Kevin Michael und Roland Geißler heben einen langen Balken aus der Maschine. Geißler beschriftet das Werkstück mit der Ziffer 11. "Das wird eine Garage", erklärt er. Jedes Bauteil wird perfekt vorbereitet und beschriftet. Handwerklich begabte Menschen könnten die Einzelteile dann wie ein Lego-Baukastensystem zusammenstecken. Fertig.

Dass die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner und ihr Kollege Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände, in Zimmerei Geißler in Döllnitz zu Besuch sind, stört die Arbeiter nicht. Sie machen einfach weiter. Der Chef liefert gerade aus.

Sechs Mitarbeiter sind in der Zimmerei beschäftigt. Alle sind froh, dass es nach der verhehrenden Brandkatastrophe im Januar wieder weitergeht. Geschäftsführerin Antje Kolb zeigt den Gästen, wo der ursprüngliche Betrieb einmal stand. Nichts ist mehr übrig davon. Momentan wird in einem Behelfsbau produziert. Dieser war schon lange vorher als Lager geplant. Jetzt ist er Produktionsstätte und Keimzelle für die Zukunft - alles in einem.

"Wir machen Bausätze für Holzhäuser, Dachstühle, Balkone und Scheunen. Wir sind ein Zulieferbetrieb für holzverarbeitende Betriebe", erklärt Kolb das Geschäftsfeld. 130 000 laufende Meter, das entspricht ungefähr 4000 Kubikmeter Holz, verarbeitet die Zimmerei Geißler pro Jahr. "Wenn wir Lärchenholz möchten, ist das kaum zu bekommen."

Die Lage ist angespannt

Die Situation auf dem Holzmarkt ist angespannt. Durch die Trockenheit und den starken Borkenkäferbefall werden zwar viele Bäume geschlagen, doch oft sind sie geschädigt, so dass sie als tragende Holzkonstruktionen nicht mehr verwertbar sind. "Die Bäume bringen oft nicht die erforderliche Dicke mit", so Kolb.

Beim Besuch der Bundespolitiker geht es genau um dieses Thema: Holz und Zukunft. "Wir haben noch nie eine so extreme Zeit erleben müssen wie jetzt. Die Situation hält seit 2018 an. Immer mehr Abgeordnete erkennen, dass wir hier tätig werden müssen", sagte Hans-Georg von der Marwitz. Seine Botschaft: Man müsse wegkommen von der Monokultur hin zu einer gesunden Mischung.

"Der Anbauversuch der Fichte im Jura ist schwierig. Die Trockenheit macht uns da einen Strich durch die Rechnung", bestätigten Gregor Schießl und Michael Bug vom Forstamt Bamberg.

Kritik an Vorschriften

Emmi Zeulner hatte ihre Tour zum Thema "Unser Wald im Wandel" bei Königsfeld begonnen. Nach ihrem Besuch in Döllnitz ging es noch auf den Kordigast. Emmi Zeulners Fazit: "Ich kämpfe für unseren Wald. Wir lassen die Waldbauern nicht im Stich!" Die Bundestagsabgeordnete hörte sich in Döllnitz die Sorgen der Zimmermänner an. Der Holzpreis sei allein in den letzten vier Wochen um zehn Prozent gestiegen, sagte Zimmermann Bernd Kraus. Doch es gebe eine ungeheure Diskrepanz zwischen dem Verkauf von Holz und dem Ankauf. "Unsere regionalen Säger können das Handwerk nicht mehr beliefern", klagte Kraus und machte die Vorschriften und die nötigen Zertifizierungen dafür verantwortlich. Auch der ehemalige Sägeunternehmer und dritte Bürgermeister der Gemeinde Stadelhofen, Christian Eberlein, klagte sein Leid: "Kleine Sägewerke rechnen sich nicht mehr", sagt er.

Hans-Georg von der Marwitz und Emmi Zeulner möchten gemeinsam eine Offensive für öffentliche Bauten mit Holz auf den Weg bringen. "Das Max-Rubner-Institut auf dem neuen Campus in Holzbauweise wäre doch absolut modellhaft", scherzte Zeulner.

"Wir haben die Holzvorräte im Wald verdoppelt. Jetzt werden wir durch den Klimawandel zur Nutzung gezwungen", erklärte Josef Ziegler, Chef der bayerischen Waldbauern, und warnte vor Preisdumping. Holz müsse als wertvoller Rohstoff anerkannt werden, könne aber nicht mit Rohöl- und Steinkohlepreisen als Energielieferant konkurrieren.

Am Ende waren sich alle einig, dass der Wald Kämpfer braucht und die kleinen Handwerker gestärkt werden müssen. Auch eine Unterstützung der Azubis und eine Förderung der Meisterausbildung seien nötig, regte Geschäftsführerin Antje Kolb vor dem Abschied noch an.