Liebe Leser/innen, neulich habe ich einen der ersten warmen, sonnigen Tage dieses Frühjahres ausgenützt und bin eine Runde Fahrrad gefahren. Es war um die Abendzeit, und ich hatte gute Laune, als ich losgefahren bin. Auf dem Weg wurde meine Stimmung dann allerdings etwas getrübt: Ich war nicht so fit, wie ich es mir gewünscht hätte, die Hügel waren bergauf anstrengend, es gab noch Pfützen und Matsch vom letzten Regen und viele kleinere und größere Steinchen auf dem Weg, die ich umfahren musste.
Irgendwann ging mein Blick dann aber nach oben, und ich hatte eine wunderschöne Landschaftskulisse vor mir, mit einem leuchtenden Abendrot und einem klaren Blick bis zum Horizont. Ich war so begeistert von diesem Anblick, dass ich den Weg nicht mehr beachtet habe und beinahe in den Graben gefahren wäre.
Ich denke, so wie mir auf dieser kleinen Radtour geht es uns auf unserem ganzen Lebensweg: Manchmal nehmen uns die Sorgen des Alltags, die Steinchen und Steine auf dem Lebensweg, so gefangen, dass wir vergessen, den Blick zu heben und nach vorne zu schauen. Und manchmal blicken wir so sehr in die Ferne, dass wir die nächsten konkreten Schritte vernachlässigen und ins Schlingern kommen. Eine Kombination aus beidem ist wohl das Richtige.
Als Christen/innen haben wir am vergangenen Oster-Wochenende den Horizont in den Blick genommen, auf den unser Lebensweg zusteuert. Er ist geprägt von der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus und von seinem Versprechen, dass er uns den Weg bereitet und die Tür öffnet zum himmlischen Reich des allmächtigen Gottes, unseres Vaters. Mit der Osterbotschaft im Ohr geht unser Blick sogar über den Horizont hinaus, in Richtung Ewigkeit.
Darauf steuern wir zu, und mit diesem Ziel vor Augen können wir beruhigt den Blick wieder nach "unten senken" und uns den Sorgen, Mühen und Traurigkeiten unseres Alltags widmen. Sie verschwinden nicht, wenn man an den auferstandenen Herrn Jesus glaubt, aber sie erscheinen in einem anderen Licht und sind leichter zu bewältigen, so wie neulich mein Radweg im Abendrot.
"Ich lebe, und ihr sollt auch leben!", sagt Jesus Christus zu uns (Joh 14, 19).
Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen
Jürgen Blechschmidt,
Dekan in Rügheim