anette Schreiber Eigentlich wollte sich Klaus Karl-Kraus in seinem nunmehr zehnten Bühnenstück einmal ganz dem Geschehen hinter der Bühne widmen. Der letzten Stunde vor dem Auftritt, in der Garderobe. Mit den Schauspielerinnen Johanna und Gisela, die über ihre Rollen und das Leben sinnieren. Ungeniert wollte KKK mit seinen 40 Jahren Bühnenerfahrung einmal den Blick ins Allerheiligste wagen. Das war der Ansatz für "Yoga 10.30 Uhr", das er im Januar begann. Doch beim Schreiben kam es anders, ließ sich das übergreifende Thema dieses Jahres - Corona - nicht einfach außen vor lassen. Es hat sich so eingewebt, dass es im Laufe des Schreibens sogar bis in den Titel vorgedrungen ist, als Zusatz "ein Corona Theater". Premiere ist am Freitag, 30. Oktober.

Natürlich wird das Werk des bekannten Kabarettisten, Rundfunkmoderators, Schauspielers und Dozenten im Theater am Michaelsberg (TaM), dem seine große Liebe gehört, aufgeführt; und Ehefrau Gisela Karl-Kraus steht dafür zusammen mit Johanna Wagner-Zangl auf der Bühne. Ein über die Jahre wunderbar eingespieltes Team.

Aber auch hier hat Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht: Wie so viele Kultureinrichtungen wurde mit dem 19. März auch das TaM lahmgelegt. Für den kleinen Verein mit seinen gerade mal neun Mitgliedern, genau wie für die vielen anderen Kulturschaffenden ein herber Schlag. Besonders schlimm für die rund zehn Studenten, die sich im TaM Geld fürs Studium verdienen, stellt Karl-Kraus mit Bedauern fest.

Nur 20 statt 55 Besucher

Im Juli und mit den Lockerungen hat die Bühne wieder ihren Betrieb aufgenommen. Und es war wieder an "Yoga 10.30 Uhr" zu denken. Und an das Hygienekonzept und die Einhaltung diverser, oft wechselnder Vorgaben. Bei einem Besuchermaximum von gut 55 Personen dürfen seitdem nur noch 20 kommen. Bei 19 entsprechen sich Einnahmen und Kosten. Käme nicht Vermieter Francesco mit der Miete weit entgegen, könnte der TaM-Betrieb kaum aufrechterhalten werden. Das war vorher schon nicht besonders leicht und nur dank der Unterstützung durch OB Andreas Starke (SPD) und Kämmerer Bertram Felix möglich, unterstreicht KKK.

Aber Kultur ist in so einem Jahr vielleicht noch wichtiger als in anderen, sind sich Gisela Karl-Kraus und ihre kongeniale Bühnenpartnerin Johanna Wagner-Zangl einig. Klar sind auch die beiden Bühnenakteurinnen gespalten. Letztendlich kommen sie aber zu dem Schluss: "Wir müssen jetzt spielen", sagt Gisela Karl-Kraus, Johanna Wagner-Zangl ergänzt: "Der Mensch braucht das." Das habe man nach den ersten Aufführungen nach dem Lockdown ganz stark gemerkt, betonen die Akteure.

Klar sei es schon anders zu spielen, wenn nicht mal die Hälfte des sonst gewohnten Publikums im Zuschauerraum sitzt. Regisseur und Schauspielerinnen freuen sich nun aber noch mehr über jeden, "der sich traut und kommt". Für die ganz Ängstlichen wurde sogar ein Luftreinigungsgerät auf dem Kamin platziert. "Besser wir spielen nur vor weniger als der Hälfte von Zuschauern, als gar nicht", schmettert Wagner-Zangl von der Bühne, bevor KKK seine Mädels wieder proben lässt.

Zusätzlich zittern

Jedes Mal vor der Premiere eines neuen Stückes aus seiner Feder ist der Bühnenprofi nervös und zittert. Aber dieses Mal gilt es nicht nur dem Stück, sondern ist auch der Frage geschuldet, ob und wenn wie lange man wird spielen dürfen.

Falls das der Fall ist, so erwartet das Publikum ein Stück, das wohl in die Zeit passt wie kaum ein anderes und das sich genau auch deswegen kaum in einen Gattungsbegriff packen lässt. Klar sind da viele komödiantische Elemente und Klamauk dabei, aber auch viel Tief- undHintersinniges. KKK sind beim Schreiben so etliche Parallelen unserer Zeit und den 20ern des vergangenen Jahrhunderts aufgefallen. Damals schickte sich ein österreichischer "Postkartenmaler" an, die Welt in Verderbnis zu stürzen, heute haben wir das Schreckgespenst Klimawandel, zeigt das Corona-Zeit-Stück, das auch mit wunderbaren musikalischen Schmankerln, meist umgetexteten Ohrwürmern, daherkommt.

Die Premiere für den heutigen Freitag ist ausverkauft. Karten für die Samstagsvorstellung (Beginn 20 Uhr) sowie Informationen und Reservierungen zu den Terminen der weiteren geplanten Vorstellungen nach dem November-Lockdown unter der Handynummer 0170/2971050 oder unter info@tam.ag.