Der Bauernverband beklagt gegenwärtig eine historische Krise. Besonders die Schweinehalter hätten mit "verheerenden" Ausfällen bei Schlachtungen zu kämpfen, heißt es. Die Coronakrise und die Schweinepest hätten die Fleischpreise in den Keller stürzen lassen. Vor allem die Ferkelerzeuger seinen besonders betroffen, viele Bauern fürchteten um ihre Zukunft.

Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigt BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger auf, dass die Ferkelerzeuger und Schweinehalter in eine unverschuldete Notlage geraten sind. Er spricht von der größten Krise seit Jahrzehnten, viele Ferkelerzeuger und Schweinemäster kämpften inzwischen um ihre Existenz.

Als Hauptursachen für die Krise sieht der Altenreuther die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die Stilllegung von Schlachthöfen und den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest mit dem folgenden Exportverbot nach Asien. Ferkelerzeuger erhielten für ihre Tiere gerade einmal die Hälfte des Erzeugerpreises. "Mit jedem einzelnen Tier zahlt der Bauer drauf. Wenn das so weitergeht, bekommen wir nicht nur einen Strukturwandel, sondern einen Strukturbruch. Dann brechen mindestens 50 Prozent der Betriebe weg."

Volle Ställe

Was die Bauern jetzt bräuchten, seien finanzielle Hilfen, vielleicht sogar Liquiditätshilfen. "Sie brauchen bessere Preise und Unterstützung beim Abbau des Rückstaus in den Ställen. Die müssen wieder leer werden. Die Notlage verschärft sich von Tag zu Tag."

Auf dem Hof der Familie Dörfler in Heidelmühle bei Neudrossenfeld hätte sich Manfred Dörfler (64) für die Übergabe an den Sohn Johannes im nächsten Jahr eine bessere Situation gewünscht. "Unsere Lage ist einfach schlecht, so können wir nicht überleben. Man kann einmal ein halbes oder dreiviertel Jahr überbrücken, aber auf Dauer gesehen ist das mit diesen Preisen nicht machbar. Momentan werden die Betriebskosten nicht durch die Einnahmen gedeckt."

280 Zuchtsauen bringen im Jahr etwa 6000 Ferkel zur Welt. Noch ist man in der Heidelmühle in der glücklichen Situation, dass drei Mastbetriebe in der Region die Tiere abnehmen, aber für einen ganz schlechten Preis. Manfred Dörfler prangert an, dass die Bauern die Preise nicht verändern können. "Unsere Politiker müssen endlich erkennen, dass die Ferkelproduktion in Deutschland an die Wand gefahren wird, weil die Auflagen in unserem Land strenger sind als in den anderen europäischen Ländern."

Mehrere Standbeine

Johannes Dörfler (28) fällt es schwer, an eine gute Zukunft in der Ferkelerzeugung zu glauben: "Natürlich mache ich mir Gedanken, wie es weitergeht." Dennoch vertraut der junge Landwirtschaftsmeister darauf, dass die Zeiten wieder anders werden, wohlwissend, dass es gerade in der Schweinehaltung schon häufig ein "Auf und Ab" gab.

Gerhard Reif (54), der mit Sohn Maximilian (28) einen landwirtschaftlichen Betrieb im Kulmbacher Stadtteil Gößmannsreuth führt, hat sich zum Glück frühzeitig noch andere Standbeine neben der Ferkelerzeugung gesucht: "Wir haben vor zwei Jahren eine Anlage zum Aufbereiten und Trocknen von biologischem und konventionellem Getreide gebaut", sagt der Senior.

Daneben bietet er noch Agrardienstleistungen an. Mit der Streuung hat sich der Betrieb ein finanzielles Polster geschaffen, um Engpässe wie jetzt mit den Niedrigpreisen bei den Ferkeln aufzufangen.

Den Plan von Sohn Maximilian, die Ferkelzucht auszubauen, habe man glücklicherweise ad acta gelegt, so Gerhard Reif. Mit den Niedrigpreisen müsse der Betrieb derzeit einen jährlichen Verlust von 150 000 Euro auffangen. Sie Forderung an die Politik: "Ergreift endlich einmal Partei für die Bauern. Sagt einfach, dass unsere deutschen Bauern hochwertige Lebensmittel, regional direkt vor eurer Haustür produzieren. Und hört endlich einmal auf mit dem Meckern! Ich kann es nicht mehr hören."