Ein Medienereignis der Superlative bahnte sich 1988 auf dem Rhein an. Abertausende Schaulustige jubelten einem mächtigen Floß, besetzt mit zehn Flößern und einer Frau, aus dem Frankenwald zu. Der Grund dieser außergewöhnlichen Präsentation: Düsseldorf, die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen, feierte sein 700. Stadtjubiläum. Und die Geschichte dieser Stadt ist eng mit dem Rhein verknüpft.
Mit diesen Aktivitäten gelang der Landeshauptstadt Düsseldorf und dem Landkreis Kronach ein außerordentlich öffentlichkeitswirksames Großprojekt, das alte handwerkliche Fähigkeiten und wirtschaftliche Traditionen des Frankenwalds präsentierte. Nach einjähriger Vorbereitung bauten vom 25. Juli bis 5. August 1988 unter der Leitung von Floßmeister Emil Hümmrich-Welt die Flößer Gerhard Wich-Heiter, Dieter Murmann, Alfons Geiger, Gottlieb Geiger, Ludwig Fleischmann, Wilhelm Schaller, Helmut Ring, Helmut Köstner und Heinrich Stöcker in 1000-stündiger Arbeit den Holzverband im Wasser des Kasteler Rheinarmes zu einer Größe von 110 Meter Länge und 20 Meter Breite zusammen.
Emil Hümmrich-Welt und Helmut Ring hatten noch in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts selbst Flöße auf dem Rhein zusammengestellt und stromab geführt, so dass sie unschätzbare Kenntnisse in die Arbeiten einbringen konnten. Rund 400 Festmeter Fichtenholz, bestehend aus 329 Stämmen, wurden zu Wasser gebracht und eingebunden. Und für die Küche stellte sich Hertha Hümmrich-Welt aus Unterrodach zur Verfügung.


Sehenswürdigkeit

Nach etwa 20 Jahren war erstmals wieder ein richtiges Floß auf dem Rhein zu sehen. Dass diese heute mit dem Hauch der Nostalgie behafteten hölzernen Gefährte einst zum vertrauten Bild gehörten, war zum Zeitpunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten nur noch den Älteren geläufig.
Bis weit in die 50er Jahre hinein zogen Schlepper die Flöße zu Tal. Doch schon damals waren die imposanten Holzkonstruktionen Zeugen einer aussterbenden Zunft. Verständlich war deshalb das enorme Interesse.
Auch die Aufbauten des Gefährts orientierten sich an den historischen Vorbildern. So standen auf dem Floß zwei einfache Holzhütten. In früheren Zeiten dienten sie der Besatzung als Wetterschutz, Schlafstatt und Küche. In den grob zusammengezimmerten Bretterkabinen war eine mit Stroh ausgepolsterte Schlafkoje und ein Ofen, auf dem die Flößer einfache Gerichte zubereiten konnten. Die Holzbretter der Hütten waren so zugeschnitten, dass sie am Zielort verkauft werden konnten.


In der Spur halten

Auf der fünftägigen Fahrt von Mainz nach Düsseldorf hatten die Schlepper "Jupiter" und "Martinus" vorwiegend die Aufgabe, den Holzkoloss auf dem vielbefahrenen Rhein zu manövrieren, ihn in der Spur zu halten. Mit bis zu 14 Kilometern pro Stunde war das Frankenwaldfloß den Rhein hinabgefahren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug gut zehn Stundenkilometer, so dass der Zeitplan locker eingehalten werden konnte.
Nicht fehlen durfte der "Wahrschauer". Der "Wahrschauer" ist ein Boot mit rotweiß-karierter Flagge, der im Abstand von einer Stunde vor dem Floß fährt, um andere Schiffe zu warnen. Selbst die alten Fahrensleute staunten nicht schlecht, als sie dem mächtigen Holzverband begegneten. Die 250 Kilometer lange Floßfahrt von Mainz nach Düsseldorf mit Tagesetappen in Koblenz, Bonn und Köln war ein Triumphzug.
Große Augen machten auch die vielen Tausend Zuschauer, die zur Schiffsparade anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten an den Rhein gekommen waren. Neben dem Rheinfloß präsentierten sich dem jubelnden Volk noch weitere 25 historische Schiffe.


Empfang bei OB Bungert

Nach dem eindrucksvollen Spektakel empfing Oberbürgermeister Klaus Bungert im Rathaus der Stadt Düsseldorf die Flößer aus dem Frankenwald. Dadurch habe man dem Fest eine besondere Note verliehen. Erfreut zeigte sich auch der seinerzeitige Landrat Heinz Köhler über den gelungenen Einsatz seiner Flößer.
Die Medien standen Kopf. Ob Fernsehen, Rundfunk oder Zeitungen - alle berichteten begeistert vom Rheinfloß.