"Große Portionen, kleine Preise", steht auf dem Werbeschild am Parkplatz. An der Tür der Hinweis: "Winterpause. Ab April sind wir wieder für sie da." Dieses Versprechen an seine treuen Gäste kann Frank Hertl nicht halten.

In der Gaststätte "Einkehr Zur Maut" mit angrenzendem Biergarten brach am späten Sonntagabend ein Feuer im Dachstuhl aus. Die Existenz von Hertl und seiner Familie liegt - im wahrsten Sinne des Wortes - in Schutt und Asche. "An den Tagen danach sind viele Gaffer gekommen und haben Fotos gemacht", erzählt der 50-Jährige, während er vorsichtig entlang der Brandruine streift, den Blick stets am Boden. Überall sind Glasscherben und Reste des ehemals imposanten Dachs verstreut.

"Wenn ich für jedes Foto fünf Euro verlangt hätte, wäre das ein gutes Geschäft gewesen", sagt der Familienvater und ringt sich ein gequältes Lächeln ab. Seine Stimmung passt zum mit grauen Regenwolken verhangenen Himmel, die Kälte ist an diesem Tag, am Fuße der Ködeltalsperre, bis in die Knochen spürbar. Ein traurig anmutender Trümmerhaufen ist alles, was Hertl von seinem "Baby" geblieben ist. Und eine ordentliche Portion Galgenhumor.

"Was soll ich machen? Wenn ich mich jetzt unter der Bettdecke vergrabe und weine, bringt mich das auch nicht weiter." Der Pächter zuckt mit den Schultern. Gerade hat er mit seiner Versicherung telefoniert. Die hat bestätigt, was er bereits befürchtet hat: "Weil ich die Versicherung vom Vorbesitzer übernommen habe, bin ich komplett unterversichert."

Vom Kiosk zur Gaststätte

Das 1973 als schlichter Kiosk gebaute Gebäude hat der Vollblutgastronom 2015 übernommen und laut eigener Aussage seitdem kräftig investiert, vor allem in die Küche und den Gastraum. "Bei uns gab es keine Fertigprodukte. Wir haben hier richtig aufgekocht." Der Kiosk mauserte sich zur namhaften Gaststätte. Bei gutem Wetter seien bis zu 200 Mittagessen über die Theke gegangen. Hertls Familie und Angestellte hätten mitgeholfen, während er selbst gemachte Bräten geschnitten und frisch panierte Schnitzel in der Pfanne gebraten hat.

Der große Biergarten bot Platz für 450 Gäste - an guten Tagen war es laut Hertl schwer, dort noch einen freien Stuhl zu bekommen. Im Gastraum kamen weitere 45 Gäste unter. Vor allem bei Reisegruppen war der Holzanbau mit den großen Fenstern beliebt. Nun liegt er in Trümmern. "Die Ölbilder von meinem Vater, die alten Felle und der Deko-Baum, der früher in seiner eigenen Gaststätte hing - alles ist zerstört", zählt Hertl auf und schaut durch die zerschlagenen Scheiben in den Innenraum. Besonders tragisch: Der Vater liegt momentan nach einem schweren Schlaganfall im Koma, unersetzbare Erinnerungen sind zerstört.

Ursache weiter unklar

Immer wieder fallen verkohlte Dachreste herunter, die letzten verblieben Ziegel über der Eingangsfront neigen sich drohend Richtung Erde. Die Brandruine ist einsturzgefährdet und darf nicht betreten werden. Zu retten wäre ohnehin nichts mehr. "Der ganze Dachboden war voll mit Werkzeug und Sachen für die Gaststätte, darunter 15 Biertischgarnituren und die Außenbestuhlung." Auch Sattelzeug für Hertls Pferde sei dort gelagert gewesen. Ein Blick nach oben genügt, um zu erahnen: Davon ist nichts mehr übrig.

In der Woche vor dem Brand sei Hertl noch auf dem Dachboden gewesen. Da sei alles normal gewesen. "Aber natürlich ist es da oben strohtrocken. Ein Funke genügt, um ein Feuer zu entfachen - nur wo kam der her?", fragt er, mehr sich selbst als seinen Gegenüber. Zwar steht die Ursache noch nicht abschließend fest. "Aber es konnte bislang keine Verwendung von Brandbeschleuniger festgestellt werden", berichtet Alexander Czech vom Polizeipräsidium Oberfranken. Brandstiftung erachtet auch Hertl als unwahrscheinlich - immerhin sei die Tür zum Dach, wie immer, abgeschlossen gewesen. Außerdem sei das THW aufgrund der Arbeiten an der Ködeltalsperre 24 Stunden am Tag vor Ort. "Ich wüsste auch nicht, dass ich Feinde habe. Ich bin ein Mensch, der anderen immer hilft."

Zwar habe Hertl viel Zuspruch erfahren, doch auch die ein oder andere spitzzüngige Nachricht erhalten. Traurig mache es ihn, wenn Gerüchte am Stammtisch die Runde machen, dass er selbst das Feuer gelegt habe. "Das ist absoluter Quatsch." Außerdem sei der Zeitpunkt des Unglücks - kurz vor Beginn der Ausflugssaison - denkbar ungünstig. "Die Lage hier ist top, die Gaststätte ist eine Goldgrube. Das hätte ich mir doch nicht entgehen lassen."

Angesichts der guten Wetterprognosen ist sich der Pächter sicher: "Diese Saison wäre die beste überhaupt geworden." Wenige Stunden, bevor der schicksalhafte Anruf kam, habe er noch mit seiner Lebensgefährtin gesprochen. "Wir haben entschieden, dass sie ihren Job kündigt, um hier in Vollzeit mitzuhelfen." Anders als zuerst geplant, wollte das Paar bereits am 21. März wieder eröffnen.

Nun ist die Saison für die Hertls gelaufen. Doch wie soll es jetzt weitergehen? - "Das ganze Ding muss abgerissen werden, da ist nichts mehr zu retten." Immerhin: "Ich bin im Immobiliengeschäft tätig und habe, Gott sei dank, noch ein zweites Standbein." Die Gaststätte von Null auf alleine wieder aufzubauen, kann sich der Gastronom aufgrund seines Alters nicht vorstellen. "Aber vielleicht findet sich jemand, der etwas Geld in die Hand nehmen und hier mit einsteigen will." Mit einem Partner und Hertls Know-how, so glaubt er, könnte an diesem beliebten Ausflugsziel eine neue Gaststätte entstehen. "Und vielleicht sogar noch etwas noch Besseres". Dadurch, dass Strom- und Wasserversorgung noch intakt sind und die Nebengebäude nicht betroffen sind, sei sogar zeitnah ein eingeschränkter Wiederbetrieb denkbar. Interessenten können sich unter frankhertl@yahoo.de melden.