Über einen Zeitraum von rund eineinhalb Jahren hat ein 51-jähriger Arbeiter aus dem Landkreis Haßberge seine beiden Stief-Enkelinnen, die zur Tatzeit zwischen elf und 13 Jahre alt waren, wiederholt sexuell missbraucht. Für acht Taten hat ihn am Donnerstag das Landgericht Bamberg zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und fünf Monaten verurteilt (wie am Freitag bereits kurz auf der Titelseite berichtet). Der bislang nicht vorbestrafte Angeklagte war vor Gericht voll geständig, weshalb den beiden Schwestern eine Aussage vor Gericht erspart blieb. Ihre Aussagen waren zuvor mit einer Videokamera aufgenommen worden und wurden im Gerichtssaal abgespielt.

Annäherungsversuche eskalieren

Demnach begann das Martyrium für die ältere der Schwestern im August 2017. Nach ihrer eigenen Aussage ist es "harmlos" losgegangen. Sie habe damals - wie oft zuvor - mit ihrem Stief-Opa auf dem Sofa gekuschelt. Sie habe ihren Kopf auf dessen Schulter gehabt, er habe seinen Arm um sie gelegt. Plötzlich sei seine Hand auf ihre Brust gewandert. Es sei "komisch" gewesen, erinnerte sich die damals Zwölfjährige. In den Weihnachtsferien eskalierten die Annäherungsversuche des Mannes.

Ein weiterer Übergriff folgte wenig später. Als das Mädchen im Wohnzimmer des Angeklagten am Computer saß, kam der Stief-Opa hinzu ...

Bei einer weiteren Gelegenheit kam es fast zum Äußersten. Da sie Angst hatte, habe sie ihm eine Ohrfeige verpasst, wobei ein Zahn des Angeklagten abbrach, schilderte die heute 15-Jährige. Der Schlag zeigte Wirkung, denn der Peiniger ließ von seinem Opfer ab. Es war gleichzeitig der letzte Vorfall, den das Mädchen zu erleiden hatte. Danach besuchte es seinen Stief-Opa nicht mehr. "Wehe es kommt heraus", habe er sie mehrmals bedroht, sagte sie in ihrer Zeugenaussage.

Auch ihre jüngere Schwester wurde Opfer des Angeklagten. Im Sommer 2018 hielt sich die damals Zwölfjährige im Wohnzimmer des Angeklagten auf, der im Beisein des Mädchens auf seinem Handy einen Porno ansah. Zwischen März und Mai 2019 schaute er in Anwesenheit des Mädchen einen Porno auf dem Fernseher und näherte sich dem Kind in unangemessener Weise. "Außerdem küsste er mich mehrmals gegen meinen Willen auf den Mund. Die Vorfälle passierten immer abends, wenn die Oma schlief. Ich sollte niemandem etwas erzählen", gab das Mädchen zu Protokoll.

Ans Licht kamen die Straftaten, weil die ältere der beiden Schwestern ihrem Vater offenbarte, dass sie ihren Stief-Opa nicht mehr besuchen wolle, weil sie "nicht mehr mit ihm klarkommt". Die Mutter der beiden Mädchen sagte vor Gericht, dass ihre jüngere Tochter ihr erklärte: "Mama, ich werde die Bilder nicht mehr los."

Man habe zunächst versucht, die Sache innerfamiliär zu klären, sich dann aber entschieden, Anzeige zu erstatten. Der Angeklagte wurde daraufhin am 12. Juli vergangenen Jahres festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Verteidiger Alexander Wessel sagte vor Gericht, dass die Schwiegermutter des Angeklagten im Jahr 2006 oder 2007 in dessen Haus einzog. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2015 habe seine Frau ihre Mutter gepflegt, wodurch das "Intimleben nachgelassen" habe.

Vertrauensverhältnis ausgenutzt

Staatsanwalt Andre Libischer kreidete dem 51-Jährigen an, dass er das Vertrauensverhältnis der völlig unbedarften Kinder missbraucht habe. "Die Familie wird nie mehr so existieren, wie es einmal war. Sie haben Ihrer Enkelin das Leben über ein Jahr lang zur Hölle gemacht", hielt er dem Angeklagten vor Augen und forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten für den Täter.

Verteidiger Wessel führte an, dass sein Mandant in der Untersuchungshaft zahlreiche Anfeindungen zu erleiden hatte. Er bereue seine Taten und habe alles verloren. Seine Frau habe sich von ihm getrennt. Wessel hielt vier Jahre Haft für ausreichend.

Mit dem Urteil blieb das Gericht in der Mitte der Anträge. In einem Rechtsgespräch hatten sich die Prozessbeteiligten - ein Geständnis vorausgesetzt - auf einen Strafrahmen von maximal fünf Jahren geeinigt. Der Angeklagte habe sich durch seine Taten "selbst jeglicher sozialer Kontakte beraubt", sagte Richter Markus Reznik in der Urteilsbegründung. Das Urteil des Landgerichts in Bamberg ist bereits rechtskräftig.