steffen standke

Die Vorsaison des FC 06 Bad Kissingen war eine Katastrophe. Aber auch heilsam. Von einem Durchmarsch in die Landesliga, wie er am Ende der Hinrunde 2016/17 möglich schien, träumt beim Bezirksliga-Zwölften der vorherigen Saison wohl keiner mehr. Jedenfalls nicht Mario Wirth. Der Trainer formuliert für die bevorstehende Spielzeit ein bescheidenes Ziel: "möglichst einige Spieltage vor Schluss einen gesicherten Platz im Mittelfeld sichern". Und damit den Klassenerhalt.
Denn der 39-Jährige schätzt die Bezirksliga 2018/19 als knüppelhart ein. Da wären die traditionsreichen Aufsteiger FT Schweinfurt und TSV Bergrheinfeld. Sie bringen viel Euphorie mit, ähnlich wie der FC 06 vor zwei Jahren. Dazu seien viele unbekannte Mannschaften dabei, die Wirth noch nicht einschätzen kann. Wie Dettelbach und Ortsteile oder Altbessingen.
Für sein Team nennt der Trainer zwei Hauptziele. Das erste: die Jugend integrieren. Mit Florian Thurn (zum FC Fuchsstadt) und Patrick Stöth (FC Westheim) haben zwei Spieler den Verein verlassen, die man laut Wirth menschlich und spielerisch sehr vermissen wird.
Dafür rücken Talente aus der in der Bezirksoberliga spielenden U19 nach. Cedrik Bäßler und Jonas Schaupp haben die bisherige Vorbereitung komplett mitgemacht. Ihnen traut Wirth zu, in die erste Mannschaft vorzustoßen. Luis Hüfner heißt der bisher einzige wirkliche Neuzugang. Er genoss - wie andere Bad Kissinger Spieler - seine Ausbildung bei der U19 des FC Schweinfurt 05. Über seinen Opa besitzt er familiäre Bande nach Bad Kissingen.
Diesen Bezug hält der Trainer für wichtig: der FC 06 als Team der Stadt Bad Kissinger. Womit wir beim zweiten Saisonziel wären: Aus jungen und gestandenen Spielern will Mario Wirth eine ausgeglichene funktionierende Mannschaft formen. Die entwicklungsfähigen Talente um Darko Aleksoski sollen sich harmonisch in ein Korsett einfügen, das von den Kissinger Recken Christian Heilmann, Christian Laus und Ervin Gergely gebildet wird.
Gemäß der neuen Bescheidenheit will der 39-Jährige Trainer, der bis Oktober 2017 noch selbst mitkickte, eines nicht spielen lassen: offensiven Hurra-Fußball. Jedenfalls noch nicht. Zunächst müsse die Abwehr inklusive den Abräumern davor sicher stehen. Aus diesem Bollwerk heraus will Wirth über schnelle Außen nach vorne gelangen, um die zunächst geplante eine Spitze einzusetzen.
Dieses System scheint auch dem Umstand geschuldet, dass Top-Torjäger Andrei Puscas vorerst noch ausfällt. Ist er wieder fit und klappt die Balance zwischen Abwehr und Angriff besser als in der Vorsaison, will Mario Wirth auch mutiger spielen lassen. Dass der FC 06 großes Offensivpotenzial besitzt; dessen ist sich der Trainer bewusst.
Mit den Schweinfurter Freien Turnern wird der Kissinger Fußballclub gleich zu Saisonbeginn auf einen der euphorisierten Aufsteiger treffen. Dann geht es gegen den TSV Münnerstadt, seit einer gefühlten Ewigkeit in der Bezirksliga Ost dabei. "Nach vier bis fünf Spielen", sagt der 39-Jährige, "wird sich zeigen, wo die Reise hingeht." Als Bezirksliga-Meister sieht der Trainer diese Saison den in der abgelaufenen Spielzeit in der Relegation gescheiterten TSV Gochsheim.