"Frankreich und die Julikrise 1914", mit diesem Thema zeigte Rainer Schmidt, der Sohn des ehemaligen BR-Redaktionsleiters Ottmar Schmidt, beim Katholischen Kulturkreis Kulmbach im Pfarrzentrum St. Hedwig neue Erkenntnisse zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges auf. Er ging dabei vor allem der Frage nach, wer die Verantwortung für diese "Urkatastrophe" trägt.
Schmidt ist Historiker und Professor für Neueste Geschichte und Didaktik der Geschichte an der Universität Würzburg und hat den Bezug zu seiner Heimatstadt Kulmbach nie verloren. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in der Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, der Außenpolitik der Habsburger Monarchie und des Bismarck-Reiches, der Weimarer Republik und den deutsch-britischen Beziehungen des 19. und 20. Jahrhunderts.
Rainer Schmidt erklärte, warum der Erste Weltkrieg auch als "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts gesehen wird. Im August vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, und in Erinnerung daran gibt es aktuell eine publizistisch geführte Debatte, die gerade in Deutschland sehr spezifisch verläuft. Dreh- und Angelpunkt dabei ist die Frage nach der Kriegsschuld.
In anderen Ländern war die Debatte um die Schuld am Ersten Weltkrieg weitgehend eine Sache der Historiker. In Deutschland dagegen war sie immer eine Sache der Politik und der Öffentlichkeit, mit großem Einfluss auf den Diskurs in der Geschichtswissenschaft. Warum die Frage nach der Kriegsschuld vor allem die deutsche Öffentlichkeit so stark beschäftigte, liege daran, dass Deutschland im Versailler Friedensvertrag von 1919 die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg zugesprochen bekam.
Gegen diesen "Schuldspruch" und die sich daraus ergebende Ächtung durch die anderen Staaten wehrte man sich schon in der Weimarer Zeit. In Deutschland zog man 1945 vor allem folgende Schlüsse: Die deutsche Demokratie könne nur gedeihen, wenn die Deutschen sich ihrer Vergangenheit bewusst bleiben.
Geschichtsforscher, wie der Australier Christopher Clark, kommen zum Schluss, dass die Verantwortung für den Ersten Weltkrieg nicht dem Deutschen Kaiserreich allein anzulasten sei, sondern gleichmäßig auf alle beteiligten Mächte in Europa verteilt ist.
Mit dem Geschehen zwischen 1914 und 1918 öffnete man die Büchse der Pandora, wie Rainer Schmidt deutlich machte, aus der alles Unheil der folgenden Jahrzehnte herauskroch.
Die Frage, wer die Verantwortung für diese "Urkatastrophe" trägt, wird auch nach mehr als 100 Jahren von den meisten Historikern noch so beantwortet, wie dies schon der Versailler Vertrag von 1919 tat: "Es war die aggressive, zum Krieg treibende Politik des Deutschen Kaiserreichs, die mit dem Blankoscheck an Wien vom 6. Juli und den nachfolgenden Kriegserklärungen an Rußland und Frankreich Anfang August die Katastrophe in Gang setzte", so der Rainer Schmidt.