Eckehard Kiesewetter Ebern —  In der Stadt Ebern erwartet man sich positive Impulse durch die Landesbaudirektion: womöglich 140 qualifizierte Arbeitsplätze sowie wachsende Steuereinnahmen, ein klein wenig Kompensation für den Verlust wichtiger Behörden und der Bundeswehrgarnison sowie ein imposantes Behördengebäude an exponierter Stelle in Stadtnähe. Aber dafür das Gebäude und das Ensemble des Hotels/Gasthofs "Post" (Gall) opfern?

Entschieden?

Aus Sicht der Landesbaudirektion, des Stadtrats, der bisherigen Grundbesitzerfamilie und der meisten Menschen in Ebern ist die Sache entschieden. Der Neubau soll auf der Fläche im Kreuzungsbereich Coburger- und Bahnhofsstraße entstehen, die das ehemalige Kino (zeitweise auch Delta-Markt) bis hin zum Tabakwaren-Geschäft und der früheren Filiale eines Reinigungsunternehmens einschließt. Doch damit sind nicht alle einverstanden.

So flattert Kerstin Schreyer, Bayerns Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, jetzt ein Schreiben von Eberner Bürgern ins Amtsgebäude am Franz-Josef-Strauß-Ring in München. Die Verfasser wollen, wie sie betonen, nicht die Suche der Landesbaudirektion nach einem dauerhaften Domizil blockieren - die aktuell genutzten Räume im alten Rathaus und am Marktplatz sind nach dem Umzug der Behörde aus Nürnberg nur als Provisorium gedacht. Wie es in dem Schreiben heißt, "hat niemand in Ebern etwas gegen moderne Architektur". Den Widersachern geht es darum, den auserkorenen Standort kritisch zu hinterfragen und einen Gegenvorschlag aufzuzeigen.

Der Gegenvorschlag

Manfred Jung und die Mitunterzeichner werben für einen alternativen Standort am Valeo-Parkplatz. Dieser sei nur eine Gehminute von der bisher ins Auge gefassten Fläche entfernt. Er biete unbestreitbare finanzielle Vorteile, eine verkehrstechnisch günstigere Lage während des Baus und des Betriebes und die "wohl einmalige Chance, auf dem Parkplatz ein wirklich grandioses architektonisches, sich auf der Höhe der Zeit befindliches Bauwerk zu realisieren". Im Gespräch verweist Jung, Leiter des Jugendtreffs der Arbeiterwohlfahrt, auf die Forderung von Innenminister Joachim Herrmann nach einem repräsentativen Neubau. Am Valeo-Platz könnte nach Jungs Meinung beispielsweise ein Bauwerk "in höchst prämierter Stelzenbauweise à la Parkplatzüberbauung am Münchner Dantebad" entstehen, "gut sichtbar von der B 279 und für alle, die von dieser Bundesstraße oder aus der Richtung kommen". Im Brief ist von "einem weithin sichtbaren Entree" und einem möglichen "neuen Wahrzeichen der Stadt" die Rede.

"In keinster Weise geeignet"

Ein Bau anstelle des Gasthofs "Post" dagegen würde, so Rädelsführer Jung, "gegen jede Vernunft, jede Logik und gegen jedes Argument entstehen und ein ewiges Ärgernis darstellen".

Der Eberner, der Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Geschichte studierte und den Titel eines Magister artium in der Tasche hat, misst dem Gasthof-Komplex städtebauliche, stadtgeschichtliche und ideelle Bedeutung bei und meint, der Plan für den Abriss "ist und bleibt eine Dummheit".

"Vielleicht gelingt die Rettung in letzter Sekunde", hofft Manfred Jung, der sich seit geraumer Zeit einsetzt, "um das Schlimmste abzuwenden". In dem vierseitigen Schreiben wird ein Bündel von Argumenten gegen eine Großbaustelle auf dem Gall-Gelände angeführt. Das ausgewählte Baugrundstück sei "in keinster Weise geeignet für ein so architektonisch anspruchsvolles und in der vorgesehenen Größenordnung für etwa 140 Mitarbeiter geplantes Verwaltungsgebäude". Die Fläche sei zu klein für den "Neubau samt mit Sicherheit vorgesehener Tiefgarage", der Verkehrsknotenpunkt Bahnhofs-/Coburger-/Kapellenstraße im Norden der Altstadt werde zu stark belastet und die Bauministerin persönlich habe Grünflächen innerhalb des Post-Delta-Areals zur Tabu-Zone erklärt.

Der ursprünglich angekündigte europaweite Architektenwettbewerb wurde abgeblasen. Jetzt rechnen Jung und Mitunterzeichner mit "katastrophalen optischen Auswirkungen auf das historisch gewachsene Stadtbild" durch ein "überdimensionales, alles erdrückendes Verwaltungsgebäude", bei dem die Stadt weder bei den Ausmaßen, den Dachneigungen, der Außengestaltung und den Materialien mitzureden habe. "Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie man hier alles aus der Hand geben konnte", sagt Jung.

Die Aussichten?

Der 61-jährige Jung ist sich bewusst, dass sein Schrieb innerhalb der Stadt auf Missbilligung stoßen wird. Auch kalkuliert er ein, dass er im Bauministerium ohne weitere Prüfung des Alternativvorschlags beiseitegelegt werden kann. Den Wortlaut des freundlichen, aber ablehnenden Antwortschreibens, könne er sich heute schon ausmalen, sagt Jung, "aber ich muss es probieren". So möchte er auch die Redaktion des Magazins "Quer" im Bayerischen Fernsehen einschalten, in der der Moderator Christoph Süß Missstände im Freistaat satirisch-kritisch aufs Korn nimmt. Jung: "Ich will mir später nicht nachsagen lassen müssen, ich hätte nichts getan."