Er soll im vergangenen Jahr Tankstellen, Bau-, Super- und Einkaufsmärkte, überwiegend im Raum Kronach, aber auch in Coburg überfallen haben: Ein 31-jähriger Bauarbeiter aus dem Landkreis Schmalkalden/Meiningen muss sich wegen schwerer räuberischer Erpressung in fünf Fällen nun vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg verantworten.


Waffe gezogen

Die Überfallserie begann im Juni und ging bis Oktober, dann klickten die Handschellen. Laut Anklage soll der Beschuldigte beispielsweise in einem Fall in einem Einkaufsmarkt ein Paar Schuhe und einen Rucksack zum Bezahlen vorgelegt haben. Als die Mitarbeiterin 69,98 Euro kassieren wollte, soll er gesagt haben: "Das ist jetzt schlecht, das machen wir anders." Er soll eine Waffe gezogen und das Geld aus der Kasse gefordert haben. Alle ihm zur Last gelegten Taten ereigneten sich in ähnlicher Weise. Die Summen bewegten sich zwischen 500 Euro bis 2000 Euro. Mit der Beute soll der 31-Jährige zu Fuß oder mit dem Mountainbike geflüchtet sein.
Beim Prozessauftakt ließ der Beschuldigte durch seinen Anwalt Andreas Kittel ausrichten, dass er keine Angaben zu den Tatvorwürfen machen werde. Zu seinen persönlichen Verhältnissen gab er Auskunft. Diese zeigten eine 20-jährige Alkohol-und Drogenkarriere. Demnach hat der Thüringer bereits als Elfjähriger mit dem Trinken begonnen. Vor dem Unterricht habe er am Bahnhof mit seinen Kumpels getrunken. "Das war normal. Es waren viele Menschen dort, die gesoffen haben." Einmal sei er sogar vom Schuldirektor mit dem Taxi nach Hause geschickt worden. "Weil ich in der dritten Stunde so besoffen war."


Auf Cannabis folgte Speed

Auch in der Ausnüchterungszelle sei er als Jugendlicher gelandet. Für den "Kick" schien der Alkohol irgendwann nicht mehr ausreicht zu haben. Mit 14 begann demnach seine Drogenkarriere, er probierte zunächst Cannabis und dann Speed.
Als er 20 Jahre alt war, zog er in den Landkreis Sonneberg, rutschte tiefer in das Drogenmilieu und kam auf die Droge Crystal. "Das war zwar teurer, aber besser. Da ist man zwei Tage lang hellwach", sagte der Angeklagte vor Gericht. Crystal habe er geschnupft und dazu Wodka, Whisky, Jägermeister, kombiniert mit Energy Drinks konsumiert. "Wenn man geübt ist und was gezogen hat, dann kann man schon eine ganze Flasche Schnaps trinken", erklärte er.
Seit er im Februar dieses Jahres aus der Untersuchungshaft entlassen worden sei, lebe er wieder in dem kleinen Dorf in Thüringen bei seinen Eltern. Mittlerweile habe er eine Suchtberatung aufgesucht. Crystal konsumiere er nicht mehr, aber Alkohol schon noch. Er trinke von Freitag bis Sonntag eineinhalb bis zwei Kästen Bier und dazu eine Flasche Schnaps.


Mit Restalkohol im Saal?

Der Vorsitzende Richter Christoph Gillot fragte daraufhin nach, ob der Beschuldigte der Verhandlung überhaupt folgen könne. "Wenn ich Sie jetzt blasen lasse, haben Sie dann noch Restalkohol?", fragte er. "Kann sein", antwortete der 31-Jährige. Der Sachverständige, Gutachter Dr. Thomas Wenske, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum für forensische Psychiatrie in Erlangen, hatte aber keine Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit des Beschuldigten. Wie der Psychiater ausführte, habe alleine der erhebliche Drogenkonsum mindestens 1000 Euro im Monat gekostet. Sollte der mutmaßliche Täter die Überfälle im Rauschzustand begangen haben, könnte dies Auswirkungen auf seine Schuldfähigkeit haben. Dies, so Wenske, müsse die Hauptverhandlung klären.
Zur Beweisaufnahme sind sechs Folgetermine angesetzt. Die Fortsetzung ist am 15. Juni um 9 Uhr.