Beim Besuch der parlamentarischen Staatssekretärin für Arbeit und Soziales, Anette Kramme am Mittwochnachmittag im BRK-Seniorenheim Ludwigsstadt wurde an die Politik appelliert, in Corona-Zeiten klare Regelungen für die Pflegeheime vorzugeben. Zudem wurde die Bitte an die SPD-Bundestagsabgeordnete herangetragen, mit den Anträgen, die im Rahmen des "Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetzes" gestellt werden, unbürokratisch umzugehen.

Zuvor berichteten der BRK-Geschäftsführer Roland Beierwaltes, die Heimleiter Peter Schulz und die Pflegeleiterin des BRK-Seniorenheims Elke Bauer über den Alltag im Pflegeheim während der Corona-Zeit. "Wir sind bisher mit einem blauen Auge davon gekommen", resümierte Roland Beierwaltes. Die Besuchsverbote seien für die Bewohner nicht einfach und mit vielen Emotionen verbunden gewesen, so Peter Schulz. Kontakte mit den Angehörigen wurden in der "Hochzeit" der Pandemie über digitale Medien vermittelt. Dabei habe es sich als Glücksfall erwiesen, dass der BRK-Kreisverband einen jungen Mann an der Seite hat, der im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) den Heimbewohnern die digitalen Medien näherbringt. "Der Schutz vor Einsamkeit ist genauso wichtig wie der Schutz vor Corona", stellte Beierwaltes fest. Und: "Ein Pflegeheim ist kein Aufbewahrungsort, sondern ein Ort zum Leben."

Als ein Glück habe sich herauskristallisiert, so der Geschäftsführer, dass alle Wohlfahrtsverbände im Landkreis an einem Strang gezogen haben. Beispielsweise seien alle Maßnahmen wie Besuchsmöglichkeiten nach den Lockerungen zwischen den Heimleitern abgesprochen worden. Insgesamt sei in der Pandemiezeit schnell reagiert worden, das Netzwerk zwischen Wohlfahrtsverbänden, Krisenstab und Behörden habe funktioniert.

Höhere Akzeptanz

Auch heute noch sei Corona mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Jeder habe Angst vor Corona-Fällen in seinem Pflegeheim. Er spreche wohl im Namen aller ansässigen Wohlfahrtsverbände, wenn er sich - wie in den Anfangszeiten von Corona - künftig klare Regelungen seitens der Politik für den Pflegeheime wünscht. Für die Heimleitungen und das Pflegepersonal sei es einfacher, wenn in schwierigen Zeiten eindeutige Anweisungen und Verfügungen vorhanden seien. Dies führe zu einer größeren Akzeptanz seitens der Bewohner und Angehörigen, Einschränkungen hinzunehmen.

Zudem sprach Beierwaltes das "Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz" an, das wirtschaftliche Folgen der Pandemie für Krankenhäuser, Vertragsärzte und Pflegeheime auffangen soll. Wie Beierwaltes erklärte, strebe das BRK keine Rendite an, dennoch müsse eine gewisse Wirtschaftlichkeit vorhanden sein. Pflegeheime hätten während der Corona-Zeit Mindereinnahmen. Beim BRK-Kreisverband seien dies der Wegfall der Tagespflege, Umsatzeinbußen im Tagescafé der Pflegeeinrichtung, die Einrichtung einer Isolierstation, das Freihalten von einem Quarantänezimmer etc. Wünschenswert wäre es, wenn dieses Entlastungsgesetz auch in das Jahr 2021 verlängert würde.

Die Bundestagsabgeordnete sprach von einem "Drahtseilakt". Es sei ein gutes Zeichen, dass in der Region in dieser Situation alle Wohlfahrtsverbände, Krisenstab und Behörden zusammenhelfen. Das sei nicht überall so, erklärte Kramme.

Beierwaltes sprach auch die Sorge um dauerhaft genügend Pflegekräfte an. Er erklärte der SPD-Politikerin, dass der BRK-Kreisverband in Verbindung mit den Hochschulen Hof und Coburg stehe. Es gehe darum, im Rahmen des Lucas-Cranach-Campus die Themen Robotik in der Pflege, Logistik und Dokumentation zu etablieren, damit die Pflegekräfte entlastet und wieder mehr Zeit für ihre Patienten haben.

Keine Rivalitäten

Bürgermeister Timo Ehrhardt lobte die Zusammenarbeit mit dem BRK-Kreisverband. Rivalitäten zwischen den Wohlfahrtsverbänden gebe es in seiner Stadt nicht. Er betonte auch die besondere Wettbewerbssituation mit dem benachbarten Pflegeheim in Thüringen. Obwohl dort die Leistungen billiger als beim BRK-Seniorenhaus angeboten würden, entscheiden sich die überwiegende Mehrheit der Betroffenen für Ludwigsstadt. Das spreche für die Qualität des BRK-Seniorenheims. sd