Werner Höchstetter Sag mir, wo die Bienen sind ... Die Ansage der Verteterin der Projektgruppe Insektenfreunde Litzendorf, Lissy Dörfler-Christa, im Gemeinderat klang dramatisch: Rund 67 Prozent der Insekten sind nicht mehr da, was wiederum einen signifikanten Rückgang der Feldvögel und der Igelpopulation zur Folge hat. Mittlerweile steht die Hälfte der Arten auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten, weshalb auch die Vielfalt der Flora gefährdet ist. "Die Corona-Krise ist ein Klacks gegen Pandemien, die noch bevorstehen", so die Bund-Naturschutzaktivistin.

Das "Trittsteinkonzept", das kein zusammenhängendes Schutzgebiet vorsieht, sondern eine Vernetzung von "Biotopinseln", sollte das Ziel sein. In Verbindung mit der Schaffung von Ausgleichsflächen will man dem Artenschwund etwas entgegensetzen. So wurden circa 100 Stunden Arbeitszeit für 1500 Quadratmeter Ausgleichsflächen aufgewendet.

Die ökologische Mängelliste war aber noch nicht zu Ende. Auch die Lichtverschmutzung macht den Insekten zu schaffen. Da Insekten zu 90 Prozent nachtakiv sind, stellt die permanente Beleuchtung von Gemeindeflächen eine "Stresssituation" für sie dar. "Nachts ist es zu hell für Mensch und Tier", so die Referentin. Durch die Verwendung von LEDs der neuen Generation könne Abhilfe geschaffen werden.

Alle in einem Boot

Dörfler-Christa regte die Zusammenarbeit aller Beteiligten, von der Gemeinde, den Bürgern bis hin zu den Landwirten, an. Vor allem blütenreiche Gärten und naturbelassene Wegränder wie am Berliner Ring in Bamberg seien geeignet, dem Artenschwund entgegenwirken. Litzendorf könne Vorreiter sein, um das Volksbegehren "Rettet die Bienen" umzusetzen.

Laut Erstem Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU) "steht die Gemeinde gut da" und sei in ständigem Kontakt mit den Landwirten und engagierten Bürgern. Man habe auch schon Ausgleichsflächen geschaffen, "die gar nicht nötig gewesen wären". Sicherlich gebe es aber Verbesserungsbedarf. So sei es diskussionswürdig, die Kirchenbeleuchtung nach 23 Uhr noch eingeschaltet zu lassen, wie auch Gemeinderat Fleischmann (Grüne) bemängelte. Herbert Schütz (CSU) warnte davor, der Landwirtschaft den schwarzen Peter für Missstände in die Schuhe zu schieben. "Was wäre denn das Ellertal ohne landwirtschaftliche Bearbeitung"?

Und wie steht es um die Wasserqualität in Litzendorf? Dazu referierte Rene Hempel vom Institut für technisch-wissenschaftliche Hydrologie. Hintergrund: Die generelle Entwässerungsplanung muss alle 20 Jahre überprüft werden. Dabei geht es um die wasserrechtlichen Genehmigungen für sämtliche Einleitungen im Gemeindegebiet. Insgesamt wurde dem hydraulischen Zustand ein "gut" verpasst trotz eines 56-prozentigen Fremdwasseranteils am "mittleren Abfluss", was Gemeinderat Lunz (Grüne) als "enormen Wert" anmahnte, der auf undichte Kanäle zurückzuführen sei. Das Speichervolumen mit 2000 Kubikmeter sei hingegen ein guter Wert. Die "Fremdwassereinflüsse werden ein Thema für die nächsten Jahre", so Möhrlein.

Die Wasserleitungen waren auch Gegenstand der Ausführungen von Jonas Pohl von der Weyrauther Ingenieurgesellschaft mbH. Er beschrieb die verschiedenen Schäden an der Kanalisation im Ortsteil Melkendorf.

Eine Kamerabefahrung ergab einen Sanierungsbedarf, der Kosten von rund 445 000 Euro nach sich ziehen würde. Bei einer denkbaren Ausschreibung im Februar 2021 ist mit einem Baubeginn nach Ostern und einer 27-wöchigen Bauzeit zu rechnen.

Fördermittel für "Tanzwiesen"

Weitere Tagesordnungspunkte waren die Anträge für die Städtebauförderung und da vor allem der sportstättengemäße Ausbau des Kirchweihgebietes auf dem Baugebiet "Tanzwiesen-West". Bei Investitionen von über 12 Millionen Euro sollten rund 3, 7 Millionen als Fördermittel zu Buche schlagen.

Weiterhin soll ein Ratsinformationssystem den Weg in die digitale Zukunft bereiten.

Um ein ausreichendes Betreuungsangebot machen zu können, wurde die Bedarfsnotwendigkeit für den Ausbau des Obergeschosses der Schule zu einem zweigruppigen Hort mit 50 Plätzen festgestellt.