Keine Sorge: Wer bei dem Wort "Castor" zunächst an die unerwünschten Spezialbehälter zur Lagerung und zum Transport radioaktiver Stoffe denkt, der irrt. Ebenso wenig handelt es sich um den Bruder von Pollux aus der griechischen Mythologie. Vielmehr ist Castor der lateinische Gattungsname für den Biber. Der Artname "fiber" unterscheidet ihn - unseren einheimischen Biber - von Castor kanadensis, der zweiten Biberart, die in Teilen Nordamerikas und Kanadas zuhause ist. Im Naturkunde-Museum kann man sich nun über die Kulturgeschichte und die Biologie dieses Nagetiers informieren.
Die Infoschau wurde vom Bund Naturschutz Ostwürttemberg realisiert und von dort ausgeliehen. Ihr Titel "Der Biber macht Geschichte" ist nicht übertrieben, wie die Besucher beim Studium der Ausstellungsbanner erkennen können. Vor allem der dichte, weiche Biberpelz stellte in früheren Zeiten einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. In Europa profitierte die Deutsche Hanse im Mittelalter vom Handel mit Biberpelzen aus Russland. In der Neuen Welt hielt die Hudson's Bay Company im 18. und 19. Jahrhundert das Monopol auf den kanadischen Pelzhandel. Da die Biber bereits damals in Europa immer seltener wurden, geriet der Handel zu einem Riesengeschäft Aber bereits vorher entbrannten kriegerische Auseinandersetzungen mit der indianischen Bevölkerung um den Zugang zu den biberreichen Regionen an den großen Seen.
Der Pelz war jedoch nicht das Einzige, was die Menschen stets veranlasste, diesem einzigartigen Nagetier nachzustellen. Äußerst begehrt war - und ist bis heute - ein bestimmtes Drüsensekret der Tiere, das sogenannte Castoreum oder Bibergeil. Dieser Substanz wurde heilende Wirkung für vielerlei Krankheiten zugeschrieben. Heute weiß man, dass wohl die einzige medizinische Wirkung auf der in dem Sekret enthaltenen Salicylsäure beruht, welche der Biber mit der Nahrung aus der Rinde von Weiden aufnimmt. In der Parfümerie wird Castoreum ebenfalls verwendet, heute jedoch meist in synthetisch hergestellter Form. Die Bedeutung liegt dabei weniger in der ihm nachgesagten aphrodisierenden Wirkung, sondern in der Eigenschaft, sonst flüchtige Riechstoffe zu binden.
Eher kurios mutet der Umstand an, dass der Verzehr von Biberfleisch, vor allem der des fetthaltigen Schwanzes, nach einem mittelalterlichen Papstedikt als Fastenspeise durchging. Ab den Hinterläufen durfte das Fleisch demnach auch an Fastentagen verzehrt werden, da die Biber mit ihrem beschupptem Schwanz zur Hälfte als Fisch eingestuft wurden.
Kein Wunder also, dass die Biber in Europa aufgrund der Nachstellung durch den Menschen immer seltener wurden. Trotz der verhängten Jagdverbote durch zahlreiche Landesfürsten waren die meisten Bestände in Deutschland bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erloschen. In Bayern gab es zu dieser Zeit keinen einzigen Biber mehr.
Hier setzt ein zweiter Teil der Ausstellung an, die vom Bamberger Naturkunde-Museum als Ergänzung zur Kulturgeschichte angeboten wird. Neben biologischen Fakten zu Castor fiber wird auch die Rückkehr dieser Nager nach Bayern thematisiert, die in den 1960er Jahren vom Bund Naturschutz Bayern eingeleitet wurde.


Freud und Leid

Heute ist der Biber in Bayern wieder fast flächendeckend verbreitet - was nicht ausschließlich Freude verbreitet. So kann man beispielsweise im Bamberger Hain die Spuren seiner scharfen Nagezähne nicht übersehen. Im vergangenen Jahr hätte ein unterhöhlter Damm beinahe zu einer möglicherweise folgenschweren Überflutung geführt. Auch von Seiten der Landwirtschaft kommen entsprechende Klagen. Denn Fakt ist: Der Biber kann mit dem Anlegen von Dämmen und der Auslichtung ufernaher Gehölze durch das Fällen selbst großer Bäume eine landschaftsprägende Wirkung entfalten. Der Natur gereicht dies jedoch zu großem Vorteil. Denn durch die Entstehung von Teichen, Nassflächen und lichten Uferstreifen schafft der Biber kleinflächige Naturparadiese, wie sie für viele andere Pflanzen- und Tierarten zu einem geeigneten Lebensraum werden. Diverse Wasserpflanzen, Libellen, Amphibien und Fische finden dort beste Bedingungen. Selbst im Hochwasserschutz können die Dämme und die Nassflächen eine rückhaltende Wirkung entfalten.
Die Frage steht also im Raum: Ist der Biber nervig oder nützlich? Vielleicht ist er beides - so zumindest die Botschaft eines Films des Bayerischen Fernsehens, der in der Ausstellung des Museums gezeigt wird. m/red