Natürlich gilt auch für die Verantwortlichen der Stadt die Unschuldsvermutung. So lange die Vorwürfe nicht bewiesen sind, so lange handelt es sich um mutmaßliche Vergehen. Selbst wenn die Feststellungen des Kommunalen Prüfungsverbandes kaum Raum zur Interpretation lassen, selbst wenn die Beweislast erdrückend ist, muss doch erst in alle Richtungen ermittelt werden, ehe ein Urteil zu fällen ist. Diese Selbstverständlichkeit bedeutet jedoch nicht, den noch ungeklärten Sachverhalt bereits im Vorfeld zu verharmlosen, wie es einige aus der SPD-Fraktion tun. Wer beim Verdacht auf rechtswidriges Verhalten von Fehlern spricht, die man jederzeit korrigieren könne, schadet dem Glauben an die Gleichbehandlung aller vor dem Gesetz. Leider sind die Ergebnisse des Prüfberichts alles andere als schmeichelhaft für die Stadtspitze. Daran ändern auch die Vorwürfe gegenüber dem Whistleblower nichts, der den Bericht den Medien zugespielt haben soll. Wäre es dazu nicht gekommen, wären die zweifelhaften Bonus-Zahlungen wohl noch lange unentdeckt geblieben. Das lehrt der Blick auf 2013, als es schon einmal zu eindeutigen Hinweisen kam, die aber in der Schublade verschwanden. Dabei sind die Prüfer ernst zu nehmen, ihr Bericht kann durchaus disruptive Kraft entfalten. Das zeigt schon die Tatsache, dass im Kommunalrecht ein Zweitbericht gar nicht vorgesehen ist. Jährlich verfasst der Verband 580 solcher Gutachten. Ach ja, und billig war der Faktencheck auch nicht: Er kostete 188 000 Euro.