Vor 125 Jahren wurde der Gesangverein "Philharmonia" Stangenroth aus der Taufe gehoben. Ein Jubiläum feiert auch der Chor "Pro-Ton", den es mittlerweile seit zehn Jahren gibt, und der sich großer Beliebtheit erfreut. Wegen dieses doppelten Geburtstages wird es am Samstag, 5. Mai, in der Rhönfesthalle einen Jubiläums-Liederabend geben, um gebührend zu feiern. Beginn ist um 18.30 Uhr.
"Wo man singt, da lass' Dich nieder" - diesen Spruch, der damals wie heute aktuell ist, haben vielleicht auch die neun Männer im Hinterkopf gehabt, die sich im Jahr 1893 zusammenfanden, um einen Gesangverein ins Leben zu rufen. "Damals war es noch ein reiner Männergesangschor, heute singen selbstverständlich auch Frauen mit", berichtet Schriftführer Jürgen Schmitt, der sich intensiv mit der Geschichte des Vereins auseinandergesetzt hat.


Alles verbrannt

Leider ist über die Gründerjahre der Philharmonia Stangenroth nur wenig bekannt. Die alten Unterlagen und die erste Vereinsfahne aus dem Jahr 1894 fielen im Krieg den Flammen zum Opfer. "Das Gründungsjahr ist allerdings bekannt, ebenso die Namen der neun Gründungsmitglieder", so Schmitt. In den ersten Jahren wurde sehr engagiert gesungen, der Erste Weltkrieg brachte jedoch das Vereinsleben zum Erliegen. Die, die den Kriegswirren entronnen waren, frönten aber bald wieder der Pflege des Gesangs. Aber die Aufbauarbeit wurde durch den Zweiten Weltkrieg wieder jäh unterbrochen. "Durch den Einzug der Amerikanischen Truppen in Stangenroth verbrannte das gesamte Notenmaterial und das Protokollbuch. Die Fahne konnte nur noch schwer beschädigt geborgen werden", hat Schmitt in Erfahrung gebracht.
Es gelang aber, die Begeisterung zu erhalten, und so entwickelte sich der Verein stetig weiter, was sich auch an der steigenden Zahl der aktiven und passiven Mitglieder zeigte. 1950 hatte man 54 aktive und acht passive Mitglieder in den Reihen des Vereins. "Bereits 1936 trat der Verein dem Fränkischen Sängerbund bei und 1948 hatten wir unseren ersten Auftritt zum Weihnachtskonzert in der Kirche", kann sich der langjährige Vorsitzende, Erich Met, noch gut erinnern. Dieser gehörte 66 Jahre lang zu den Aktiven und war 36 Jahre lang Vorsitzender, 2006 wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. "Es war eine wunderbare Zeit, geprägt von der Freude zum Gesang und geleitet von großem Gemeinschaftsgefühl", so Metz. 1953, pünktlich zum 60-jährigen Vereinsjubiläum, wurde die neue Vereinsfahne eingeweiht.
Doch nicht nur dem Gesang, auch der Aufführung von Theaterstücken widmeten sich die Mitglieder der "Philharmonia". Seit den 40er Jahren waren Lehrer aus Stangenroth Chorleiter, diesen Posten übernahm 1963 Kurt Rothaler, der ihn bis 1995 sehr erfolgreich leitete und zum Ehrenchorleiter ernannt wurde. Seit 2015 hat ihn Magdalena Schatz inne.
Besonders stolz ist man im Chor darauf, dass man 1996 durch den damaligen Kultusminister die Zelter-Plakette bekam, als Auszeichnung für nachgewiesene 100 Jahre Chorgesang. "Bei unserem 100-jährigen Jubiläum haben wir aber gemerkt, dass die Sangeskraft des bis dahin reinen Männerchores nicht mehr stark genug war", erzählt Erich Metz. Kurzerhand beschloss man, ihn mit Frauen zu verstärken. Bereits 1994 hatte man den ersten Auftritt als gemischter Chor.


Immer weniger Sänger

Leider sanken die Mitgliederzahlen dennoch. "Wir mussten uns etwas einfallen lassen, um den Chorgesang im Ort aufrechtzuerhalten", erinnert sich die damalige Vorsitzende, Annegret Winter. Deshalb rief man Anfang 2008 einen Projektchor ins Leben. Zwölf Frauen und Männer folgten dem Aufruf, und noch im gleichen Jahr entwickelte sich der Pro-Ton-Chor. Heute singen hier 20 Sängerinnen und Sänger im Alter von etwa 18 bis über 60 Jahren mit. "Die Gemeinschaft ist toll", so Schmitt, man deckt ein breites Spektrum an Liedgut ab. Kirchen- und Marienlieder werden ebenso gesungen wie Gospelgesänge und moderne Pop-Lieder. "Wir können zu vielen verschiedenen Anlässen auftreten", so Schmitt.
"Dass wir Magdalena Schatz als Chorleiterin gewinnen konnten, war ein echter Glücksgriff", freut sich der Schriftführer. "Sie versteht es immer wieder, die Sängerinnen und Sänger mitzureißen und ihnen die Freude und Spaß am Chorgesang zu vermitteln."
Ein trauriges Ereignis kam 2014: Aus Altersgründen musste der Traditionschor "Philharmonia" aufgelöst werden. "Auch durch einige Sterbefälle bedingt war der Chor kaum noch auftrittsfähig", sagt Schmitt im Rückblick.
Doch der Chor Pro-Ton erfreut sich großer Beliebtheit. "Die Teilnahme an Stimmbildungskursen der eifrigen Sängerinnen und Sänger, ein hervorragend arbeitender Vorstand sowie eine sehr engagierte Chorleiterin sind die Garanten des Erfolgs", fasst Schmitt zusammen.


Immer dienstags

Wer einmal ausprobieren möchte, ob das etwas für ihn ist, der hat jeden Dienstag von 20 bis 22 Uhr in der Rhönfesthalle dazu Gelegenheit. Weitere Informationen gibt es bei Vorsitzendem Johannes Rothaler, Tel.: 09734/931 315 und unter www.chor.proton.bplaced.de/