Kindesmissbrauch gehört zu den abscheulichsten Verbrechen. Gut, dass die Gesellschaft inzwischen dafür wesentlich sensibilisierter ist als noch vor Jahrzehnten. Präventionsarbeit kann nicht genug befürwortet und unterstützt werden.

Denn, wer Gefahrensituationen klar erkennen gelernt hat, und wem in Rollenspielen Strategien an die Hand gegeben worden sind, wie man aus solchen Situationen kommt, der ist einfach besser gerüstet. Je breiter Prävention aufgestellt ist, umso besser.

Freilich hat die erhöhte Alarmbereitschaft auch ihre Schattenseiten: Dazu gehören logischerweise Überreaktionen - dass bisweilen unbescholtene Menschen vorschnell in Verdacht geraten und an den Pranger gestellt werden. Gerade in den sozialen Netzwerken. Aufgrund der schnellen Reaktions-und Verbreitungsmöglichkeiten sind auch die Gefahren dafür größer, dass sich Fehlinformationen rasch verbreiten, aber kaum oder erst spät korrigiert werden. Beispiel der Fall aus Ebelsbach, wo ein hilfsbereiter Nachbar verdächtigt und alsbald auch eine Verbindung zum Hirschaider Vorfall hergestellt wurde.

Es ist bedauerlich, dass wir heute schon so weit sind, dass man misstrauisch wird, wenn jemand ein Kind anspricht. Auf dem Land ist das vielleicht noch nicht so ausgeprägt, weil sich die Menschen untereinander kennen. Eine Garantie dafür, dass hier nichts passiert, kann es natürlich nicht sein. Dennoch: Wachsamkeit ist allemal besser als Gleichgültigkeit und selbstbewusste, geschulte Kinder weiß man dabei getroster unterwegs. Kompliment an den Hirschaider Jungen, der instinktiv das Richtige tat.