Es war immer etwas Herrliches, Anfang August im Kastenhof neben dem Festzelt zu sitzen und mit anderen Menschen den Kontaktzu pflegen. Und auch der farbenprächtige Festzug an den Schützenfest-Sonntagen durch die geschmückte Jurastadt zum Kastenhof war stets etwas Wundervolles. Gäste aus nah und fern waren bei einem der größten Schützenfeste im Landkreis dabei. Doch in diesem Jahr wird wegen der Einschränkungen der Corona-Pandemie alles anders sein.

Die Schützengesellschaft Weismain musste sich wegen der Corona-Krise schweren Herzens dazu entscheiden, das traditionell am ersten Augustwochenende stattfindende Schützenfest abzusagen. Ob zu einem späteren Zeitpunkt ein kleines Fest, auch mit Einbindung der Bevölkerung, möglich ist, gilt es abzuwarten, erklären die beiden Schützenmeister Tina Lauterbach und Michael Zapf. Das sei von den möglichen Lockerungen abhängig.

Entwicklung ahnte keiner voraus

Michael Zapf hatte sich darauf gefreut als neuer Weismainer Bürgermeister das erste Fass mit "seinen Schützen" zu feiern, das erste Fass Festbier anzapfen zu dürfen. "Als wir am 24. März 2020 das Schützenhaus geschlossen haben, konnte noch niemand von uns damit rechnen, dass wir im August unser Fest nicht ausrichten können", macht Tina Lauterbach deutlich.

Das 110-jährige Bestehen wollte die Weismainer Schützengesellschaft in diesem Jahr feiern. In dieser langen Zeit ist sehr viel geschehen, doch das Aussetzen des Fests aufgrund einer Pandemie hat es noch nicht gegeben. "Wegen der derzeitigen Situation bleibt unser Schützenhaus bis auf weiteres geschlossen; sollten sich Lockerungen ergeben und diese dann auch praktikabel umsetzbar sein, werden wir unsere Mitglieder dementsprechend informieren", führt Michael Zapf weiter aus.

Und hierbei wird ersichtlich, dass die Pandemie ein größeres Problem für die Weismainer Schützen mit sich bringt: "Wir haben keinerlei Einnahmen, müssen aber die fortlaufenden Kosten, die das Schützenhaus nun mal mit sich bringt, aufbringen", sagt Zapf.

Die Einnahmen des Schützenfestes selbst, Versicherungen für die Mitglieder, Vermietung des Schützenhauses für Feierlichkeiten und der fehlende Wirtschaftsbetrieb nach den Trainingsabenden würden schon in diesem Jahr sehr negativ zu Buche schlagen, erläutert Schützenmeisterin Tina Lauterbach.

Doch dies scheint nicht ihr größtes Problem zu sein. Wie geht es weiter, wenn alles wieder normal läuft? Das könne noch lange dauern, vermutet die Schützenmeisterin. An das bequeme Zu-Hause-Sitzen hätten sich viele Menschen schnell gewöhnt, fährt sie fort. Doch ob diese Menschen alle im nächsten Jahr wiederkommen werden, wenn das Schützenfest hoffentlich wieder stattfinden werde, sei sehr fraglich.

Regenten gehen in Verlängerung

Das derzeitige Königshaus, sagt Tina Lauterbach, habe nicht die Möglichkeit gehabt, an Umzügen und Festlichkeiten teilzunehmen. Deshalb werde die Regentschaft der Majestäten des Jahres 2020 bis zum Schützenfest 2021 verlängert. Wenn es dann wieder - was doch sehr zu wünschen sei - zu einem Fest komme, dann würden die Planungen, die eigentlich für 2020 gedacht waren, inhaltlich übernommen.

Das Vereinsleben der Schützen ist derzeit komplett zur Ruhe gekommen. Sämtliche noch anstehende Veranstaltungen und Schießwettbewerbe für 2020 wurden vorerst abgesagt. Über eventuelle Veranstaltungen Ende des Jahres, wie zum Beispiel das das Königsessen oder die Adventsfeier, werden vom Vorstand in Sitzungen zeitnah beraten.

"Dennoch werden wir in unseren Möglichkeiten weiter arbeiten und würden uns freuen, möglichst bald alle gesund wiederzusehen", darin sind sich die beiden Schützenmeister jetzt schon einig. Roland Dietz