Die ersten Zuschauer kommen zum Spiel des TSV Marktzeuln in der Kreisliga. Es tut sich noch nicht viel am Sportgelände. Ein paar Helfer bauen noch Bänke für die Gäste auf, stellen die Kasse bereit, holen die Bratwürste. Aber einer fällt doch gleich auf in seinem Trainingsanzug. Es ist der Spielleiter des TSV, Harry Dillinger, der den Platz begutachtet. Zuvor war er schon im Sportheim und hat für seine Jungs die Trikots bereitgelegt und alles für das Heimspiel zurecht gemacht. Als Spielleiter betreut er nun schon seit vielen Jahren die Mannschaften, aber am Freitag, am Tag der Abteilungsversammlung, war nun Schluss. Er übergibt sein Amt in jüngere Hände.
Ein Glücksfall für den TSV war, dass Dillinger seine Liebe in Marktzeuln fand und seinen Wohnsitz dann dort hatte. Er schloss sich gleich dem Verein an, nachdem er schon 29 Jahre in Schwabthal dem Fußballsport treu war. Seit 1992, seinem Wechsel, ist er nun als Spielleiter tätig. Zuerst für die zweite Mannschaft und die Altliga, dann ab 2004 für das Aushängeschild des Vereins. Neben seiner zeitaufwendigen Arbeit als Spielleiter hat er bis zuletzt aber noch selbst mitgespielt. Das ging dann soweit, dass er in der Reserve oft nur die erste Hälfte spielen konnte, damit er schnell duschen und schon wieder die Arbeit für die Erste erledigen konnte. Er hat viele Jahre für den Verein gelebt und sich aufgeopfert. Aber Harry ist keiner, der eine Gegenleistung erwartet. Er packt an, wo Not am Mann ist. Ob beim Ausschank bei Festen, bei Baumaßnahmen oder in der Turnhalle. Wo fleißige Hände gesucht werden ist Harry zur Stelle.


Prüfender Blick auf die Trikots

Mittlerweile kommen die ersten Spieler zum Aufwärmen auf den Platz und sein prüfender Blick gilt den Trikots und Stutzen. Haben auch alle Spieler die richtige Nummer auf dem Rücken. So langsam wird es dann für ihn Zeit Richtung Ersatzbank zu gehen. Auch hier wird nochmal kontrolliert, ob alles da ist, was zu einem Spiel gehört. Seine Tasse Kaffee vor dem Spiel hat er schon getrunken und nun kann es losgehen. Er wirkt immer wie der ruhende Pol am Spielfeldrand, aber manchmal bricht es aus ihm heraus, wenn er eine Entscheidung des Schiedsrichters anders gesehen hat. Dann kann er auch mal laut werden, wie man ihn selten kennt. Besonders dann, wenn einer seiner Jungs gefoult wurde. Dies geht aber dann nur so lange, bis er mit seinem Koffer als "Doc" auf den Platz darf und den Spieler behandelt.
Dieser unermüdliche Einsatz hat ihm bei den Spielern und den Verantwortlichen großen Respekt eingebracht. Bei seinen Jungs ist er beliebt, da er alle gleich behandelt. Egal ob Stammspieler oder Reservist. Alle bekamen die gleiche Aufmerksamkeit und das kam eben gut an. Er lebte die Fairness vor und war hierbei ein Stück weit Vorbild. Zudem konnten sich alle auf Harry verlassen. Er war immer dabei, egal ob auf dem Rasen oder in der Halle. Sein Nachfolger Alexander Werner sagt über ihn: "Mr. Zuverlässig des TSV! Immer da, wenn man ihn braucht."
Das Spiel hat sein TSV dieses Mal gewonnen. Wie zuletzt hatte er und der Trainer große Freude am Spiel der Mannschaft. Das war aber nicht immer so, aber das gehört zum Sport dazu. Höhen und Tiefen und besonders wenn es nicht so gut lief war er der ruhende Pol. Nach dem Sieg gönnt er sich ein alkoholfreies Weizen im Kreise seiner Jungs, aber erst wenn die ganze Arbeit für diesen Tag gemacht ist und er wieder alles verstaut hat.
Das wird ihm sicher am meisten fehlen: der Kontakt zu seinen Spielern und ihren Erlebnissen am Wochenende. Neben seiner Leidenschaft Fußball hat er auch noch den Tischtennissport lieben gelernt und ist auch dort viel unterwegs als Spieler. Doch sicher wird er nun an den freien Sonntagen mehr Zeit haben und diese mit seiner Frau Brigitte genießen.
Nach all den Jahren übergibt Harry Dillinger sein Amt an Alexander Werner weiter. Er wollte nie in der ersten Reihe stehen, aber ohne Sportfreunde wie Harry Dillinger wäre dieser Sport nicht möglich. Die Spieler und der Verein haben ihm viel zu verdanken und hoffen natürlich, dass er weiter an der Seitenlinie als Zuschauer seine Jungs anfeuert! Und so wie man Harry Dillinger kennt wird er natürlich weiter seinen TSV mit Rat und tat unterstützen.