Die Landfrauen kamen wieder aus allen Teilen des Landkreises und füllten die große Bettelseehalle in Hallstadt. "Es ist unser Tag und den lassen wir uns auch nicht nehmen", verkündete schon zu Beginn stolz Kreis-, Bezirks- und Landesbäuerin Anneliese Göller. Der vom Kreisverband Bamberg des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) mit seinem Geschäftsführer Werner Nützel organisierte Vormittag bot wieder eine ausgewogene Mischung von Informationen und Unterhaltung. In Hallstadt eröffnete der Landfrauenchor unter seiner Dirigentin Gudrun Kraus mit dem Lied "Gott wird dich tragen". Anneliese Göller folgte mit einer ebenfalls musikalisch unterlegten Meditation über die Zeit. Sie schloss mit der Aufforderung: "Nimm dir Zeit, um glücklich zu sein."

Herzlich begrüßte sie dann Pfarrerin Hedwig Deinzer aus Trabelsdorf und den Diözesanlandvolkseelsorger Ewald Thoma, der heuer das letzte Mal in dieser Funktion teilnahm. Des weiteren dankte sie Sigrid Gebhardt, die nach 25 Jahren die Leitung der Landwirtschaftsschule übergibt.

Göller zog dann Bilanz über die Landwirtschaft. Leider könne sie keinen Optimismus verbreiten, sagte sie, da die Stimmung derzeit so schlecht wie das Wetter sei. Nach dem Hinweis auf die Verschärfung der Düngeverordnung, auf die roten Gebiete und die Ausweitung des Tierwohls forderte die Landesbäuerin: "Ich wünsche mir mehr Wertschätzung denen gegenüber, die unser tägliches Brot erzeugen, und das sind die Bauern." Sie habe den Eindruck, dass sachliche und fachliche Argumente keine Rolle mehr spielten. Stolz sei sie auf die Landwirte, die zum Demonstrieren gefahren seien. Über die erreichte Projektwoche "Alltagskompetenz" in den Schulen freue sie sich, halte das aber noch für zu wenig.

Mit den Liedern "Hab' Sonne im Herzen" und "Schenk ein Lächeln" leitete der Chor perfekt zum Thema der Referentin über. Das Thema der freien Journalistin, Logotherapeutin und Theologin Ursula Lux lautete: "Das Leben ist viel zu kurz für ein langes Gesicht." Als ersten Ratschlag gab sie: "Lächle doch einfach über das, was nicht zu ändern ist." Humor sei für die Lebensbewältigung wichtig, fuhr sie fort und erinnerte an Karl Valentin. Da die Deutschen wegen ihrer Humorlosigkeit verschrien seien, sollten die Franken auch an ihrem Humor arbeiten. "Was brauche ich?", fragte Lux dann und gab als Antwort: "Die Fähigkeit, zu mir selbst auf Abstand zu gehen". Papst Johannes XXIII habe zu sich selbst gesagt: "Giovanni, nimm dich selbst nicht so wichtig!" Wenn man die höchste Kunst des Humors beherrsche, über sich selbst zu lachen, können andere unsere Schwächen nicht mehr ausnutzen. Der Humor sei sehr individuell und so zwischen Franken und Ostfriesen oder Deutschen und Engländern sehr verschieden. Der Deutschen größtes Problem sei, 150 prozentig sein zu wollen. Lux empfahl also, etwas weniger Energie in die Perfektion zu stecken und diese lieber in den Humor zu investieren.

Richtig lustig wurde es dann im Saal, als die Rednerin alle aufforderte, die linken und rechten Nachbarn anzuschauen und festzustellen, wie er oder sie aussehe. Noch mehr Lacher erntete sie auf ihre Frage, ob sie mit ihm zufrieden waren. Göller hatte da leichtes Spiel, da sie am Anfang der Bankreihe saß und auch rechts keine Nachbarin hatte. Interessanter waren die Reaktionen der Politiker Kalb und Schwarz, die beide ja als Landratskandidaten gegeneinander antreten und in Hallstadt nebeneinander saßen. Sie mussten bei so viel Öffentlichkeit also gute Miene zum "bösen" Spiel machen und mitmachen. Den anderen Gästen aber erging es genauso. Als Lux dann noch verkündete, dass statistisch gesehen jeder dritte Deutsche hässlich sei, brüllten die Gäste vor Vergnügen.

Die Logotherapeutin hatte somit auch erreicht, dass ihre Zuhörer etwas für ihre Gesundheit getan hatten, denn Lachen sei gut für das Immunsystem. Auch die Kirche habe das besonders im Mittelalter entdeckt und genutzt für die Glaubensverkündigung. Für die Kliniken forderte sie deshalb nicht nur Clowns für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen. Jeder aber solle, egal ob krank oder gesund, sich mindestens eine Minute täglich selbst vor dem Spiegel angrinsen, das helfe besser als eine Tablette Aspirin, ergänzte sie. Wenn er das auf fünf Minuten steigern könne, kippe selbst die größte negative Stimmung bei ihm. Mit großem Applaus wurde die Rednerin am Ende ihres langen Vortrages, der aber nie langweilig war, verabschiedet.

Gesungene Kritik

Mit ihrem umgedichteten Lied "Im Märzen der Bauer" folgte wieder der Landfrauenchor. Darin wurde die Bürokratieorgie und Kontrolle vom Land bis zur EU kritisiert. Die Beamten schafften es noch, jeden Bauern zu Fall zu bringen.Man überweise dann als Gewissensberuhigung eine Spende an "Brot für die Welt".

Nach etlichen Problemen mit der Tontechnik kam die auch jedes Jahr stattfindende Modeschau. Die männlichen und weiblichen Modells waren Landwirte aus den eigenen Reihen und wurden dieses Jahr vom Ertl-Zentrum mit schicken Kostümen ausgestattet. Besonders viel Zwischenapplaus gab es für die Kinder, aber auch für die Kreisbäuerin und den Kreisobmann, die selbst sich auf dem Laufsteg präsentierten.

Bei einem ermahnenden Zwischenspiel zeigten die Kreisbäuerin und ihre Stellvertreterin auf, wie es womöglich mit unserer heimischen, regionalen Ernährung 2040 aussehen könnte: Der Teller "Essen aus Bayern" war leer. Dagegen steuern müssten wir schon heute mit unserem bewussten Einkaufen von saisonalen, regionalen Lebensmitteln.

Nach Grußworten von Landrat Johann Kalb (CSU) und MdB Andreas Schwarz (SPD) wurden diese und Kreisobmann Edgar Böhmer und stellvertretende Leiterin der Landwirtschaftsschule Sarah Böhm bei einer Fragerunde auf ihren Beitrag zu Klimaschutz und zu regionalen Produkten befragt.

Nach der Dankesrede der Stellvertretenden Kreisbäuerin Marion Link an alle endete der wieder grandiose diesjährige Landfrauentag.