Nicht nur für die 1058 Abc-Schützen, die am kommenden Dienstag in Coburg Stadt und Land eingeschult werden, ist das neue Schuljahr ein Abenteuer. In Zeiten von Corona müssen auch die übrigen Schüler, Lehrkräfte und Schulleiter mit den neuen coronabedingten Auflagen zurechtkommen. Und auch in den Coburger Schulbehörden hat man sich intensiv Gedanken darüber gemacht, wie man mit den gebotenen Hygiene- und Lernkonzepten umgehen soll.

Schulamtsdirektor Uwe Dörfer und Schulrätin Karina Kräußlein-Leib stellten am Freitag die Neuerungen im Schuljahr 2020/21 vor. So seien zum Beispiel in den ersten beiden Unterrichtswochen (bis einschließlich 18. September) alle Personen, die sich auf dem Schulgelände bewegen, zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung verpflichtet - auch im Unterricht. Für Schüler und Lehrer der 1. bis 4. Klassen gilt diese Pflicht nicht.

Sollten die Infektionszahlen im Verlauf der nächsten Wochen und Monate wieder steigen, greifen verschiedene Maßnahmen, bis hin zum zeitlich befristeten Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht. Die vollständige Schließung aller Schulen über alle Schularten hinweg sei allerdings zunächst nicht vorgesehen.

Eine Neuerung, die Uwe Dörfer nicht unkritisch sieht, ist der Einsatz von sogenannten Teamlehrkräften. Eingesetzt werden sollen diese "fachfremden" Mitarbeiter, wenn ein Lehrer coronabedingt für eine gewisse Zeit nicht am Präsenzunterricht teilnehmen kann, grundsätzlich aber arbeitsfähig ist. Wie eine Art verlängerter Arm des Lehrers arbeitet die Teamlehrkraft in der Klasse auf dessen Anweisung mit den Schülern. Bei den Teamlehrkräften handelt es sich um Personen mit abgeschlossenem Hochschulstudium jeder Fachrichtung, Lehramtsstudenten in höheren Semestern sowie Personen mit einer Ausbildung im erziehungswissenschaftlichen oder pädagogischen Bereich.

Praktikabel oder nicht?

Dass das in der Praxis funktionieren könne, wagt Uwe Dörfer zu bezweifeln. Das sei so ähnlich, als würde ein Förster auf Anweisung eines Mediziners eine Operation an einem Menschen durchführen, zieht er den Vergleich. Unsicher sei auch, wie die Eltern darauf reagierten, wenn ihre Kinder etwa von einem studierten Betriebswirtschaftler anstelle eines Lehrers unterrichtet würden, so Dörfer. In Coburg gibt es derzeit zwei solcher Teamlehrkräfte.

Insgesamt sind im kommenden Schuljahr in Coburg 427 Lehrkräfte tätig - 136 in der Stadt, 291 im Landkreis. Dazu kommen 37 Lehramtsanwärter, ein türkischer Lehrer, der Religionsunterricht erteilt, sechs Vertragslehrkräfte (für ein Jahr) und sechs Zweitqualifikanten, die eine Umschulung vom Gymnasial- und Realschullehramt auf Grund- und Mittelschule absolviert haben.

Für Lehrkräfte und Beschäftigte wie Hausmeister und Putzfrauen werde empfohlen, sich auf Corona testen zu lassen, sagt Schulrätin Karina Kräußlein-Leib. 346 der insgesamt 477 Lehrer hätten sich bereits testen lassen beziehungsweise haben einen Termin für einen Test vereinbart. Allerdings seien dabei diejenigen nicht mitgezählt, die sich privat haben testen lassen, beispielsweise bei der Rückkehr aus dem Urlaub. Ein Teil der Lehrer sei auch noch im Urlaub oder wurde noch nicht erreicht.

Was den Umgang mit Masken angehe, sollte dieser so selbstverständlich sein wie die Benutzung eines Taschentuchs, sagt Kräußlein-Leib. "Es ist die Verantwortung jedes Einzelnen." Außerdem solle darüber selbstverständlich auch im Unterricht gesprochen werden - ein ganz neuer Lerninhalt.