der Stube. Anschließend war, ebenfalls in Watzendorf, die kirchliche Trauung. Gefeiert haben wir danach aber in Fierst. Da wurde die ganze Hochzeitsgesellschaft mit dem Bus von Watzendorf nach Fierst gefahren", erinnert sich Adolf Schad noch genau. "Da hatten wir schon zu tun, dass wir alle unterbekommen haben. Das Haus war voller Leute", ergänzt seine Frau.


In der Garage gewohnt

Kurz nach der Hochzeit hat das frisch vermählte Paar das in die Jahre gekommene Bauernhaus in Fierst abgerissen und sich an Ort und Stelle ein neues, größeres Domizil gebaut. "Während der Bauzeit haben wir in der Garage geschlafen und gewohnt, bis im Herbst das neu gebaute Haus fertig war. Das war eigentlich auch eine schöne Zeit", erinnert sich Friedlinde Schad. "Wenn's mal viel geregnet hat, ist das Wasser in die Garage reingeschossen", fügt Adolf Schad schmunzelnd hinzu. Gut, dass das frischverheiratete Paar im November 1958 in das Haus einziehen konnte, denn es hatte sich Nachwuchs angekündigt. Im Februar 1959 erblickte Tochter Gisela das Licht der Welt. Aus der Ehe gingen noch zwei Söhne und zwei Töchter hervor.
Neben ihren fünf Kindern kamen auch die acht Enkel und zwei Urenkel, um dem Ehepaar zu seinem besonderen Jubiläum zu gratulieren, ebenso wie Eberns Zweiter Bürgermeister Harald Pascher und stellvertretender Landrat Michael Ziegler.
Auf die Frage nach dem Rezept für eine Ehe, die so lange anhält, hat Friedlinde Schad schmunzelnd eine Antwort parat: "Wir haben von früh bis spät hart in der Landwirtschaft gearbeitet und nachts waren wir müde und haben geschlafen. Da hatte man schlichtweg keine Zeit für Konflikte und Streitereien."
"Für die Zukunft haben wir eigentlich keine großen Wünsche. Wenn wir so gesund bleiben, wie wir es jetzt sind, und es so noch eine Weile lang anhält, sind wir zufrieden", sagt Adolf Schad. "Und dass es friedlich zugeht", fügt seine Frau hinzu.
Bis vor zwei Jahren war das Ehepaar in der eigenen Landwirtschaft tätig. "Vor zirka zwei Jahren hat dann die letzte Kuh den Hof verlassen", erzählt Friedlinde Schad. Die Arbeit in der Landwirtschaft hat das Jubelpaar fit gehalten. "Die Landwirtschaft war einfach unser Leben, das kann man so sagen", unterstreicht Friedlinde Schad.